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Nr. 138 / Dezember 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Alben des Jahres

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Die besten Alben 2005
Konsens

In einem nicht unkomplizierten, aber fairen Verfahren hat die Hören-Autorenschaft im winterlichen Luzern die besten Alben des Jahres ermittelt.

Dieser demokratische Prozess hat in Form einer Top-15-Liste ein erstaunlich genaues Abbild unseres Geschmacks zutage gebracht. Bei Nüssli, Mandarinli und Bier wurden Minderheiten berücksichtigt und Chartplatzierungen ignoriert. Am späten Nachmittag stand schliesslich der überraschende Sieger fest. Ein grossartiges Album, mit dem alle leben können, ein Konsensalbum, das kaum Opposition hervorrief. Hier also die Top 15, die besten Alben des Jahres 2005. (alb)

1. Gorillaz: "Demon Days"
Mit dieser Wahl sind wir definitiv in der Zukunft angelangt: Die Anti-Band Gorillaz, bestehend aus Comicfiguren, hat sämtliche menschliche MitbewerberInnen ausgestochen. Als Blur Mastermind Damon Albarn vor vier Jahren den Comichelden Leben eingehaucht hat, wurde er belächelt. Heute muss man zugestehen: Albarns Idee ist die innovativste, die das Musikbusiness im neuen Jahrtausend gesehen hat. Und mit Demon Days haben die Gorillaz bewiesen, dass sich das Konzept so schnell nicht abnützt. Nicht zuletzt, weil das Album musikalisch zum Besten gehört, was in diesem Jahr erschienen ist. (dba)

2. Coco Rosie: "Noah's Arc"
Aus einer Welle einen Tropfen herauszuheben ist offensichtlich schwierig. Dieses Jahr war es dank CocoRosie nicht eine ganz so diffizile Angelegenheit. Schriller, versponnener, dramatischer war kaum eine Platte wie "Noah's Arc". Die beiden Casady Schwestern reichern klassische Instrumente mit ungewöhnlichen Samples und Beatbox an, bilden aus Opernstimme und Sprechgesang ein Liebespaar und schauen textlich über den Tellerrand unserer zerrütteten Gesellschaft. Diese Platte darf man sich unter das Kopfkissen legen und die Nacht durchträumen. (uas)

3. Roisin Murphy: "Ruby Blue"
Roisin Murphy hat es aufs Podest unserer Jahresbesten geschafft. Die Ex-Moloko Sängerin überraschte auf ihrem ersten Soloalbum mit einem frischen und verspielten Sound - der sicher auch durch Roisins Zusammenarbeit mit Matthew Herbert entscheidende Impulse erhalten hat. Ausserdem hat Miss Murphy mit ihren extravaganten Auftritten in Luzern und Zürich nicht wenige von uns in ihren Bann gezogen, so dass ihr selbst von weiblicher Seite erotische Ausstrahlung attestiert wurde. Für Musik zum Tanzen (aber nicht nur) will das schon was heissen, so weit rauf zu kommen! (wet)

4. Antony and the Johnsons: "I Am A Bird Now"
Antony, die Stimme des Jahres, hat sich mit zitterndem Falsett auf den vierten Platz gesungen. Eine erstaunliche Leistung, berücksichtigt man die Tatsache, dass hierzulande vor seinem fulminanten Auftritt am M,ontreux Jazz Festival noch kein Mensch von ihm wusste. "I Am A Bird Now" ist kein Album für Jedermann. Aber: Wer sein Herz für den androgynen New Yorker öffnet wird mit süssen Tränen belohnt. Bleibt nur noch zu hoffen, dass er mit seinen Johnsons baldmöglichst wieder eine Schweizer Bühne besteigt. (alb)

5. Patrick Wolf: "Wind In The Wires"
In Cornwall aufgenommen, ist dieses Album zerfurcht, wild und weit wie Englands Südwestküste. Mal ungestüm, mal elegisch erzählt "Wind In The Wires" von der ungestillten Sehnsucht des 21-jährigen Patrick Wolf, der mit seinem Debut bereits vor zwei Jahren zeigte, wie er zwischen archaischer Zigeunerfiedel und postmoderner Computertechnologie zu balancieren versteht. Im Gegensatz zum vor überschäumender Kreativität und adoleszentem Geltungsdrang strotzenden Erstling wirkt hier alles erwachsener, ausgereifter und stimmiger. Wolf hat sein lyrisches Genie und seinen musikalischen Ideenreichtum in ein Schauermärchen von schaurig schöner Atmosphäre kanalisieren können. (hof)

6. Elysian Fields: "Bum Raps & Love Tabs"
Was soll man sagen; vielleicht, dass der Running Gag bei der Kürung des "besten" Albums des Jahres die noch beiläufig erörterte Floskel "man muss sich halt reinhören" war. Oder dass ein Mann, nein, eine Frau, nein, ein Engel, vielleicht Auf jeden Fall ein "Mercury prize" Gewinner sich grad zweimal unter die besten drei geschummelt hat. Ja, dieser Anton - dieser Schummelanton. Trotzdem wurden, wie es zu erwarten war, die wahren Gewinner mit Füssen getreten: Elysian Fields und Patrick Wolf. Das sind eben keine Kompromisse, wie die "Apes". (zau)

7. Bloc Party: "Silent Alarm"
Ein Album der Superlative. Durch die Wirren der Demokratie leider nicht auf Platz 1 gelandet, aber immerhin auf der Liste der besten Alben des Jahres. Wahrscheinlich eines der besten Debutalben seit Jahren. Eine junge Band, die es versteht den Indie-Rock progressiv und zugleich wirkungsvoll zu spielen. Bloc Partys energetische Präsenz bei Liveauftritten macht die Band zu einem unabdingbaren Muss für Musikfans. Definitiv eine der positivsten Überraschungen dieses Jahres. "God bless Bloc Party!" (ped)

