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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Robert Gernhardt: "Ich Ich Ich" (Hörbuch) | Der Hörverlag
Künstler auf Abwegen

Von den Wünschen, Träumen, Problemen und von den nicht existierenden natürlichen Feinden eines mittelmässig begabten Künstlers handelt die Geschichte. Termindruck vom Verleger, Angst vor dem Älterwerden, kritische Stimmen von überall und ein Baugerüst vor dem Haus bringen das Fass zum Überlaufen. Malen soll er, aber genau das kann er nicht. Was bleibt ist Flucht nach vorne. Die Katzen geimpft, macht sich der Künstler auf in das Land, wo es statt deutsche Nachrichtenmagazine Tomaten, Wein und Pizza gibt - Italien.

Von Sarah von Känel.

Wunderbar frisch und gnadenlos satirisch schreibt Robert Gernhardt über einen Künster, der an kunstverhindernden Gedanken und Erinnerungen zu scheitern droht.

Genial aber kompliziert
Der Künstler, welcher so uninspiriert durchs Leben zottelt, muss laut Vorbemerkung als Held mit einer multiplen Persönlichkeit begriffen werden. Seine Erinnerungen sind als Spinne zu verstehen. Versucht er zu malen, wird er von der lästigen Spinne Erinnerung in mühsame Dialoge, in denen immer er als Verlierer herausgeht, verwickelt. Die Spinne webt ihre Netze durch sein Atelier, seine Bilder, sein ganzes Leben und verknüpft sie mit seinem armen, überbelasteten Kopf. Obwohl die Kapitel mit 'Ich', 'Du', 'Er', 'Sie', 'Es' benennt sind, haben wir es immer mit ein und derselben Persönlichkeit zu tun, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Autor schon nur des Namens wegen nicht abgesprochen werden kann. Hört sich kompliziert an, oder? Ist es auch! Zusätzlich macht die empfindsame Künstlerseele in Gedanken nämlich weite Abstecher in Politik, Kunstgeschichte und Farbkunde. Wer das Hörbuch als Nebenbeschäftigung beim Kochen, Putzen, Bügeln oder Joggen hört, wird hoffnungslos verloren und überfordert sein.

Genialer Gernhardt
"Ich, ich, ich" muss entweder sehr aufmerksam angehört, oder aber als Buch gelesen werden, sonst bleibt viel in der Schwebe hängen. Bei Gernhardt kommt es auf das einzelne Wort an, er schreibt so sprach- und wortgewandt, dass es schade und unbefriedigend ist nur oberflächlich den Inhalt mitzukriegen. Die geschriebene Form hat den Vorteil, dass Stellen, die man nicht versteht, sofort noch einmal gelesen werden. Andererseits geht dadurch ein sehr wichtiges Element verloren: Die Lesung von Robert Gernhardt, dem Autor selbst. Seine Charakterstimme allein macht das Hörbuch schon hörenswert. Gernhardt, deutscher Schriftsteller, Lyriker, Essayist, Zeichner und Maler kann seine Stimme verstellen, als hätte er einen Sack Kreide gefressen. Lebendig, witzig und sehr unterhaltsam liest er sein eigenes Werk. Mit viel Humor erzählt er zynisch und ironisch aus dem Leben des Helden. Das überraschende märchenhafte Schlussbild und viele skurrile Sequenzen regen zum Nachdenken an.

Kein Hörbuch für unterwegs. Aber eines, an dem man wirklich bei jedem Wort auf das nächste gespannt ist. Man wird nicht enttäuscht, bis zum letzten Wort ist man aufmerksam und kann nur staunen über Sprachgewalt und Vielfalt.

2 CDs, 85 Minuten, CHF 26.70


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