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Die besten Alben 2005
Konsens
In einem nicht unkomplizierten, aber fairen
Verfahren hat die Hören-Autorenschaft im winterlichen Luzern
die besten Alben des Jahres ermittelt.
Dieser demokratische Prozess hat in Form einer
Top-15-Liste ein erstaunlich genaues Abbild unseres Geschmacks
zutage gebracht. Bei Nüssli, Mandarinli und Bier wurden
Minderheiten berücksichtigt und Chartplatzierungen ignoriert.
Am späten Nachmittag stand schliesslich der überraschende
Sieger fest. Ein grossartiges Album, mit dem alle leben können,
ein Konsensalbum, das kaum Opposition hervorrief. Hier also die
Top 15, die besten Alben des Jahres 2005. (alb)
1. Gorillaz: "Demon
Days"
Mit dieser Wahl sind wir definitiv in der Zukunft angelangt:
Die Anti-Band Gorillaz, bestehend aus Comicfiguren, hat sämtliche
menschliche MitbewerberInnen ausgestochen. Als Blur Mastermind
Damon Albarn vor vier Jahren den Comichelden Leben eingehaucht
hat, wurde er belächelt. Heute muss man zugestehen: Albarns
Idee ist die innovativste, die das Musikbusiness im neuen Jahrtausend
gesehen hat. Und mit Demon Days haben die Gorillaz bewiesen,
dass sich das Konzept so schnell nicht abnützt. Nicht zuletzt,
weil das Album musikalisch zum Besten gehört, was in diesem
Jahr erschienen ist. (dba) |
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2. Coco Rosie: "Noah's
Arc"
Aus einer Welle einen Tropfen herauszuheben ist offensichtlich
schwierig. Dieses Jahr war es dank CocoRosie nicht eine ganz
so diffizile Angelegenheit. Schriller, versponnener, dramatischer
war kaum eine Platte wie "Noah's Arc". Die beiden Casady
Schwestern reichern klassische Instrumente mit ungewöhnlichen
Samples und Beatbox an, bilden aus Opernstimme und Sprechgesang
ein Liebespaar und schauen textlich über den Tellerrand
unserer zerrütteten Gesellschaft. Diese Platte darf man
sich unter das Kopfkissen legen und die Nacht durchträumen.
(uas) |
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3. Roisin Murphy: "Ruby
Blue"
Roisin Murphy hat es aufs Podest unserer Jahresbesten geschafft.
Die Ex-Moloko Sängerin überraschte auf ihrem ersten
Soloalbum mit einem frischen und verspielten Sound - der sicher
auch durch Roisins Zusammenarbeit mit Matthew Herbert entscheidende
Impulse erhalten hat. Ausserdem hat Miss Murphy mit ihren extravaganten
Auftritten in Luzern und Zürich nicht wenige von uns in
ihren Bann gezogen, so dass ihr selbst von weiblicher Seite erotische
Ausstrahlung attestiert wurde. Für Musik zum Tanzen (aber
nicht nur) will das schon was heissen, so weit rauf zu kommen!
