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Nr. 138 / Dezember 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Labelserie: Fat Cat
Kraut und Rüben

Animal Collective
Fat Cat hat den Herbst und die anstehende Winterzeit schon mal wunderbar eingeläutet. Vier tolle Alben von Amandine, Songs of Green Pheasant, Animal Collective und Vashti Bunyan wurden veröffentlicht. Alle natürlich mit dem Gütesiegel "fabelhaft" ausgezeichnet.

Von Daniela Valentino.

Vom hippen Plattenladen für auserwählte Elektronik und Technomusik in Covent Garden/London, hat sich Fat Cat innerhalb weniger Jahre zum unabhängigen Kultlabel schlechthin gemausert. Seit 1997 aktiv tätig, vereint das Plattenlabel, nun in Brighton ansässig, unterschiedlichste Musikstile, die weit über den Rand elektronischer Musik hinausreichen. Von Múm über Animal Collective und Vashti Bunyan bis hin zu To Rococo Rot fördert Fat Cat all jene Musik, für die man mehr als nur einen lauten Ghettoblaster benötigt. Etwas Feinfühligkeit und der gute Wille, sich in eine CD hineinzuleben sind Voraussetzung für den ungetrübten Genuss von Fat Cat-Alben.

Da wird einem geholfen
Seit Beginn der Gründung von Fat Cat betreut das Label auch andere, parallel laufende Projekte. Eines davon sind die Split-Serien, welche exklusiv nur auf 12" Vinyl erhältlich sind. Die Platten vereinen bekannte Künstler auf der A-Seite mit weniger bekannten Namen auf der B-Seite. Eine klasse Taktik, welche auf diese Weise kleinen Grössen zu einer breiten Hörerschaft verhilft.

Amandine
Ebenfalls interessant ist die von Fat Cat betriebene DIY-Seite. Eine Internetseite mit so genanntem Leitfaden für Leute, die beabsichtigen, ihr eigenes Label zu gründen, bzw. ihre eigene Musik selbst zu veröffentlichen. Auf der Demo-Seite finden sich ausserdem unveröffentlichte Demos, die dem Label per Post zugesandt wurden, für deren Unterstützung das Label jedoch weder die Zeit noch die Mittel aufbringen konnte. Die jeweiligen Mp3's sind auf der Seite gratis zu downloaden.

Animalisches Kollektiv
Fat Cat ist berüchtigt dafür, die verschiedensten Bands unter Vertrag zu haben. Da trifft sich also Kraut und Rüben, Xinlisupreme und Dr. Smith & Professor Ludlow, zum Beispiel. Erstere eine erstaunliche Band aus Japan, letztere rätselhafte Produzenten aus dem Vereinigten Königreich. Doch neben vielen kleineren Bands gibt es auch einige grössere Künstler, die das Label hervorgebracht hat. Zu den Shooting Stars gehören Sigur Rós, keine Frage. Auch wenn sie jetzt unter die Fittiche vom Labelgiganten EMI genommen wurden. Die vier Isländer hätten es sich wohl nicht im Traum auszumalen gewagt, dass ihre doch sehr eigenständige Musik dermassen grossen Anklang finden würde. Mittlerweile füllt die Band ohne weiteres Konzertlokale mit ein paar Tausend Besuchern. Wer die Band jedoch bereits live erleben durfte, weiss, dass der grosse Erfolg ihrem Charme keinen Abbruch getan hat. Sigur Rós sind noch immer die Herzlichkeit in Person.

Sigur Rós
Ebenfalls in aller Munde sind momentan Animal Collective, welche gerade ihr siebtes Album "Feels" veröffentlicht haben. Kritikerstimmen behaupten, sie seien popkompatibler, reifer und kompakter als zuvor. Die Soundcollagen von Animal Collective galten bisher als vielschichtig, improvisiert und hypnotisch - für jemanden, der die Band nicht kennt, mag wohl zwar auch das aktuelle Album so klingen. Animal Collective sind eben einfach ein bisschen anders.

