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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SONNENENERGIE:    SCHWEIZ & SOLARENERGIE    KOSMISCHE SEGELSCHIFFE

 

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Sonnenenergie II
Kosmische Segeltörns

Das schnellste Segelschiff der Welt wird seine Jungfernfahrt auf keinem der Weltmeere, sondern in kosmischen Höhen antreten. Zwar gibt es im Weltraum keine Winde im klassischen Sinne, dafür aber fast unerschöpfliches Sonnenlicht.

Von Jasmina Causevic.

Die Idee zu Raumfahrzeugen mit Segelantrieb ist an sich nicht neu. Bereits Johannes Kepler nahm vor über 400 Jahren an, dass Segeln im Weltraum möglich ist. Das Thema wurde dann im Laufe des technikbegeisterten 19. Jahrhunderts von zahlreichen Science Fiction Autoren aufgenommen. Der Sprung von der fantastischen Literatur zur wissenschaftlichen Disziplin erfolgte in den 1920er Jahren.

Grosses Interesse weckte das Sonnensegeln erst in den 1970er Jahren, als nach einem neuen Antrieb für die Mission zum Halley-Kometen gesucht wurde. Seitdem gab es einige Versuche das Konzept umzusetzen, allerdings ist dies wegen der hohen technischen Anforderungen bis heute nicht ganz gelungen.

Mit Licht durch das All rasen
Die Sonnensegler nutzen nicht, wie oft behauptet, den Sonnenwind als Antriebskraft, sondern das Licht selber. Das ist möglich, weil das Licht beim Aufprall auf Flächen einen Druck erzeugt. Er ist jedoch dermassen klein, dass wir auf der Erde nichts davon spüren. Da aber im Weltraum keine Reibung vorhanden ist und ein Vakuum herrscht, ist der Lichtdruck dort keine vernachlässigbare Grösse. So wurde 1962 die Raumsonde Mariner 1 wegen nicht berücksichtigtem Lichtdruck um über 12'000 Kilometer vom Kurs abgelenkt.

Zwar kommen die Sonnensegler im Vergleich zu herkömmlichen Raumfahrzeugen nur langsam in Fahrt, können jedoch im beständigen Lichtstrom Geschwindigkeiten bis zu 360'000 Kilometer pro Stunde erreichen.

High-Tech Segelmaterialien
Eine Reihe von Herausforderungen müssen gemeistert werden, wenn der Lichtdruck als Antrieb tatsächlich funktionieren soll. Eine davon ist der Aufbau eines genug grossen, aber sehr leichten und strapazierfähigen Segels, das auch schnellen Manövern, kleineren Meteoritenregen und starker Strahlung trotzen kann.

Sonnensegel werden obendrein mit einer spiegelnden Schicht versehen, da reflektiertes Licht infolge der doppelten Impulsübertragung einen grösseren Druck ausübt. Trotzdem benötigt man für die Schubkraft einer kleinen Mondsonde (0.07 N) eine Segelfläche von 9000 m2.

Bisher wurden insbesondere die Kunststoffe Mylar und Kapton verwendet. Beide sind sehr dünn, leicht und widerstandsfähig. Kapton besitzt zudem den Vorteil der UV-Beständigkeit, was bei sonnennahen Missionen entscheidend ist.

Neue Materialien befinden sich bereits in der Entwicklung. Einer der Anwärter ist Aluminium, das mit Löchern etwas kleiner als Lichtteilchen versehen werden soll. Dadurch wird eine Menge an Material und Gewicht eingespart. Jedoch ist Aluminium alleine zu fragil, um starken Kräften standhalten zu können. Dafür geeigneter sind Karbonfasern, die nebenbei durch ihre Knitterfreiheit Glättungsmechanismen nach der Entfaltung überflüssig machen.

Das optimale Segeldesign
Für die Formen der Segel gibt es verschiedene Vorschläge. Zu den Favoriten gehören quadratische, kreis- und rotorblattförmige Designs. Jedes hat seine spezifischen Vorteile und die Auswahl hängt von der Art der Mission ab.

Quadratische Segel sind aus einem grossen oder mehreren kleineren Segeln zusammengesetzt. Die Teilsegel werden meistens mit vier Masten befestigt. Die Segel können auch 3-Achsen-stabilisiert sein bzw. in drei Dimensionen gesichert werden. Zwei Dimensionen liegen in der Fläche des Segels und die dritte senkrecht zu ihr. So wird ein unkontrolliertes Zusammenklappen des Segels verhindert.

Kreisförmige Segel bestehen ebenfalls aus einem (Torus-Segel) oder mehreren Segeln (Disk-Segel). Kreisförmige Segel sind spinstabilisiert - ihre Entfaltung und Stabilisierung erfolgt durch die Ausnutzung der Fliehkraft. Dies funktioniert nach demselben Prinzip wie schnell rotierendes Wasser in einem Eimer das Überlaufen verhindert. Spinstabilisierte Segel sind dank leichterer Konstruktion schneller als 3-Achsen-stabilisierte.

Rotorblattförmigen Segel (Heliogyros) sind aus schmalen Rotorblättern aufgebaut. Sie sind ebenfalls spinstabilisiert, was ihnen die nötige Formfestigkeit während des Fluges garantiert. Zudem können einzelne Rotorblätter mit Hilfe des Lichtdrucks zur präzisen Lageregelung genutzt werden.

Die heikelste Phase jeder Mission ist die Entfaltung des Segels, da ein Fehlschlag das ganze Vorhaben gefährden kann. Um den Einsatz schwerer Motoren zu verhindern, bedient man sich eines Tricks: Die flexiblen Masten werden vor dem Start nach einem konkreten Schema gefaltet. Im Weltraum angelangt, öffnen sie sich durch die zuvor gespeicherte Formänderungsenergie weitgehend von selbst. Erst jetzt härten die Masten durch das Sonnenlicht zu ihrer endgültigen Festigkeit aus und garantieren so die Stabilität der Konstruktion.

Interstellare Regatten
Sonnensegler haben viele Vorteile: Da sie Sonnenlicht als Antrieb verwenden, haben sie keinen oder nur geringen Treibstoffverbrauch. Sie benötigen keine schweren Antriebsaggregate und sind besonders leicht, schnell und wendig. Ideal also für verschiedene Arten von Missionen, auch in weit entfernte Teile des Weltraums, in welche Raumfahrzeuge aufgrund der ungelösten Treibstoffversorgung bisher nicht vordringen konnten.

Es ist ebenso denkbar, dass zukünftig Regatten im Weltraum ausgetragen werden. Das ist kein Witz, denn ein solches Projekt wurde für das Jahr 1992 geplant. Zu Ehren der 500-jährigen Entdeckung Amerikas durch Kolumbus sollte ein Wettflug mit Sonnenseglern zum Mars stattfinden. Leider wurde das Projekt aus finanziellen Gründen nie realisiert. Das schreit schon fast nach einem neuen Abenteuer für Bertrand Piccard. Immerhin ist er auf dem besten Weg dahin: er versucht gerade die Welt mit einem Solarflugzeug zu umsegeln. Alles Weitere ist wohl nur eine Frage der Zeit.

solarsail.jpl.nasa.gov
planetary.org/solarsail/
www.solarsails.info


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