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Nr. 138 / Dezember 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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CocoRosie (15. November 2005) | Boa, Luzern
Traumwelt

Jede Minute Verspätung schien den CocoRosie-Auftritt noch spannender zu machen. Wie lassen sich die musikalische Kunstwerke "La maison de mon reve" und "Noah´s Ark" auf der Bühne umsetzen? Die Frage könnte auch im Schlaf beantwortet werden.

Von Urs Arnold (Text) und Linda Richard (Foto).

Mit dem Einschalten des Beamers durch Bianca Casady wurde symbolisch ein Tor in die Welt von CocoRosie aufgetan, einem Ort, an dem man sich schnell verlieren kann. Im Laufe des Konzertes kristallisierte sich ihr Stil noch prägnanter als avangardistische Kunstform heraus, eine, die in dieser Art in der derzeitigen Musikszene ihresgleichen sucht. In einer gewissen Weise kann man CocoRosie die Verwandtschaft mit Kate Bush und Björk nicht absprechen, einer Weiterführung des musikalischen Elfentums, welche diese beiden Frauen in den letzten zwei Jahrzehnten geprägt haben.

Schon bei den ersten Liedern des Konzertes konnte man die dezente HipHop-Ausrichtung erkennen, was nicht verwunderte, denn da liegen bekanntlich die Wurzeln des Duos. Die Beatbox des MCs (einer schwarzen Unbekannten, die während des Konzerts die ganze Elektronik bediente) stand viel mehr im Zentrum als auf den Aufnahmen und war bei fast der Hälfte der Songs zugegen. Dazu gab es neben der sonst gekrächzten Gesangsstimme von Bianca auch ab und an Sprechgesang, welcher vorzugsweise mit opernhaften Lauten von Sierra unterlegt wurde.

Das Set gestaltete sich als wunderbare Durchmischung beider Alben. Songs wie "K-Hole", "South 2nd", "Lyla" oder "By Your Side" gehörten zu den Highlights. Auch das auf der Platte von Antony gesungene "Beautiful Boys" vermochte in der reinen CocoRosie Version zu überzeugen. Die Musik wurde von grobkörnigen Visuals auf der Leinwand stimmungsvoll begleitet. Oft so einnehmend, dass man sich besinnen musste, dass da ja auch noch Musikerinnen auf der Bühne stehen

Aber zu jedem Traum gehören auch kleinere Misstöne. Covers von netten Chartsliedchen können gewiss herausfordernd für den Künstler sein, bei einem Song wie "Turn Me On" von Kevin Lyttle gibt es aber auch gar nichts mehr zu retten. Dass es CocoRosie aber doch versuchten, zeigt Mut und Selbstvertrauen, war aber im Grunde genommen ziemlich überflüssig.

Die grösste Überraschung des Abends war die Ausgelassenheit, in der sich die Band präsentierte. Während Sierra, bekleidet mit einem grünen Poncho, extrem viel lachte, blieb Bianca sehr lange reserviert und ernst. Am Ende des Sets tanzten nichtsdestotrotz alle drei Musikerinnen herum, als hätten sie gemerkt, dass ihrer Traumwelt manchmal noch ein wenig Humor und Freude fehlen.

www.cocorosieland.com


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