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Hermann Ehmann: "Endgeil - Das voll korrekte
Lexikon der Jugendsprache" (Lexikon) | Beck
Von Provokalos und Spezis
Auch schon am Bahnhof an krassen Vorstadtkids
vorbeigelaufen und nix verstanden? Die Jugendlichen von heute
reden aber auch eines zusammen... Wollen Sie wissen, ob die gerade
über sie runtergezogen haben? Dann heimlich "Endgeil"
kaufen und hinter dem Tolstoi-Einband versteckt lesen.
Von Tamara Frommelt.
Die Jugendsprache ist ein interessantes Phänomen.
Sie entwickelt sich rasend schnell und verändert sich stetig.
Die Erfinder, die Jugendlichen, sprühen vor Kreativität
und provozieren wild drauf los. Ein ganz natürlicher Vorgang,
wie es ihn schon immer unter den Jugendlichen gab. Weil sie auffallen,
sich abgrenzen wollen. Eltern, Lehrer, Erwachsene, wollen aber
dazugehören, verstehen. Wenn die Mutter plötzlich von
Tussis spricht und der Vater etwas "affengeil" findet,
ist das aber für keinen lustig. Deshalb sollten Ehmanns
Bücher eigentlich einen Vermerk vorne drauf haben: "Parental
Advisory: Don't use content for yourself." Finger weg von
diesen Wörtern. Sie sind ihren Kindern vorbehalten.
Denn in "Endgeil" und in seinen
drei Vorgängern, die Ehmann seit 2001 konstant auf den Markt
warf (und das sehr erfolgreich) sind die gerade geläufigsten
Wörter und Begriffe für jeden verständlich erklärt.
Rund hundert Vokabeln, von abaxten bis zwittern, dürfen
intensiv gepaukt werden. Was wäre das für ein Gefühl,
wenn sie plötzlich verstehen, was Ihr Sohnemann mit seinen
Kollegen bespricht? Die Antwort darauf, hat wohl viele dazu gebracht,
Ehmanns Lexika zu kaufen, sonst wären sie allesamt keine
Bestseller geworden. Dass seine Bücher aber nicht nur für
Eltern interessant sind, schreibt der Autor in "Endgeil"
gleich selbst, indem er zahlreiche Beispiele zitiert, in denen
seine Vorgänger eine Rolle spielten. Zum Beispiel dieser
witzige Eintrag: "Da war der Berliner Fast-Abiturient, der
für seine Facharbeit in Deutsch seitenweise aus "Oberaffengeil"
und "Voll konkret" ablöffelte. Sein Pech nur,
dass er sich Quellennachweise knickte und damit seinen Notensheriff
stutzig machte. Der Kommagärtner-Profi gehörte leider
nicht zur Spezies der Nichtsraller, hirnte alles und sah dunkelrot
für den Ruf seiner Lehranstalt - Essig war's mit dem
Abi. Schade drum!" Alles klar?
Ja, Ehmann hat Humor und es lohnt sich, seine
Vorworte zu lesen. Einträge gibt es nur hundert, dafür
aber sind die Erklärungen etwas ausführlicher als in
einem herkömmlichen Sprachlexikon. Auch an Satzbeispielen
mangelt es nicht. Ein ABC-Raster könnte sein Lexikon noch
etwas aufwerten, so würden die Begriffe schneller gefunden,
muss aber nicht sein, es sind ja nicht so viele. Toll wäre
es, ein richtiges Wörterbuch zur Hand zu haben, ähnlich
"Deutsch-Frau und Frau-Deutsch". Schade auch, dass
der Jugendsprachspezialist nicht ein grosses Lexikon, quasi die
gesammelten Werke, veröffentlichen kann. Die Begriffe veralten
wahrscheinlich stündlich. Aber dann kauft man sich halt
wieder die Neuauflage, die dann vielleicht "Superkrass"
heissen wird. Ein guter Kompromiss. Fragt sich nur eines: Wie
weit gelten die Begriffe aus Endgeil? Werden sie nur in Deutschland
benutzt oder auch in der Schweiz oder nur zum Teil? Sind Sie
regional begrenzt oder werden sie nur in bestimmten Gruppen (Skater,
Boarder) benutzt? Aber Ehmann gibt zu Beginn seines Werkes ja
an, dass er keine Garantie auf Vollständigkeit und allgemeine
Gültigkeit erhebt.
"Endgeil" ist ein hilfreiches Lexikon,
für alle, die der Jugend schon entwachsen sind, sich aber
für deren Sprache interessieren, sei es privat, beruflich
oder akademisch.
178 Seiten, CHF 18.10
Zum Autor
Hermann Ehrmann, geboren 1964, ist
promovierter Sprachwissenschaftler und Pädagoge und ist
als Lehrer sowie als freier Autor tätig. Er schrieb mit
den Vorgängern von "Endgeil", welches da wären
"Affengeil", "Oberaffengeil" und "Voll
konkret" bereits drei Bestseller. Seine Bücher sind
in sechs Sprachen übersetzt, unter anderem ins Chinesische. |
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