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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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"Die Pickwickier" von Charles Dickens (Hörbuch) | Der Hörverlag
Charles Dickens für Anfänger

Charles Dickens Bücher sind generell sehr dick und wirken irgendwie verstaubt, dachte ich. Doch dank des Hörspiels "Die Pickwickier", herausgegeben vom Hörverlag, wurde ich eines besseren belehrt: Denn auch dieses ist zwar lang, aber schlussendlich doch zu kurz. Hörfreude hoch drei.

Von Petra Gehrmann.

Samuel Pickwick, der etwas exzentrische Gründer des Pickwickier Clubs und vermögender Junggeselle, beschliesst mit seinen Freunden in England herumzureisen. Was eigentlich als eine Art Forschungsreise gedacht war, um neue historische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu erhalten und mitzuteilen, im Dienste der Wissenschaften also, gerät immer mehr ausser Kontrolle, was im Angesicht der eigentümlichen Mitgliedern des Pickwickier nicht weiter erstaunlich ist. Während das Mitglied Augustus Snodgrass Ambitionen zum Dichter verspürt, gibt sich Nathaniel Winkel als Sportler und Tracy Tupman, das dritte Mitglied versucht sich als Frauenheld. Doch alle Pickwickier sind in ihren Bestrebungen wenig erfolgreich und vor allem viel zu gutgläubig. So fallen sie dann auch prompt auf den Wanderschauspieler Jingle (eine herrliche Figur) herein. Daraus ergeben sich dann einige amüsante Episoden, so schiesst Winkel Tupman bei der Jagd an oder der "böse" Jingle entführt eine alte Jungfer, die sich eigentlich Tupman auserwählt hatte. Auf ihren Verfolgungsjagden hinter dem Entführer her lernt Pickwick auch den altklugen Sam Weller kennen, der kurz darauf sein Diener wird. Weiter witzige Episoden schliessen sich an, Samuel Pickwick landet sogar im Gefängnis. Eine wahre Heiratsepidemie stellt den krönenden Abschluss dar.

Wesentlich bei Charles Dickens Frühwerk "Die Pickwickier ist nicht die Handlung sondern die herrlich originellen Figuren, die auch die einzelnen Episoden zusammenhalten. Mit viel Witz und Esprit führen die Figuren durch dieses kurzweilige Werk voller kleiner Geschichten und Anekdoten, die trotz ihrer Überspitzungen immer auch gesellschaftskritisch sind. Ein literarischer Genuss.

Brillantes Hörspiel
Nun, dass das Werk sich zu lesen lohnt, wurde genügend dargelegt, aber es ist das geniale Hörspiel, welches der Hessische und Westdeutsche Rundfunk 1969 daraus gezaubert hat, dass die "Pickwickier" zu einem wahren Kleinod macht. Lesungen von bekannten Werken kennt man zugenüge, aber wirklich gute Hörspiele werden selten gemacht. Mit einer Liebe zum Detail, wundervollen Hintergrundgeräuschen und tollen Stimmen gehört vorliegendes Hörspiel zu einem der Besten. Besonders zeichnen sich dabei Martin Held als Erzähler und Uwe Friedrichsen als Mr. Jingle aus, bei dessen Darstellung man nicht nur einmal lachen muss. Wer vor dem gewaltigen Umfang von sechs CD zurückschreckt, dem sei die Angst genommen, die Zeit vergeht wie im Fluge, zudem wird der Wiedereinstieg jeweils erleichtert, indem zu Beginn jeder CD eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse erfolgt.

Für Anfänger und Fortgeschrittene Dickens Leser wärmstens zu empfehlen.

6 CD, CHF 67.00


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