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Arne Bellstorf: "acht, neun, zehn"
(Jugenderzählung) | Reprodukt
"Na, die ganze Zeit zu Hause... Das war bestimmt
langweilig"
Nach den ersten drei Seiten ist klar:
hier passiert nichts Aussergewöhnliches.
Und genau das ist es, was "acht, neun, zehn" zu einem
der schönsten und herzzerreissendsten Alben dieses Jahres
macht.
Von Miriam Erni.
Leere Strassen. Ein Haus reiht sich an das
andere. Die Luft scheint still zu stehen und mitten drin Christoph.
Desinteressiert sitzt er die Ferien ab, um danach eine Klasse
zu wiederholen.
Doch nicht nur Christoph schlägt die Zeit tot, auch seine
Mutter verbringt ihren Urlaub in den eigenen vier Wänden.
Sie gibt sich entspannt, bräunt sich im Garten und lässt
sich nichts anmerken. Die Gespräche zwischen Christoph und
seiner Mutter halten sich in Grenzen. Sie wissen beide nicht
recht, was sie miteinander anfangen sollen. Christoph ist kein
kleiner Junge mehr und die Mutter möchte auch wieder auf
eigenen Beinen stehen. So basteln beide an etwas herum, das Leben
genannt wird und manchmal auf sich warten lässt.
In der Gärtnerei lernt Christoph schliesslich
Miriam kennen. Auch sie verbringt ihre Ferien zu Hause, hilft
im Familienbetrieb aus, verdient sich einen Batzen, um im nächsten
Jahr ihren Cousin in Kanada zu besuchen. Sie freunden sich schnell
an, doch weder Miriam noch Christoph scheinen wirklich zu wissen,
was sie voneinander wollen. Erfolglos versucht Miriam mehr als
nur ein Schulterzucken aus Christoph herauszubekommen und ebenso
vergeblich versucht Christoph Miriam wieder zu sehen, nachdem
sie eine sturmfreie Nacht miteinander verbracht haben.
Und die Mutter? Natürlich ist es nicht
ihre Schuld, dass Christoph die Klasse wiederholen muss: "Das
ist seine Sache". Natürlich tut es ihr leid, dass sie
nichts miteinander unternommen haben und sie weiss: "Das
müssen die langweiligsten Ferien sein, die du je hattest".
Anstatt ihre Freundin Andrea zu besuchen, trifft sie sich mit
ihrem Ex-Mann - Christophs Vater - vergiesst danach einige
Tränen und lässt sich von einem unbekannten Herrn trösten.
Arne Bellstorf beweist mit "acht, neun,
zehn" viel Fingerspitzengefühl. Ruhig und einfühlsam
kommt Bellstorfs Erstling daher, welcher die Geschehnisse eines
scheinbar langweiligen Sommers schildert. Es fehlt nicht an Gefühlen
und kleinen Details, was die Geschichte realistisch hält
und es dem Leser erlaubt, sich in den Personen wieder zu erkennen.
Arne Bellstorf, 1979 geboren, legt mit "acht,
neun, zehn" - seiner Diplomarbeit an der Hochschule für
Angewandte Wissenschaft in Hamburg - bei Reprodukt sein erstes
Comic-Album vor. Seine Arbeiten waren in "Orange",
"Strapazin" oder "Moga Mobo" zu sehen.
96 Seiten, CHF 21.90
www.bellstorf.com
www.reprodukt.com
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