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Robert Gernhardt: "Ich Ich Ich"
(Hörbuch) | Der Hörverlag
Künstler auf Abwegen
Von den Wünschen, Träumen,
Problemen und von den nicht existierenden natürlichen Feinden
eines mittelmässig begabten Künstlers handelt die Geschichte.
Termindruck vom Verleger, Angst vor dem Älterwerden, kritische
Stimmen von überall und ein Baugerüst vor dem Haus
bringen das Fass zum Überlaufen. Malen soll er, aber genau
das kann er nicht. Was bleibt ist Flucht nach vorne. Die Katzen
geimpft, macht sich der Künstler auf in das Land, wo es
statt deutsche Nachrichtenmagazine Tomaten, Wein und Pizza gibt
- Italien.
Von Sarah von Känel.
Wunderbar frisch und gnadenlos satirisch schreibt
Robert Gernhardt über einen Künster, der an kunstverhindernden
Gedanken und Erinnerungen zu scheitern droht.
Genial aber kompliziert
Der Künstler, welcher so uninspiriert durchs Leben zottelt,
muss laut Vorbemerkung als Held mit einer multiplen Persönlichkeit
begriffen werden. Seine Erinnerungen sind als Spinne zu verstehen.
Versucht er zu malen, wird er von der lästigen Spinne Erinnerung
in mühsame Dialoge, in denen immer er als Verlierer herausgeht,
verwickelt. Die Spinne webt ihre Netze durch sein Atelier, seine
Bilder, sein ganzes Leben und verknüpft sie mit seinem armen,
überbelasteten Kopf. Obwohl die Kapitel mit 'Ich', 'Du',
'Er', 'Sie', 'Es' benennt sind, haben wir es immer mit ein und
derselben Persönlichkeit zu tun, der eine gewisse Ähnlichkeit
mit dem Autor schon nur des Namens wegen nicht abgesprochen werden
kann. Hört sich kompliziert an, oder? Ist es auch! Zusätzlich
macht die empfindsame Künstlerseele in Gedanken nämlich
weite Abstecher in Politik, Kunstgeschichte und Farbkunde. Wer
das Hörbuch als Nebenbeschäftigung beim Kochen, Putzen,
Bügeln oder Joggen hört, wird hoffnungslos verloren
und überfordert sein.
Genialer Gernhardt
"Ich, ich, ich" muss entweder
sehr aufmerksam angehört, oder aber als Buch gelesen werden,
sonst bleibt viel in der Schwebe hängen. Bei Gernhardt kommt
es auf das einzelne Wort an, er schreibt so sprach- und
wortgewandt, dass es schade und unbefriedigend ist nur oberflächlich
den Inhalt mitzukriegen. Die geschriebene Form hat den Vorteil,
dass Stellen, die man nicht versteht, sofort noch einmal gelesen
werden. Andererseits geht dadurch ein sehr wichtiges Element
verloren: Die Lesung von Robert Gernhardt, dem Autor selbst.
Seine Charakterstimme allein macht das Hörbuch schon hörenswert.
Gernhardt, deutscher Schriftsteller, Lyriker, Essayist, Zeichner
und Maler kann seine Stimme verstellen, als hätte er einen
Sack Kreide gefressen. Lebendig, witzig und sehr unterhaltsam
liest er sein eigenes Werk. Mit viel Humor erzählt er zynisch
und ironisch aus dem Leben des Helden. Das überraschende
märchenhafte Schlussbild und viele skurrile Sequenzen regen
zum Nachdenken an.
Kein Hörbuch für unterwegs. Aber
eines, an dem man wirklich bei jedem Wort auf das nächste
gespannt ist. Man wird nicht enttäuscht, bis zum letzten
Wort ist man aufmerksam und kann nur staunen über Sprachgewalt
und Vielfalt.
2 CDs, 85 Minuten, CHF 26.70
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