(wet) |
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4. Antony and the Johnsons:
"I Am A Bird Now"
Antony, die Stimme des Jahres, hat sich mit zitterndem Falsett
auf den vierten Platz gesungen. Eine erstaunliche Leistung, berücksichtigt
man die Tatsache, dass hierzulande vor seinem fulminanten Auftritt
am M,ontreux Jazz Festival noch kein Mensch von ihm wusste. "I
Am A Bird Now" ist kein Album für Jedermann. Aber:
Wer sein Herz für den androgynen New Yorker öffnet
wird mit süssen Tränen belohnt. Bleibt nur noch zu
hoffen, dass er mit seinen Johnsons baldmöglichst wieder
eine Schweizer Bühne besteigt. (alb) |
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5. Patrick Wolf: "Wind
In The Wires"
In Cornwall aufgenommen, ist dieses Album zerfurcht, wild und
weit wie Englands Südwestküste. Mal ungestüm,
mal elegisch erzählt "Wind In The Wires" von der
ungestillten Sehnsucht des 21-jährigen Patrick Wolf, der
mit seinem Debut bereits vor zwei Jahren zeigte, wie er zwischen
archaischer Zigeunerfiedel und postmoderner Computertechnologie
zu balancieren versteht. Im Gegensatz zum vor überschäumender
Kreativität und adoleszentem Geltungsdrang strotzenden Erstling
wirkt hier alles erwachsener, ausgereifter und stimmiger. Wolf
hat sein lyrisches Genie und seinen musikalischen Ideenreichtum
in ein Schauermärchen von schaurig schöner Atmosphäre
kanalisieren können. (hof) |
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6. Elysian Fields: "Bum
Raps & Love Tabs"
Was soll man sagen; vielleicht, dass der Running Gag bei der
Kürung des "besten" Albums des Jahres die noch
beiläufig erörterte Floskel "man muss sich halt
reinhören" war. Oder dass ein Mann, nein, eine Frau,
nein, ein Engel, vielleicht Auf jeden Fall ein "Mercury
prize" Gewinner sich grad zweimal unter die besten drei
geschummelt hat. Ja, dieser Anton - dieser Schummelanton. Trotzdem
wurden, wie es zu erwarten war, die wahren Gewinner mit Füssen
getreten: Elysian Fields und Patrick Wolf. Das sind eben keine
Kompromisse, wie die "Apes". (zau) |
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7. Bloc Party: "Silent
Alarm"
Ein Album der Superlative. Durch die Wirren der Demokratie leider
nicht auf Platz 1 gelandet, aber immerhin auf der Liste der besten
Alben des Jahres. Wahrscheinlich eines der besten Debutalben
seit Jahren. Eine junge Band, die es versteht den Indie-Rock
progressiv und zugleich wirkungsvoll zu spielen. Bloc Partys
energetische Präsenz bei Liveauftritten macht die Band zu
einem unabdingbaren Muss für Musikfans. Definitiv eine der
positivsten Überraschungen dieses Jahres. "God bless
Bloc Party!" (ped) |
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8. M.I.A.: "Arular"
Das mit Grime Beats vollgestopfte Debütalbum von M.I.A.,
ist etwas vom Radikalsten und Schärfsten, was der Welt der
Beats seit langem passiert ist: Irgendwo zwischen Musik und aneinandergereihten
Gewehrschüssen, verbindet M.I.A. den Widerstandskampf ihres
Tamil-Tiger-Vaters mit dem rauschsüchtigen Lifestyle Londons.
Das ist zugleich aufreizend, aufrührerisch und stimulierend:
Ein Wahnsinn, der Sex und Hypnose streift. Dass er von der Netzmagazin-Redaktion
weitgehend ignoriert wird, ist bezeichnend für deren Fixiertheit
auf irgendwelche weinenden Gitarren. Schade auch. (gfr) |
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9. Embee: "Tellings
From Solitaria"
Es hätte ein Akt sozoikoultureller Grösse werden können:
Eine musikalisch anspruchsvolle, feinfühlige Hip-Hop-Platte
wird von der Hören-Redaktion, die sich vor allem mit Gitarren
und zwielichtigen Erscheinungen beschäftigt, zum Album des
Jahres gewählt. Und damit wären die breiten Hosen und
die schlechten Frisuren wieder mal etwas näher zusammengerückt.
