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Dieter Harmening: "Wörterbuch des
Aberglaubens" (Lexikon) | Reclam
Wie man mit Eulenherzen zur Wahrheit findet
Freitag der Dreizehnte ist ein Unglückstag,
Hufeisen bringen Glück und Scherben sieben Jahre Pech. Bis
heute sind Reste des Aberglaubens nicht aus unserem Leben verschwunden.
Ein Wörterbuch des Abglaubens muss jedoch weiter gehen als
glücks- und unglücksbringende Gegenstände und
Zahlen zu erklären.
Von Lukas Hunziker.
Vorliegendes Wörterbuch des Aberglaubens
tut dies zweifellos. Denn mit Hufeisen und Scherben hätte
man die gut 450 Seiten nicht füllen können. Längst
nicht jedes Stichwort verbinden wir automatisch mit einem Aberglauben,
wie zum Beispiel 'Charakter', 'Wäsche' oder 'Nachgeburt'.
Dennoch verbanden sich mit all diesen Begriffen irgendwann einmal
abergläubische Vorstellungen. So wurde nämlich 1555
verordnet, die Nachgeburt in fliessendes Wasser zu geben, um
ihren Gebrauch zur Herstellung von Hexensalben zu verhindern.
Butterhexen und Pflanzengeister
Gerade Hexen sind populäre Wesen
des Aberglaubens und tatsächlich beziehen sich zahlreiche
Einträge auf sie. 'Hexenschuss', 'Feuerprobe' oder der 'Hexenhammer'
mögen einem in diesem Zusammenhang schon bekannt sein, aber
wer wusste schon, dass man vom Mittelalter bis in die Neuzeit
an Butterhexen glaubte. Diese, so glaubte man, würden Butter
stehlen und seien verantwortlich, wenn Kühe keine Milch
geben. Doch mit einem Zauberspruch, ebenfalls im Wörterbuch
abgedruckt, kann man sie bannen. Sehr viele abergläubische
Praktiken und Ammenmärchen drehen sich auch um den Tod.
So sollen aus dem letzten Sperma von Gehängten unter dem
Galgen Alraune wachsen, Pflanzen, in denen Geister wohnen. Will
man die Pflanze entfernen, muss man sie von einem Hund ausreissen
lassen, der danach stirbt. Auch sollte man sich die Ohren zuhalten
um sich beim Ausreissen nicht dem todbringenden Schrei des Alrauns
auszusetzen. Dies und viel mehr erfährt man im "Wörterbuch
des Aberglaubens"; dass Fingernägel Zutaten für
Liebestränke sind, wie man Warzen bei einem Leichenzug loswird
und dass eine Frau ihre Geheimnisse verrät, wenn man ihr
im Schlaf das Herz einer Eule an die rechte Brust legt.
Personen, Praktiken aber keine Fee
Die Begriffe im "Wörterbuch
des Aberglaubens" schliessen die klassischen Begriffe, wie
'Hexe', 'Magie', 'Fluch', 'Geist' oder 'Walpurgisnacht' ein,
aber auch Tiere, Pflanzen, Steine, Zahlen, Formen und diverse
Gegenstände. Nicht fehlen dürfen aber auch die verschiedenen
magischen Praktiken wie Exorzismus, Chiromantie oder Wahrsagen
sowie die wichtigen historischen Personen und Schriften. Auch
zu Praktiken und Wesen aus der christlichen Tradition finden
sich Einträge, zum Beispiel zu 'Engel', 'Fegefeuer' oder
'Allerheiligen'. Das kleine Buch ist sehr umfassend, auch wenn
man einige Begriffe nicht findet. Gerade die erwähnten Scherben
als populärer Aberglaube bekommen keinen Eintrag, ebenso
wenig wie beispielsweise die Fee oder der Zwerg (während
man z.B. Kobold oder Einhorn findet). Etwas gar kompliziert und
für Laien enigmatisch ist das Vorwort, hingegen gibt es
für Interessierte ein wirklich mehr als ausführliches
Literaturverzeichnis.
Das "Wörterbuch des Aberglaubens"
ist ein handliches, (nahezu) umfassendes und spannendes Nachschlagewerk,
das von Abracadabra bis Zauberspruch kaum einen Begriff auslässt,
der irgendwann im Zusammenhang mit Magie und Volksglauben stand.
Empfehlenswert!
520 Seiten, CHF 30.10
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