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Mit Mañana auf der Insel
Morgen schon gross in England?
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"Für uns geht ein Bubentraum
in Erfüllung" |
Bubentraum und Piece de Resistance
zugleich: In England Fuss zu fassen ist das Ziel vieler Schweizer
Bands. Doch der Weg dorthin ist weit und beschwerlich. Mañana
kümmert das nicht - sie wollen England erobern. Das Netzmagazin
war bei ihren ersten Konzerten auf der Insel dabei.
David Bauer (Text und Fotos).
Kaum sind die letzten Töne von "Miss
Evening" ausgeklungen, stürmt ein fest gebauter Brite
auf Sänger Manuel Bürkli zu und schüttelt ihm
anerkennend die Hand. Später sagt er zur Band: "Passt
gut auf ihn auf - he's a diamond". Mañana, die Rohdiamanten
aus der Schweiz, haben im Dublin Castle in London für manch
staunendes Gesicht gesorgt. Auch der Mischer im Londoner Club
ist verblüfft. Er setze hier jede Woche ein Dutzend Bands
in Szene, aber solch eine professionelle Band habe er noch selten
gesehen.
"Für uns geht mit dieser Tour ein
Bubentraum in Erfüllung", erzählt Bürkli
auf der Hinreise. Im gleichen Atemzug fügt er hinzu: "Wir
nehmen diese Gigs in England sehr ernst". Will heissen:
Mit den Auftritten in England haben Mañana ihr Ziel nicht
etwa schon erreicht, vielmehr sollen sie erst das Sprungbrett
für höhere Ziele darstellen. Höhere Ziele sind
etwa ein Plattendeal in England, regelmässige Touren im
Ausland. Und so ist das Konzert im Dublin Castle nicht bloss
das erste von fünf Konzerten einer kleinen Englandtour.
Hauptsächlich soll es das erste von vielen mehr sein - denn
Mañana sind hier, um sich die Türen ins Musikgeschäft
in England aufzustossen. Das sagen die jungen Baselbieter ohne
falsche Bescheidenheit.
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Achtung: Talentspäher im Publikum |
Auf den Spuren von Coldplay
Der Rahmen an diesem Abend ist gut.
Das Dublin Castle in Camden ist eines der angesagtesten Lokale
in London. Die Libertines wurden hier entdeckt, Coldplay und
Blur haben hier schon gespielt. Und die "Locals" bestätigen:
Dies ist der "place to be" für aufstrebende Bands.
Für Mañana gilt dies umso mehr, als Talentspäher
von verschiedenen englischen Independent Labels sowie von einem
der vier grossen Major-Labels gekommen sind, um sie zu beobachten.
Mañana spielen an diesem Abend als Headliner: knapp eine
Stunde Zeit, sich zu empfehlen.
Eine Bookingagentur aus London hat Mañana
diesen Auftritt, wie auch die anderen in England, verschafft.
Dabei war zwei Tage zuvor noch nicht einmal klar, ob Mañana
an diesem Abend überhaupt spielen können. Das ursprünglich
vorgesehene Engagement in einem anderen Lokal hat sich kurzfristig
zerschlagen - scheinbar ein Missverständnis. Es passt zur
Erfolgsstory von Mañana, dass nicht nur ein Ersatz gefunden
wurde, sondern dieser besser ist als der geplante Auftrittsort.
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Ein Plattendeal in England scheint
in Griffnähe |
Den Plattendeal in Griffnähe
Bisher ist bei Mañana alles
sehr schnell gegangen. 2002 gegründet, ein Jahr darauf grosse
Schweiztour mit den Lovebugs, erste Platte: die EP "Fast
Days". 2004 der Durchbruch: Über sechs Millionen Gamer
weltweit hören "Miss Evening" von Mañana
auf dem Soundtrack zu "Fifa05". Das Tor zur weiten
Welt ist aufgestossen. Dieses Jahr Konzerte an den grossen Festivals
Bochum Total und Balelec in Lausanne, Tour durch Deutschland,
Schweden, Holland, Österreich. Und nach den Auftritten in
England dann Mitte November ein weiterer Höhepunkt: das
Konzert an der AVO Session im Vorprogramm von A-Ha. In England
sind Mañana nun an einem Punkt angelangt, wo schon andere
Schweizer Bands vor ihnen waren: Ein Plattendeal in England scheint
in Griffnähe.
Schlafen im Büro
Die Bedingungen sind dort aber ungleich
härter als in der Schweiz. Was hierzulande Standard ist,
ist in England undenkbar: In der Schweiz wird eine Band bei der
Ankunft im Lokal begrüsst, Getränke stehen im Backstage-Bereich
kostenlos zur Verfügung, vor dem Konzert gibt es ein Nachtessen
und nach dem Gig wird eine Gage ausbezahlt. In England heisst
es dazu viermal: No! Bei der Ankunft ist die zuständige
Person nicht da, die Getränke holt sich die Band wie jeder
andere Besucher an der Bar, Essen gibt es auf eigene Kosten beim
Italiener vis-à-vis und nach einer Gage braucht man gar
nicht erst zu fragen. Diese Bedingungen gelten zwar für
alle aufstrebenden Bands, doch fallen sie freilich für eine
Schweizer Band bedeutend mehr ins Gewicht, wenn sie extra aus
der Schweiz anreist.
Normalerweise ist die erste Tour im Ausland
für eine Band deshalb ein Minusgeschäft. Einnahmen
gibt es praktisch keine, dagegen ist die Spesenrechnung lang.
Ein Tourbus muss gemietet werden, viel Benzin bezahlt, dazu Verpflegung
und Unterkunft. Dass der Konzertveranstalter der Band eine Unterkunft
organisiert, ist höchst ungewöhnlich. Mañana
übernachten nach dem ersten Konzert in London im Büro
ihrer Bookingagentur, mit Campingmatte und Schlafsack auf dem
Boden.