Doch dazu kam es nicht. Ganz im Gegenteil: "Tellings from
Solitaria", ein Meisterwerk der feinen Zwischentöne,
blieb chancenlos. Schade, denn wer beim Erklingen des Solodebuts
von Embee, langjähriger DJ und Produzent von Looptroop,
keine Gänsehaut kriegt, ist eine Ausnahme, leicht frigide
und sollte mal nen Joint rauchen. (jog) |
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10. Tocotronic: "Pure
Vernunft darf niemals siegen"
Die einstigen Sprösslinge der Hamburger Schule sind gereift,
was sich auf "Pure Vernunft darf niemals siegen" abzeichnet
- sowohl musikalisch wie auch textlich. Zwar immer noch in
ihrer alten unverbrauchten Rockmanier schreien sie ihre sozialpolitisch
angehauchten Parolen aus dem Hals, doch werden sie auch sanfter
in ihrer Wortwahl, wie beispielsweise in "Angel". Nur
schon diese Entwicklung sollte preisgekrönt werden, wie
auch die Tatsache, dass Text und Musik eine entdeckungsfreudige
und melodiöse Einheit begründen! (kol) |
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11. Herman Düne: "Not
On Top"
Dem brutal ignorierten "Not on top" wird wenigstens
Ende Jahr noch etwas Tribut gezollt. Die schwedisch-schweizerischen
Bartträger André Herman Düne, David-Ivar Herman
Düne und Neman Herman Düne schleichen sich mit ihrem
sechsten Longplayer klammheimlich in die Top 20. Der in Mono
aufgenommene folkige Indierock kommt einmal mehr unspektakulär
und losgelöst von allen Strömungen der Popmusik daher.
Und solange es antizyklische Erscheinungen wie Herman Düne
gibt, wird Musik auch weiterhin Spass machen. (fäm) |
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12. dEUS: "Pocket Revolution"
Nachnominiert, Gewinner des Füllmaterials, bestes Album
ausser Konkurrenz. Und wieder hat man einem Album unrecht getan.
Freileich muss an dieser Stelle gesagt werden, dass man die Qual
der Wahl hat, Deus und ihre "Hosensackrevolution" als
zweites Album zu (nach)nominieren, doch weise ist das nicht.
Egal, Tom Barman ist mein Held und hat das richtige Rezept, wenn
man was nicht kriegt: "scream and shout"! (zau) |
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13. Jaga Jazzist: "What
We Must"
Die monumentalen 45 Minuten von "What We Must" sind
Jazzmärchen, Rockoper und Klassikträumerei zugleich.
Im Zauberland Jaga fordern die zehn norwegischen Musiker mal
die Elfen, mal den Teufel zum Tanz auf. Sie intonieren den Garten
Eden, doch der Sündenfall und das infernalische Crescendo
der Hölle ist nicht weit. Schlemmte man eben noch von süssen
Erdbeerklängen, stört plötzlich eine stachlige
Disharmonie, die sich darauf aber umso wohlklingender wieder
auflöst. Spielerisch und flink wie eh und je erschaffen
Jaga die unterschiedlichsten Stimmungen, klingen aber trotz ihrem
gewohnt souveränen Eklektizismus so homogen wie noch nie.
(hof) |
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14. Fat Freddy's Drop: "Based
On A True Story"
Fat Freddy's Drop haben es with a little help from Gilles Peterson
geschafft, den Reggae Dub im postmarleyanischen Zeitalter wieder
in die mitteleuropäischen Trendstuben zu tragen. "Based
On A True Story" ist aber nicht nur Begleitmusik für
Afterwork-Tüten. Freunde der hohen Soulstimme werden auf
dieser raffiniert bekifften Reise ins Reich der interkulturellen
Liebe nicht minder bedröhnt. Ein ehrenhafter 14. Platz für
die fröhlichen Neuseeländer. Und ein wehleidigen Blick
zurück in einen Sommer, der keiner war. (alb) |
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15. Elbow: "Leaders
Of The Free World"
Wenn Coldplay wieder ein Album voller schöner Songs veröffentlichen,
so weiss man, dass sie bei Elbow genau hingehört haben.
Chris Martin macht kein Geheimnis daraus, dass er sich von den
herausragenden Melodien der fünf Gentlemen aus Manchester
inspirieren lässt. Seit vier Jahren und drei Alben verfolgen
Elbow konsequent ihren Weg, waren nie im Trend und sind dafür
heute umso relevanter. Wer ein solches Album aufnimmt, dem gebühren
alle Ehren - und nicht ein kümmerlicher 15. Platz, liebe
Redaktionskollegen. (dba) |
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