8. M.I.A.: "Arular"
Das mit Grime Beats vollgestopfte Debütalbum von M.I.A., ist etwas vom Radikalsten und Schärfsten, was der Welt der Beats seit langem passiert ist: Irgendwo zwischen Musik und aneinandergereihten Gewehrschüssen, verbindet M.I.A. den Widerstandskampf ihres Tamil-Tiger-Vaters mit dem rauschsüchtigen Lifestyle Londons. Das ist zugleich aufreizend, aufrührerisch und stimulierend: Ein Wahnsinn, der Sex und Hypnose streift. Dass er von der Netzmagazin-Redaktion weitgehend ignoriert wird, ist bezeichnend für deren Fixiertheit auf irgendwelche weinenden Gitarren. Schade auch. (gfr)

9. Embee: "Tellings From Solitaria"
Es hätte ein Akt sozoikoultureller Grösse werden können: Eine musikalisch anspruchsvolle, feinfühlige Hip-Hop-Platte wird von der Hören-Redaktion, die sich vor allem mit Gitarren und zwielichtigen Erscheinungen beschäftigt, zum Album des Jahres gewählt. Und damit wären die breiten Hosen und die schlechten Frisuren wieder mal etwas näher zusammengerückt. Doch dazu kam es nicht. Ganz im Gegenteil: "Tellings from Solitaria", ein Meisterwerk der feinen Zwischentöne, blieb chancenlos. Schade, denn wer beim Erklingen des Solodebuts von Embee, langjähriger DJ und Produzent von Looptroop, keine Gänsehaut kriegt, ist eine Ausnahme, leicht frigide und sollte mal nen Joint rauchen. (jog)

10. Tocotronic: "Pure Vernunft darf niemals siegen"
Die einstigen Sprösslinge der Hamburger Schule sind gereift, was sich auf "Pure Vernunft darf niemals siegen" abzeichnet - sowohl musikalisch wie auch textlich. Zwar immer noch in ihrer alten unverbrauchten Rockmanier schreien sie ihre sozialpolitisch angehauchten Parolen aus dem Hals, doch werden sie auch sanfter in ihrer Wortwahl, wie beispielsweise in "Angel". Nur schon diese Entwicklung sollte preisgekrönt werden, wie auch die Tatsache, dass Text und Musik eine entdeckungsfreudige und melodiöse Einheit begründen! (kol)

11. Herman Düne: "Not On Top"
Dem brutal ignorierten "Not on top" wird wenigstens Ende Jahr noch etwas Tribut gezollt. Die schwedisch-schweizerischen Bartträger André Herman Düne, David-Ivar Herman Düne und Neman Herman Düne schleichen sich mit ihrem sechsten Longplayer klammheimlich in die Top 20. Der in Mono aufgenommene folkige Indierock kommt einmal mehr unspektakulär und losgelöst von allen Strömungen der Popmusik daher. Und solange es antizyklische Erscheinungen wie Herman Düne gibt, wird Musik auch weiterhin Spass machen. (fäm)

12. dEUS: "Pocket Revolution"
Nachnominiert, Gewinner des Füllmaterials, bestes Album ausser Konkurrenz. Und wieder hat man einem Album unrecht getan. Freileich muss an dieser Stelle gesagt werden, dass man die Qual der Wahl hat, Deus und ihre "Hosensackrevolution" als zweites Album zu (nach)nominieren, doch weise ist das nicht. Egal, Tom Barman ist mein Held und hat das richtige Rezept, wenn man was nicht kriegt: "scream and shout"! (zau)

13. Jaga Jazzist: "What We Must"
Die monumentalen 45 Minuten von "What We Must" sind Jazzmärchen, Rockoper und Klassikträumerei zugleich. Im Zauberland Jaga fordern die zehn norwegischen Musiker mal die Elfen, mal den Teufel zum Tanz auf. Sie intonieren den Garten Eden, doch der Sündenfall und das infernalische Crescendo der Hölle ist nicht weit. Schlemmte man eben noch von süssen Erdbeerklängen, stört plötzlich eine stachlige Disharmonie, die sich darauf aber umso wohlklingender wieder auflöst. Spielerisch und flink wie eh und je erschaffen Jaga die unterschiedlichsten Stimmungen, klingen aber trotz ihrem gewohnt souveränen Eklektizismus so homogen wie noch nie. (hof)

14. Fat Freddy's Drop: "Based On A True Story"
Fat Freddy's Drop haben es with a little help from Gilles Peterson geschafft, den Reggae Dub im postmarleyanischen Zeitalter wieder in die mitteleuropäischen Trendstuben zu tragen. "Based On A True Story" ist aber nicht nur Begleitmusik für Afterwork-Tüten. Freunde der hohen Soulstimme werden auf dieser raffiniert bekifften Reise ins Reich der interkulturellen Liebe nicht minder bedröhnt. Ein ehrenhafter 14. Platz für die fröhlichen Neuseeländer. Und ein wehleidigen Blick zurück in einen Sommer, der keiner war. (alb)

15. Elbow: "Leaders Of The Free World"
Wenn Coldplay wieder ein Album voller schöner Songs veröffentlichen, so weiss man, dass sie bei Elbow genau hingehört haben. Chris Martin macht kein Geheimnis daraus, dass er sich von den herausragenden Melodien der fünf Gentlemen aus Manchester inspirieren lässt. Seit vier Jahren und drei Alben verfolgen Elbow konsequent ihren Weg, waren nie im Trend und sind dafür heute umso relevanter. Wer ein solches Album aufnimmt, dem gebühren alle Ehren - und nicht ein kümmerlicher 15. Platz, liebe Redaktionskollegen. (dba)


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