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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wörterbuch des Aberglaubens
 

Dieter Harmening: "Wörterbuch des Aberglaubens" (Lexikon) | Reclam
Wie man mit Eulenherzen zur Wahrheit findet

Freitag der Dreizehnte ist ein Unglückstag, Hufeisen bringen Glück und Scherben sieben Jahre Pech. Bis heute sind Reste des Aberglaubens nicht aus unserem Leben verschwunden. Ein Wörterbuch des Abglaubens muss jedoch weiter gehen als glücks- und unglücksbringende Gegenstände und Zahlen zu erklären.

Von Lukas Hunziker.

Vorliegendes Wörterbuch des Aberglaubens tut dies zweifellos. Denn mit Hufeisen und Scherben hätte man die gut 450 Seiten nicht füllen können. Längst nicht jedes Stichwort verbinden wir automatisch mit einem Aberglauben, wie zum Beispiel 'Charakter', 'Wäsche' oder 'Nachgeburt'. Dennoch verbanden sich mit all diesen Begriffen irgendwann einmal abergläubische Vorstellungen. So wurde nämlich 1555 verordnet, die Nachgeburt in fliessendes Wasser zu geben, um ihren Gebrauch zur Herstellung von Hexensalben zu verhindern.

Butterhexen und Pflanzengeister
Gerade Hexen sind populäre Wesen des Aberglaubens und tatsächlich beziehen sich zahlreiche Einträge auf sie. 'Hexenschuss', 'Feuerprobe' oder der 'Hexenhammer' mögen einem in diesem Zusammenhang schon bekannt sein, aber wer wusste schon, dass man vom Mittelalter bis in die Neuzeit an Butterhexen glaubte. Diese, so glaubte man, würden Butter stehlen und seien verantwortlich, wenn Kühe keine Milch geben. Doch mit einem Zauberspruch, ebenfalls im Wörterbuch abgedruckt, kann man sie bannen. Sehr viele abergläubische Praktiken und Ammenmärchen drehen sich auch um den Tod. So sollen aus dem letzten Sperma von Gehängten unter dem Galgen Alraune wachsen, Pflanzen, in denen Geister wohnen. Will man die Pflanze entfernen, muss man sie von einem Hund ausreissen lassen, der danach stirbt. Auch sollte man sich die Ohren zuhalten um sich beim Ausreissen nicht dem todbringenden Schrei des Alrauns auszusetzen. Dies und viel mehr erfährt man im "Wörterbuch des Aberglaubens"; dass Fingernägel Zutaten für Liebestränke sind, wie man Warzen bei einem Leichenzug loswird und dass eine Frau ihre Geheimnisse verrät, wenn man ihr im Schlaf das Herz einer Eule an die rechte Brust legt.

Personen, Praktiken aber keine Fee
Die Begriffe im "Wörterbuch des Aberglaubens" schliessen die klassischen Begriffe, wie 'Hexe', 'Magie', 'Fluch', 'Geist' oder 'Walpurgisnacht' ein, aber auch Tiere, Pflanzen, Steine, Zahlen, Formen und diverse Gegenstände. Nicht fehlen dürfen aber auch die verschiedenen magischen Praktiken wie Exorzismus, Chiromantie oder Wahrsagen sowie die wichtigen historischen Personen und Schriften. Auch zu Praktiken und Wesen aus der christlichen Tradition finden sich Einträge, zum Beispiel zu 'Engel', 'Fegefeuer' oder 'Allerheiligen'. Das kleine Buch ist sehr umfassend, auch wenn man einige Begriffe nicht findet. Gerade die erwähnten Scherben als populärer Aberglaube bekommen keinen Eintrag, ebenso wenig wie beispielsweise die Fee oder der Zwerg (während man z.B. Kobold oder Einhorn findet). Etwas gar kompliziert und für Laien enigmatisch ist das Vorwort, hingegen gibt es für Interessierte ein wirklich mehr als ausführliches Literaturverzeichnis.

Das "Wörterbuch des Aberglaubens" ist ein handliches, (nahezu) umfassendes und spannendes Nachschlagewerk, das von Abracadabra bis Zauberspruch kaum einen Begriff auslässt, der irgendwann im Zusammenhang mit Magie und Volksglauben stand. Empfehlenswert!

520 Seiten, CHF 30.10


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