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Die Bedingungen sind ungleich härter
als in der Schweiz: Übernachtung im Büro der Bookingagentur |
Wer im Ausland Fuss fassen will, muss
also auf einigen gewohnten Luxus verzichten, Durchhaltewillen
beweisen und erstmal investieren. Die Spesenrechnung ist der
Preis, den Bands für Erfahrungen und gute Kontakte bezahlen.
Für Mañana steht am Ende der Tour (inklusive der
vorangegangenen Konzerte in Deutschland, Schweden, Holland und
Österreich) allerdings eine schwarze Null, wie ihr Manager
Marc Allenspach zufrieden feststellt. Dies ist möglich,
weil zwei Stiftungen aus der Schweiz und der Jeanshersteller
Lee die Tour finanziell unterstützen. Und weil man spart,
wo es möglich und sinnvoll ist.
"Kämpfen, kämpfen, kämpfen"
Nach der Rückkehr aus England
sind die Band und ihr Manager zufrieden. Man hat über 100
CDs verkauft, die ersten wichtigen Kontakte sind geknüpft,
das Interesse der Labels geweckt. Es wird nun vieles davon abhängen,
ob das kommende Debütalbum von Mañana das hält,
was die Songs live versprechen. Im schnelllebigen Musikbusiness
brechen Kontakte schnell ab; die Labels verlieren ihr Interesse
an einer aufstrebenden Band, wenn das Songmaterial nicht den
hohen Erwartungen entspricht. Ausgerechnet hier läuft für
Mañana nicht alles nach Plan. Eigentlich hätte das
Album bereits diesen Herbst erscheinen sollen. Doch mit den ersten
Aufnahmen war man derart unzufrieden, dass man sich vom Produzenten
getrennt hat und nochmals von vorne begann. Demnächst soll
nun das Album fertig sein; bis dahin wird perfektionistisch an
den Songs gefeilt. Wenn man den Musikern beim Kritisieren der
eigenen Rohfassungen zuhört, kann man erahnen, wie wichtig
ihnen ihr Debütalbum ist.
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Die Getränke holt sich die Band
wie jeder andere Besucher an der Bar |
Doch selbst wenn das Album wunschgemäss
gelingen sollte, ist dies noch kein Passepartout für das
grosse Musikbusiness, schon gar nicht für den englischen
Markt. Band und Management müssen weiterhin das tun, was
Sebastian Hausmann von Baschi and The Fucking Beautiful ihnen
mit auf den Weg gibt: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen".
www.manana.fm
In dieser Ausgabe:
Konzertbericht
Mañana an den AVO Sessions
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"Die Engländer wollen nur Englische
Bands"
England zieht die britisch orientierten
Schweizer Bands geradezu magisch an. Doch der Sprung über
den Ärmelkanal ist kein leichter. Bislang war keiner Schweizer
Band der Durchbruch im Mutterland des Pop vergönnt. Musiker
mit einschlägigen Erfahrungen ziehen Bilanz.
Von David Bauer.
Sebastian Hausmann, ehemaliger Bassist der
Lovebugs und heute Kopf von Baschi and The Fucking Beautiful,
kann die Faszination vieler Schweizer Bands für England
gut nachvollziehen. "In England Konzerte zu spielen ist
grossartig und Bands werden von Radios und Presse gut unterstützt".
Er kennt aber auch die Schattenseiten. Er hat zwei Jahre in London
gelebt und Musik gemacht, ist aber vor einem Jahr nach Basel
zurückgekehrt. Was er durch Konzerte verdient hat, hat nicht
ausgereicht, um das teure Leben in London zu finanzieren. Heute
fliegt Baschi für einzelne Konzerte auf die Insel. Einen
Plattenvertrag konnte er während seiner Zeit in England
nicht abschliessen. "Natürlich gab es immer wieder
Labels, die Interesse zeigten", sagt er, "aber konkret
ist es selten geworden". Entmutigen lässt er sich indes
nicht, im Gegenteil: Er ist überzeugt, dass es mit seiner
nächsten Platte klappen kann.
Anders lag der Fall bei den Lovebugs. Sie
hätten die Möglichkeit gehabt, Konzerte in England
zu spielen, aber die Band habe die Chance nicht wahrgenommen,
erklärt Baschi. Man habe es schlicht "verschlampt".
Mittlerweile haben die Lovebugs ihren Fokus auf den asiatischen
Markt verschoben.
In England könnten nur die wirklich grossen
Bands richtig Geld verdienen, für alle anderen, zumal ausländische,
sei es ein hartes Pflaster. Denn, so Baschi lakonisch: "Die
Engländer wollen nur Englische Bands". Chris Weber,
in den neunziger Jahren Gitarrist der Wondertoys, hat dieselben
Erfahrungen gemacht: "Die Engländer haben überhaupt
kein Interesse an ausländischen Bands - die Szene ist wahnsinnig
versnobt". Das Musikschaffen ausserhalb der Insel würde
kaum wahrgenommen, als Schweizer Band habe man mit Vorurteilen
zu kämpfen.
Dem widerspricht der Singer/Songwriter Christoph
Baumgartner alias Baum vehement: "Wenn das britische Publikum
spürt, dass du mit Leidenschaft bei der Sache bist, ist
es ihm vollkommen egal, woher du kommst". England sei für
Schweizer Musiker "die grösste Herausforderung überhaupt"
- aber eine reizvolle. "Wenn du gut bist und nicht zu bequem,
hart an dir zu arbeiten, dann ist England zu knacken", ist
Baum überzeugt.
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Diese Texte erschienen in leicht abgeänderter
Form in der Basler Zeitung.
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