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CocoRosie (15. November 2005) | Boa, Luzern
Traumwelt
Jede Minute Verspätung schien
den CocoRosie-Auftritt noch spannender zu machen. Wie lassen
sich die musikalische Kunstwerke "La maison de mon reve"
und "Noah´s Ark" auf der Bühne umsetzen?
Die Frage könnte auch im Schlaf beantwortet werden.
Von Urs Arnold (Text) und Linda Richard (Foto).
Mit dem Einschalten des Beamers durch Bianca
Casady wurde symbolisch ein Tor in die Welt von CocoRosie aufgetan,
einem Ort, an dem man sich schnell verlieren kann. Im Laufe des
Konzertes kristallisierte sich ihr Stil noch prägnanter
als avangardistische Kunstform heraus, eine, die in dieser Art
in der derzeitigen Musikszene ihresgleichen sucht. In einer gewissen
Weise kann man CocoRosie die Verwandtschaft mit Kate Bush und
Björk nicht absprechen, einer Weiterführung des musikalischen
Elfentums, welche diese beiden Frauen in den letzten zwei Jahrzehnten
geprägt haben.
Schon bei den ersten Liedern des Konzertes
konnte man die dezente HipHop-Ausrichtung erkennen, was nicht
verwunderte, denn da liegen bekanntlich die Wurzeln des Duos.
Die Beatbox des MCs (einer schwarzen Unbekannten, die während
des Konzerts die ganze Elektronik bediente) stand viel mehr im
Zentrum als auf den Aufnahmen und war bei fast der Hälfte
der Songs zugegen. Dazu gab es neben der sonst gekrächzten
Gesangsstimme von Bianca auch ab und an Sprechgesang, welcher
vorzugsweise mit opernhaften Lauten von Sierra unterlegt wurde.
Das Set gestaltete sich als wunderbare Durchmischung
beider Alben. Songs wie "K-Hole", "South 2nd",
"Lyla" oder "By Your Side" gehörten
zu den Highlights. Auch das auf der Platte von Antony gesungene
"Beautiful Boys" vermochte in der reinen CocoRosie
Version zu überzeugen. Die Musik wurde von grobkörnigen
Visuals auf der Leinwand stimmungsvoll begleitet. Oft so einnehmend,
dass man sich besinnen musste, dass da ja auch noch Musikerinnen
auf der Bühne stehen
Aber zu jedem Traum gehören auch kleinere
Misstöne. Covers von netten Chartsliedchen können gewiss
herausfordernd für den Künstler sein, bei einem Song
wie "Turn Me On" von Kevin Lyttle gibt es aber auch
gar nichts mehr zu retten. Dass es CocoRosie aber doch versuchten,
zeigt Mut und Selbstvertrauen, war aber im Grunde genommen ziemlich
überflüssig.
Die grösste Überraschung des Abends
war die Ausgelassenheit, in der sich die Band präsentierte.
Während Sierra, bekleidet mit einem grünen Poncho,
extrem viel lachte, blieb Bianca sehr lange reserviert und ernst.
Am Ende des Sets tanzten nichtsdestotrotz alle drei Musikerinnen
herum, als hätten sie gemerkt, dass ihrer Traumwelt manchmal
noch ein wenig Humor und Freude fehlen.
www.cocorosieland.com
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