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Bald ist Weihnachten...
Von Sonja Valentino.
...aber lassen wir das. - Meine Schwester
und ich rannten kürzlich (wieder mal) aus angeblich zeitdrängenden
Gründen durch Luzern. Ich weiss nicht, was unser Problem
ist, aber es hält uns fit. Irgendwie. Wie dem auch sei,
wir schafften es natürlich rechtzeitig, im Club Boa zu erscheinen.
Sehr rechtzeitig sogar. Es reichte für je einen Toilettengang,
ausgiebiges Rumgejammer* über sprintbedingte Übelkeit,
Bodenrumgehocke bis der Steiss schmerzt und die Vorband. Wären
wir besser informiert gewesen, oder schlicht weniger hysterisch,
was das Verpassen von Konzerten, das Verpassen von irgendwas,
angeht, hätten wir auf mindestens drei der obgenannten Punkte
verzichten können. Den WC-Besuch ausgeschlossen. Denn auf`s
Klo muss Frau irgendwie immer, wo doch die Strecke Blase-ähm-Ausgang
nur so kurz ist.
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Und ja, auf die Vorband hätte ich
verzichten können. Aber nicht, weil sie schlecht war, sondern
weil es Tage gibt, an denen man gleich zum Punkt kommen will,
ohne Vorspeise, -spiel und tralala. Aber unterhaltsam waren sie
dennoch, die beiden Schweizer. Vor allem die Sängerin bot
dem Publikum mehr als nur eine gute Stimme und gekonntes Gitarrenspiel.
So hatte sich ihr Rock doch gleich hinten, unterhalb des Rückens
und oberhalb des Hinterteils im Bund der Strumpfhose verfangen.
Ihr Aufzug bekam somit eine sehr aufreizende Asymmetrie, die
vom Boden hockend aus gesehen fast schon unanständig war.
Meine Schwester und ich überlegten noch, ob wir was sagen
sollten. Aber angesichts der wohlgeformten und straffen Beine
liessen wir es bleiben. Man soll den Nachwuchs ja fördern,
und mich würde nicht wundern, wenn durch unsere werbestrategisch
wohl überlegte Zurückhaltung ein, zwei Scheiben mehr
über den Verkaufstisch gingen. Gern geschehen.
Als sich dann die Vorband ins zahlenmässig
bescheidene Publikum stellte, war klar, dass die vier kanadischen
Musiker von den Great Lake Swimmers nicht mehr weit sein konnten.
Und prompt hatten sie sich auch schon auf die Bühne geschlichen
und zogen sofort alle in ihren Bann mit ihrer irritierend sachten
Musik. Fast alle. Denn zwei Jünglinge liessen es sich nehmen,
aktuelle Geschehnisse aus Wirtschaft, Kultur und Politik gleich
vor Ort an der Bar zu diskutieren und Meinungen auszutauschen.
Und an der Bar bedeutet für die kleine familiäre Konzertstube
der Boa sozusagen direkt vor der Bühne. Da ich noch immer
an den Folgen des vorangegangenen, innerschweizerischen Abendlaufs
litt, fehlten mir die Kraft und die Luft, die beiden Unverschämten
zurechtzuweisen. Ich blickte einzig ein paar Mal böse zu
ihnen rüber, jedoch ohne Erfolg.
Schön war es aber dennoch, und wäre
es nicht schon so spät gewesen, hätten wir bis ganz
zum Schluss, zur finalen Zugabe bleiben können. Aber der
letzte Bus rief und wir, klar, rannten, um dann, klar, eine geschlagene
Viertel Stunde auf das öffentliche Gefährt zu warten.
Lange kann das nicht gut gehen, rennen schon gar nicht.
*ausgiebiges Rumgejammer der Ressortleitung
bekannt
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