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Bastian Sick: "Der Dativ ist dem Genitiv
sein Tod 2" (Kolumnen-Sammlung) | Der Audio-Verlag
Noch nicht versickert
Der Fahrt durch den "Irrgarten
der deutschen Sprache" hat noch nichts an Spannung und Witz
verloren. Dies beweist Bastian Sick nach dem durchschlagenden
Erfolg des ersten Bands auch in "Der Dativ ist dem Genitiv
sein Tod 2". Und ein von schadenfreudiger Pedanterie getriebener
Versuch, in seinen Fehleranalysen wiederum einen Fehler zu finden,
ist bisher kläglich gescheitert.
Von Lukas Etter.
"Deutschland exportiert nicht nur Autos,
Bier und Kuckucksuhren, sondern auch Teile seiner Sprache."
Dies weiss Bastian Sick auf dem letzten Track der Hör-Doppel-CD
zu berichten. Und er liefert amüsante Beispiele. Dass einem
die Amerikaner, nachdem man kräftig niesen musste, ein "Gesundheit!"
entgegenzuschleudern pflegen, dürfte bekannt sein. Dass
hingegen in Somalia von "Schule", in den Niederlanden
von "Fingerspitzengefühl", in Russland von "Riesenschnauzer"
und in Frankreich von "le waldsterben" gesprochen wird,
lässt aufhorchen. Sick begibt sich zum Abschluss auf eine
sechsminütige Weltreise mit Späherblick auf Überbleibsel
deutscher Sprachkultur.
Bis in den Kanton Bern
Und wie die CD aufhört, so beginnt
sie auch: In gewohnt witziger, selbstironischer Manier führt
uns der Autor durch den "Irrgarten der deutschen Sprache".
Wie beim ersten Buch - einem Bestseller - handelt es
sich um eine Sammlung von "Zwiebelfisch"-Kolumnen,
die wöchentlich auf Spiegel-Online veröffentlicht werden.
Als wäre er darauf bedacht, Käuferinnen und Käufer
dieses Stückes Sprachkultur nicht zu enttäuschen, nimmt
er gleich zu Beginn in "Wir gedenken dem Genitiv" den
mittlerweile zum geflügelten Wort avancierten Titel seiner
zwei Bücher auf. Weiter führt er seinen Feldzug fort
gegen falsche Imperative, sprachlich unkorrekte Wandparolen und
Fehlkonstruktionen im Kostüm von "weil"-Nebensätze.
Weder die Gesellschaft für die Stärkung der Verben
(die im Internet tatsächlich existiert und auch für
schwach konjugierte Verben starke Formen erfindet), noch die
Aussprache seines Namens (Sick müsste eigentlich, dem "ck"
zum Trotz, mit langem "i" gesprochen werden) lässt
er ausser Acht. Und schliesslich schafft es selbst die Krähenplage,
welche letztes Jahr im Kanton Bern zu kontroversen Diskussionen
geführt hat, zu einer kurzen Erwähnung.
Erfolglose Fehlersuche
Der 41-jährige Romanist und Historiker,
spricht seine Texte gleich selber. Und er tut es professionell.
Leider, bin ich versucht zu sagen. Denn ein solches, auf liebevolle
Besserwisserei ausgerichtetes Werk provoziert natürlich
förmlich ein Suchen nach Fehlern Sick-seits. Was gäbe
es Schöneres, als den Fehlersuchenden selber in flagranti
zu ertappen? Während ich im ersten Buch von "Der Dativ
ist dem Genitiv sein Tod" immerhin eine unpräzise Definition
von Adjektiven mit der Endung "-bar" aufstöbern
konnte (für noch Pedantischere: zu finden auf Seite 85,
obere Seitenhälfte), wurde ich hier enttäuscht. Zu
viele Lektoren scheinen Lektor Sick zur Seite gestanden zu haben,
Fehler macht er keine mehr. Doch das Leben geht weiter. Trösten
wir uns also mit einem "Schnaps", der - wie Sick
im eingangs erwähnten Kapitel erzählt - fast auf
der ganzen Welt bestellt werden kann. Immerhin wissen wir ja,
dass wir uns hierbei eines alkoholischen Getränks bedienen.
Und nicht einem Getränk.
2 CDs, 151 Minuten, CHF 35.20
www.spiegel.de/dossiers/kultur/
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