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Mañana (16. November 2005) | AVO Session,
Basel
Reifeprüfung bestanden.
Die AVO Session ist für Basel
das, was für Montreux das Jazzfestival ist. Auch im zwanzigsten
Jahr ist das Programm gewohnt exquisit. Für Schweizer Bands
ist ein Auftritt an der AVO Session ein wichtiges Showcase: Wir
waren bei Mañana dabei.
Von David Bauer und Shelley Jambresic (Fotos).
Mañana hatten wohl einen kleinen Aha-Effekt,
als sie auf der Bühne der AVO Session standen. Eben noch
hatten sie kleine, angesagte Clubs in London und Liverpool gerockt
- nun stehen sie auf der scheinbar riesigen Bühne der AVO
Session in Basel im Vorprogramm der norwegischen Popikonen A-Ha
- und wirken etwas verloren. Den fünf Jungs aus dem Baselbiet
eilt der Ruf voraus, das Potential für internationale Erfolge
zu haben. Auch der Schreibende hat sie schon gebührend gelobt.
An diesem Abend, in ihrer Heimatstadt (ja, vergebt mir Jungs,
ich weiss, dass ihr aus Lausen kommt; aber das ist keine Stadt),
sind diese Vorschusslorbeeren eine schwere Bürde. Das Publikum
weiss um den guten Ruf der jungen Band, hat entsprechend hohe
Erwartungen und wird bei jedem noch so kleinen Fehler aufhorchen.
Keine einfache Aufgabe für eine erfolgsverwöhnte Band:
Das bisherige Karrierehighlight ist gleichzeitig eine Reifeprüfung.
Professionell, aber ohne Charme
Entsprechend nervös ist der Beginn.
Mañana eröffnen das Konzert mit einem langgezogenen
Intro. Auch dem zweiten Song schicken sie einen langen Instrumentalpart
voraus, bevor sich Sänger Manuel Bürkli erstmals ans
Mikrofon vorwagt. Prompt trifft er einige Töne nicht ganz,
die Kopfstimme wirkt weniger klar und stabil als man es von ihm
gewohnt ist. Auch in den folgenden Songs kommen Mañana
nicht richtig aus sich heraus, zu beschäftigt scheinen sie
mit sich selber und dem Bemühen, bloss keine Fehler zu machen.
Dabei wirken Mañana zwar immer professionell, zumeist
stilsicher, doch geht ihnen der Charme und die Eindringlichkeit
der Songs ab, die sie sonst auszeichnen.
Keine Zitterpartie
Mit "To Be", ihrem fünften
Song im Set, finden Mañana zu gewohnter Souveränität.
Es ist wohl kein Zufall, dass dieser Song an diesem Abend den
Wendepunkt markiert: Es ist einer der besten neuen Songs und
eine potentielle Single für das bald erscheinende Debütalbum.
Mit dem anschliessenden "Monster" gelingt es der Band
endgültig, das "Monster" AVO Session in die Knie
zu zwingen. Plötzlich spielen Mañana befreit auf,
die Qualität der Performance ist eine ganz andere als noch
zu Beginn des Gigs. Und auch die Ansagen von Bürkli zwischen
den Songs bezeugen, dass die Nervosität nun der Spielfreude
gewichen ist. Bei den abschliessenden drei Songs, "Some
Kid", der bisherigen Erfolgssingle "Miss Evening"
und "Psycho" können die fünf Baselbieter
dann aus dem Vollen schöpfen und dem Publikum zeigen, dass
sie zu Recht diesen prestigeträchtigen Auftritt erhalten
haben. Während die Schweiz kurz vor neun Uhr in der Türkei
noch am Zittern ist, haben Mañana ihre Reifeprüfung
bestanden - wenn auch nicht mit Bravour, wie man das vielleicht
hätte erwarten können.
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Auf dem richtigen Weg
Noch fehlt der Band das Selbstvertrauen,
auch vor solcher Kulisse ihr Ding von Anfang bis Schluss durchzuziehen.
Vielleicht wäre es anders gekommen, hätten Mañana
gleich mit einem ihrer stärksten Songs begonnen, die sie
sich nun für das Ende aufgespart haben. Auch punkto Bühnenpräsenz
können sich Mañana noch verbessern. Manchmal hat
man den Eindruck, die fünf Jungs würden sich von der
Weite der Bühne erdrücken lassen, anstatt sie als Podium
für ihren grossen Auftritt zu nutzen. Manuel Bürkli
spielt in den Ansagen zwischen den Songs zwar gut mit dem Publikum.
Dafür wirken seine Gesten während der Songs teils etwas
gar bemüht. Sie lenken mehr von den Texten ab, als dass
sie sie unterstreichen würden. Alles in allem muss man aber
sagen: Die Band ist auf dem richtigen Weg. Wenn das lang ersehnte
Debütalbum erst veröffentlicht ist, dürfte dieser
Weg noch weit nach oben führen.
www.manana.fm
In dieser Ausgabe:
Reportage über
Mañana in England
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