|
Albert Uderzo: "Asterix - Gallien in
Gefahr (Band 33)" (Funny) | Ehapa
Der Himmel fällt auf den Kopf!
Beim Teutates, das einzige, was Asterix
und seine Gemeinschaft des letzten unbesetzten Dorfes des frühgeschichtlichen
Galliens fürchten, scheint eingetroffen! Doch auch für
dieses Unglück weiss der pfiffige kleine blonde Krieger
Rat.
Von Matti Johan Martin.
Lange hat die Comicwelt auf einen neuen Band
warten müssen. Und als es soweit war, wurde ein riesiges
Werbetamtam veranstaltet. Und es stellte sich auch die riesige
Neugier der weltumspannenden Asterixcommunity ein. Mit Brüssel
wurde eine gebührende Stätte gefunden, an welcher die
Weltöffentlichkeit erste Informationen zum 33ten Band erfahren
konnte. Doch leider kann der Schuss auch nach hinten losgehen.
Eins gleich vorweg: auch wenn die grosse Medienbestie marketingtechnisch
angeworfen wurde und sogleich jedem bewusst wurde, dass da ein
gewaltiger Hype im Hintergrund lauert, wurde keineswegs versucht
aus Darmausscheidungen Gold zu machen.
Auch wenn mittlerweile viele kritische Stimmen zu vernehmen waren,
gehört auch dieser Band in die Asterixsammlung. Nicht dass
die Qualität hier überragend wäre, sondern aus
dem einfachen Grund, dass die Bilderzählungen rund um Asterix'
Abenteuer schon seit langem einfach zum Kulturgut gehören.
Auch wenn manche Szenestimmen munkeln, dass Uderzo gar nicht
mehr selber zum Stift griffe und die Kolorierung längst
mittels Computer gemacht wird. Nun: einen dezenten Hinweis gibt
das Impressum, denn für Tuschezeichnungen und Kolorierung
zeichnet sich Frédéric Mébarki verantwortlich.
Und der Gebrauch von IT-Technik wird seit längerem an Kunsthochschulen
gelehrt.
Und ganz nebenbei: Rembrandt hat nicht alle ihm zugeschriebenen,
weil von ihm als Meister einer Malerwerkstatt signierten, Bilder
selbst gemalt. Damit sei aber nicht gesagt, dass Uderzo überhaupt
nichts mehr mache (wie manche unterstellen). Uderzo ist zwar
eine Popikone resp. seine Schöpfung, aber Uderzo hält
nicht wie die meisten Popstars und Sternchen einfach nur den
Kopf in die Kameras oder macht den Hampelmann (ein bisschen Arschwackeln
auf der Bühne und Playback Songs ,singen', die ein anderer
geschrieben hat).
Soviel Respekt hat der Mann einfach verdient!
Was bringt der neue Band. Nun gut, rein vom grafischen Standpunkt
aus gesehen, gibt es nur einen Schluss: Die Zeichnungen sind
wieder auf dem gewohnt hohen Niveau. Und gewisse Dinge sind farblich
klar als Computerbearbeitungen zu erkennen (Spiegelungen), was
aber durchaus zu den Plotelementen gehört.
Wer schon mitbekommen hat, dass gewisse Anspielungen an ,If I
got an Hämmer' Arnie auftauchen, hat richtig vermutet, wenn
er gewisse SF Elemente vermutete. Puristen werden laut aufschreien,
vor allem wenn sie die altphilologischen und historischen Anknüpfungspunkte
pädagogisch herausstrichen. Aber Uderzo und Goscinny haben
schon früher Anspielungen an ihre Zeit verarbeitet, etwa
die Beatles oder Sean Connery.
Und so historisch korrekt war der ganze Asterixmythos nie gewesen.
Es bliebe einzig zu bemängeln, dass SF nicht in einen Asterix
gehöre.
Nun, die Geschichte beginnt eigentlich mit einem Hammer, die
Geschöpfe des Waldes und des Dorfs sind erstarrt. Der Grund
wird schnell klar, als der Himmel auf den Kopf zu fallen scheint.
Doch es handelt sich um sehr weit herkommende Besucher, welche
das Dorf vor ihren aggressiven Erzfeinden warnen bzw. auch beschützen
wollen. Am Ende müssen beide fremden Parteien mit der Erkenntnis
zu ihren Welten zurückkehren, dass die gesuchte Geheimwaffe
ihnen nichts nützt, da sie beide andere physiologische Voraussetzungen
haben als Menschen. Tönt etwas platt. Und ist es auch zuweilen,
da nun mal Goscinny ein vor dem Herrn selten begnadeter Geschichtenerfinder
und Texter gewesen ist. Wer hätte die Fussstapfen schon
richtig ausfüllen können? Bevor das ganze Konzept von
jemandem total umgekrempelt würde, ist da die Urheberschaft
Uderzos doch tief im Herzen allen lieber. Oder kann sich jemand
einen Garth Ennis als Asterixautoren vorstellen?
Jeder Asterixfan wird sich sowieso den neuen Band einverleiben,
um sich mit seinen Kollegen darüber zu streiten. Und wer
weiss, vielleicht wird in ein paar Jahren ja der neue Band in
ein anderes Licht gerückt als heute. Man erinnere sich nur
an die z.T. harten Kritiken an ,Asterix im Morgenland', das heute
auch ein wenig anders beurteilt wird.
Schlussendlich bleibt nur zu sagen, dass der neue Band nicht
die ultima ratio darstellt. Dafür haben sich Uderzo und
Goscinny selbst schon zu hohe Messlatten gelegt.
Aber dennoch ist es wieder ein Vergnügen, die Geschichte
schauend zu lesen. Und es hat genügend Verweise an das SFGenre
und an die Gegenwart, die für manches Schmunzeln sorgen.
47 Seiten, CHF 18.30
www.asterix.de
de.asterix.com
|
Verlosung
Das Netzmagazin verlost 5 Exemplare des neuen
"Asterix". Um teilzunehmen beantworten Sie bitte folgende
Frage:
Nach welchem Asterixband wurde eine
belgische Briefmarke gestaltet?
Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff
"Asterix" an gewinnen@netzmagazin.ch.
Nicht vergessen: richtige Antwort, Name, Telefonnummer und vollständige
Adresse. Teilnahmeschluss ist der 31. November 2005. Viel Glück!
|
|