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Nr. 138 / Dezember 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bob Dylan (13. November 2005) | Hallenstadion, Zürich
Dylan live im Knast

Bob Dylan war wieder im Lande und faszinierte einmal mehr. Nur schade, dass er im neuen Hallenstadion spielen musste. Dort hinein wird der Autor dieses Berichts keinen Fuss mehr setzen.

Von Philipp Albrecht.

Wer heute an ein Konzert von Bob Dylan geht, wird erstmal enttäuscht. Einerseits spielt Dylan keinen Song mehr so, wie er einst klang. Ein Dylan-Konzert wir so zur Rätselstunde. Andererseits zeigt Sir Bob keinerlei Anstalten, sich für den Konzertbesuch seiner Zuschauer erkenntlich zu zeigen. Er spricht nur, wenn er die Band vorstellt. Name, Instrument und wenn's gut kommt vielleicht noch Herkunft. Ansonsten krächzt er kaum verständliche Phrasen ins Mikrophon. Trotzdem ist ein Dylan-Konzert nach wie vor das Musikerlebnis schlechthin. Kein anderer noch lebender Musiker hat die Popmusik der letzten 40 Jahre so sehr beeinflusst wie er. Das Rolling Stone erkor sein 66er-Album "Blonde On Blonde" zum besten Album und "Like A Rolling Stone" (1965) zum besten Song aller Zeiten.

Die Velorennbahn ist weg, Dylan ist immer noch da.
Am 13. November besuchte Dylan wieder das fast ausverkaufte Hallenstadion. Seit 1988 ist er auf "Never Ending Tour", mit durchschnittlich über 100 Konzerten pro Jahr. In den letzten fünf Jahren ist Dylan drei Mal in Zürich aufgetreten. Diesmal war zweierlei neu: Erstens spielt er nicht mehr Gitarre, sondern steht an einem Keyboard, und zweitens ist die Band eine neue. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Konzert am 13. November wieder ein eindrückliches war. Quer durch seine Schaffensphase geht die Songauswahl. Von "Señor", dem 1979er-Album "Street Legal" über "The Times They Are A-Changin'" (1964) und "All Along The Watchtower" (1967) bis hin zu neueren Kompositionen hatte alles in einem 100minütigen Set Platz.

Als Dylan aber dieses Mal in Oerlikon ankam, muss er sich, sofern er sich erinnern kann, sehr gewundert haben. Denn von aussen sieht das Hallenstadion noch immer so aus, wie er's sich gewöhnt ist, innen jedoch hat das Gebäude einen erstaunlichen Wandel durchgemacht. Alles ist modern, hypersauber und vor allem: kalt. Zwar ist das störende Echo der Velo-Rennbahn weg, dafür türmen sich nun gegenüber der Bühne dekadente Logen, wo Cüpli-schlürfende Goldküster den Regenwaldholzboden zerkratzen. Vor dem Konzert läuft auf riesigen Bildschirmen laute und aufdringliche Werbung, zwischen den Spots bellt es noch lauter aus den Lautsprechern: nicht rauchen, nicht auf der Treppe sitzen, keine Fotos - weder mit Kameras noch mit Handys - ansonsten wird die "Waffe" konfisziert usw. Die Sitzplätze sind so eng, dass man den Kopf des davor Sitzenden zwischen die Knien nehmen kann. Und der Höhepunkt des Spektakels: Während des Konzertes leuchten Angestellte in schwarzen Kleidern mit Taschenlampen die Sitzreihen ab, um Gesetzesbrecher ausfindig zu machen. So werden Raucher eines besseren belehrt, verirrte Treppensitzer auf ihre Plätze verwiesen und Tanzende zum Hinsetzen gebeten. Ein gottloser Ort, das neue Hallenstadion.

www.bobdylan.com
www.hallenstadion.ch


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