Im Bunde der aktuellen Neuerscheinungen findet auch Vashti Bunyan einen Platz. 35 Jahre sind nun mittlerweile vergangen, seit Vashti Bunyan ihr erstes und einziges Album veröffentlicht hat. Die britische Folk-Sängerin gilt heute als unbestrittene Kult-Legende. Mit "Lookaftering" veröffentlicht sie also ihr zweites Album - eine ruhige Folk-Platte, die an Schlaf- und Kinderlieder erinnert. Der Titel des Albums wurde in Anlehnung an die Betreuung ihrer Kinder gewählt. Selbst die Illustration auf dem Cover stammt von ihrer Tochter.

www.fat-cat-co.uk

Im Netzmagazin-Archiv:
CD-Kritik zu Animal Collective "Feels"

Aktuelle Neuerscheinungen

Amandine: "This is where our hearts collide" | Namskeio
Heissgliebti Amandine

Amandine sind erst seit vergangenem Frühling bei Fat Cat mit dabei, doch man sagt ihnen bereits jetzt eine bedeutende Zukunft voraus. Kein Wunder: Das Schweden-Quartett legt hier ein klagend süsses Album vor, dessen melancholischen und zierlichen Melodien von Piano, Akkordeon und Gitarre getragen dich bis in den Schlaf begleiten. Zierlich eingesetzte Bläser und Violinen sorgen für noch mehr Wehmut und machen das Album zum begleitenden Wintersoundtrack. Ihre Wurzeln haben Amandine sowohl in der traditionell amerikanischen Folkmusik, als auch im Alt-Country. Diese musikalischen Einflüsse drücken jedoch nur spärlich durch, womit wir es hier eher mit einem bittersüssen Independent Pop-Album zu tun haben. Einfach nur zum Seufzen.


Songs of Green Pheasant: "Songs of Green Pheasant" | Namskeio
Unfassbar?

Songs of Green Pheasant ist das Soloprojekt von Duncan Sumpner, Lehrer und Künstler aus Sheffield. Knapp drei Jahre ist es her, seit Duncan sein Demo an Fat Cat versandt hat. Da diese ihn aufgrund einer fragwürdigen E-Mail-Adresse "nicht gleich" erreichen konnten, haben wir also erst jetzt das Vergnügen das Album kennen zu lernen. Sehr minimalistisch gehalten, schleicht sich das Erstlingswerk auf Samtpfoten, bzw. leichten Fasanfüssen heran. Grundton bildet Duncans sanfter und fragiler Gesang, der klanglich nicht oft in den Vordergrund rückt, sondern vielmehr Raum für die spärlich gezupften Gitarrensaiten lässt. Wäre Musik materiell und fassbar, so könnte man Songs of Green Pheasant wohl kaum zwischen die Finger bekommen. Die Melodien und der Gesang scheinen vielmehr weit weg zu liegen und irgendwo im Nirgendwo zu schweben.


Vashti Bunyan: "Lookaftering" | Namskeio
Ode an die Unvergänglichkeit

Popkulturell betrachtet sind dreieinhalb Jahrzehnte eine halbe Ewigkeit. Vashti Bunyans follow-up von "Just Another Diamond Day" klingt indessen, als sei die Welt so lange stillgestanden.

Es nicht ein ganz einfaches Unterfangen, "Lookaftering" an momentanen musikalischen Strömungen zu messen. Vielleicht klingt es aber etwa so, wie wenn Beth Gibbons nach "Out of Season" genau dort weitergemacht hätte und lediglich ihr Instrumentarium entschlackt und auf Perkussion gänzlich verzichtet hätte. Vielleicht. Und so bleibt nicht viel anderes übrig, als "Lookaftering" mit dem Debut zu vergleichen. Wobei in erster Linie auffällt, dass vieles beim Alten geblieben ist, und nur die Naivität von "JADD" einer Ernsthaftigkeit gewichen ist, wie man sie in Bunyans Stimme früher nie hörte. Die Hippiezeiten sind endgültig vorbei und dies hört man der Platte auch an. So entstand mit Unterstützung von Akustikgitarre, Streichquartett, Oboe, Glockenspiel und Piano erneut ein organisches Folkalbum, auf dem weitgehend auf Experimente verzichtet wird.

Wie auch schon vor 35 Jahren bleibt nicht nur Bunyans Folkstimme gewöhnungsbedürftig, sondern die gesamte Produktion. Und dies macht die Platte trotz ihrer Purheit ein Stück weit entbehrlich. Die heimliche Stärke von "Lookaftering" liegt jedoch erneut in der Zeitlosigkeit. Und antizyklische Erscheinungen gibt es in dieser Industrie weiss Gott nicht alle Tage. So wird man vielleicht auch noch von "Lookaftering" sprechen, wenn Banhart und seine Hippiefreunde längst in Vergessenheit geraten sind. (mif)

In dieser Ausgabe:
Rückblende über Vashti Bunyan


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