AKTUELL   ARCHIV & SUCHE   NEWSLETTER   INFOS   KONTAKT

Nr. 138 / Dezember 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AWARDS    REPORTAGE    LABELS    NEUHEITEN    MEILENSTEINE    KOLUMNEN    KONZERTE

 

« ZURÜCK

 

WEITER »

Ohrwurm
Zurückgespult
 

Bald ist Weihnachten...

Von Sonja Valentino.

...aber lassen wir das. - Meine Schwester und ich rannten kürzlich (wieder mal) aus angeblich zeitdrängenden Gründen durch Luzern. Ich weiss nicht, was unser Problem ist, aber es hält uns fit. Irgendwie. Wie dem auch sei, wir schafften es natürlich rechtzeitig, im Club Boa zu erscheinen. Sehr rechtzeitig sogar. Es reichte für je einen Toilettengang, ausgiebiges Rumgejammer* über sprintbedingte Übelkeit, Bodenrumgehocke bis der Steiss schmerzt und die Vorband. Wären wir besser informiert gewesen, oder schlicht weniger hysterisch, was das Verpassen von Konzerten, das Verpassen von irgendwas, angeht, hätten wir auf mindestens drei der obgenannten Punkte verzichten können. Den WC-Besuch ausgeschlossen. Denn auf`s Klo muss Frau irgendwie immer, wo doch die Strecke Blase-ähm-Ausgang nur so kurz ist.

Und ja, auf die Vorband hätte ich verzichten können. Aber nicht, weil sie schlecht war, sondern weil es Tage gibt, an denen man gleich zum Punkt kommen will, ohne Vorspeise, -spiel und tralala. Aber unterhaltsam waren sie dennoch, die beiden Schweizer. Vor allem die Sängerin bot dem Publikum mehr als nur eine gute Stimme und gekonntes Gitarrenspiel. So hatte sich ihr Rock doch gleich hinten, unterhalb des Rückens und oberhalb des Hinterteils im Bund der Strumpfhose verfangen. Ihr Aufzug bekam somit eine sehr aufreizende Asymmetrie, die vom Boden hockend aus gesehen fast schon unanständig war. Meine Schwester und ich überlegten noch, ob wir was sagen sollten. Aber angesichts der wohlgeformten und straffen Beine liessen wir es bleiben. Man soll den Nachwuchs ja fördern, und mich würde nicht wundern, wenn durch unsere werbestrategisch wohl überlegte Zurückhaltung ein, zwei Scheiben mehr über den Verkaufstisch gingen. Gern geschehen.

Als sich dann die Vorband ins zahlenmässig bescheidene Publikum stellte, war klar, dass die vier kanadischen Musiker von den Great Lake Swimmers nicht mehr weit sein konnten. Und prompt hatten sie sich auch schon auf die Bühne geschlichen und zogen sofort alle in ihren Bann mit ihrer irritierend sachten Musik. Fast alle. Denn zwei Jünglinge liessen es sich nehmen, aktuelle Geschehnisse aus Wirtschaft, Kultur und Politik gleich vor Ort an der Bar zu diskutieren und Meinungen auszutauschen. Und an der Bar bedeutet für die kleine familiäre Konzertstube der Boa sozusagen direkt vor der Bühne. Da ich noch immer an den Folgen des vorangegangenen, innerschweizerischen Abendlaufs litt, fehlten mir die Kraft und die Luft, die beiden Unverschämten zurechtzuweisen. Ich blickte einzig ein paar Mal böse zu ihnen rüber, jedoch ohne Erfolg.

Schön war es aber dennoch, und wäre es nicht schon so spät gewesen, hätten wir bis ganz zum Schluss, zur finalen Zugabe bleiben können. Aber der letzte Bus rief und wir, klar, rannten, um dann, klar, eine geschlagene Viertel Stunde auf das öffentliche Gefährt zu warten. Lange kann das nicht gut gehen, rennen schon gar nicht.

*ausgiebiges Rumgejammer der Ressortleitung bekannt


« ZURÜCK

NACH OBEN

WEITER »

Erscheint jeden Monat am 3. neu.

© 2000 - 2005 "DAS NETZMAGAZIN." Alle Rechte vorbehalten. Powered by Bürki Hosting, Spiez.