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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Arne Bellstorf: "acht, neun, zehn" (Jugenderzählung) | Reprodukt
"Na, die ganze Zeit zu Hause... Das war bestimmt langweilig"

Nach den ersten drei Seiten ist klar: hier passiert nichts Aussergewöhnliches.
Und genau das ist es, was "acht, neun, zehn" zu einem der schönsten und herzzerreissendsten Alben dieses Jahres macht.

Von Miriam Erni.

Leere Strassen. Ein Haus reiht sich an das andere. Die Luft scheint still zu stehen und mitten drin Christoph. Desinteressiert sitzt er die Ferien ab, um danach eine Klasse zu wiederholen.
Doch nicht nur Christoph schlägt die Zeit tot, auch seine Mutter verbringt ihren Urlaub in den eigenen vier Wänden. Sie gibt sich entspannt, bräunt sich im Garten und lässt sich nichts anmerken. Die Gespräche zwischen Christoph und seiner Mutter halten sich in Grenzen. Sie wissen beide nicht recht, was sie miteinander anfangen sollen. Christoph ist kein kleiner Junge mehr und die Mutter möchte auch wieder auf eigenen Beinen stehen. So basteln beide an etwas herum, das Leben genannt wird und manchmal auf sich warten lässt.

In der Gärtnerei lernt Christoph schliesslich Miriam kennen. Auch sie verbringt ihre Ferien zu Hause, hilft im Familienbetrieb aus, verdient sich einen Batzen, um im nächsten Jahr ihren Cousin in Kanada zu besuchen. Sie freunden sich schnell an, doch weder Miriam noch Christoph scheinen wirklich zu wissen, was sie voneinander wollen. Erfolglos versucht Miriam mehr als nur ein Schulterzucken aus Christoph herauszubekommen und ebenso vergeblich versucht Christoph Miriam wieder zu sehen, nachdem sie eine sturmfreie Nacht miteinander verbracht haben.

Und die Mutter? Natürlich ist es nicht ihre Schuld, dass Christoph die Klasse wiederholen muss: "Das ist seine Sache". Natürlich tut es ihr leid, dass sie nichts miteinander unternommen haben und sie weiss: "Das müssen die langweiligsten Ferien sein, die du je hattest". Anstatt ihre Freundin Andrea zu besuchen, trifft sie sich mit ihrem Ex-Mann - Christophs Vater - vergiesst danach einige Tränen und lässt sich von einem unbekannten Herrn trösten.

Arne Bellstorf beweist mit "acht, neun, zehn" viel Fingerspitzengefühl. Ruhig und einfühlsam kommt Bellstorfs Erstling daher, welcher die Geschehnisse eines scheinbar langweiligen Sommers schildert. Es fehlt nicht an Gefühlen und kleinen Details, was die Geschichte realistisch hält und es dem Leser erlaubt, sich in den Personen wieder zu erkennen.

Arne Bellstorf, 1979 geboren, legt mit "acht, neun, zehn" - seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg - bei Reprodukt sein erstes Comic-Album vor. Seine Arbeiten waren in "Orange", "Strapazin" oder "Moga Mobo" zu sehen.

96 Seiten, CHF 21.90

www.bellstorf.com
www.reprodukt.com


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