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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hermann Ehmann: "Endgeil - Das voll korrekte Lexikon der Jugendsprache" (Lexikon) | Beck
Von Provokalos und Spezis

Auch schon am Bahnhof an krassen Vorstadtkids vorbeigelaufen und nix verstanden? Die Jugendlichen von heute reden aber auch eines zusammen... Wollen Sie wissen, ob die gerade über sie runtergezogen haben? Dann heimlich "Endgeil" kaufen und hinter dem Tolstoi-Einband versteckt lesen.

Von Tamara Frommelt.

Die Jugendsprache ist ein interessantes Phänomen. Sie entwickelt sich rasend schnell und verändert sich stetig. Die Erfinder, die Jugendlichen, sprühen vor Kreativität und provozieren wild drauf los. Ein ganz natürlicher Vorgang, wie es ihn schon immer unter den Jugendlichen gab. Weil sie auffallen, sich abgrenzen wollen. Eltern, Lehrer, Erwachsene, wollen aber dazugehören, verstehen. Wenn die Mutter plötzlich von Tussis spricht und der Vater etwas "affengeil" findet, ist das aber für keinen lustig. Deshalb sollten Ehmanns Bücher eigentlich einen Vermerk vorne drauf haben: "Parental Advisory: Don't use content for yourself." Finger weg von diesen Wörtern. Sie sind ihren Kindern vorbehalten.

Denn in "Endgeil" und in seinen drei Vorgängern, die Ehmann seit 2001 konstant auf den Markt warf (und das sehr erfolgreich) sind die gerade geläufigsten Wörter und Begriffe für jeden verständlich erklärt. Rund hundert Vokabeln, von abaxten bis zwittern, dürfen intensiv gepaukt werden. Was wäre das für ein Gefühl, wenn sie plötzlich verstehen, was Ihr Sohnemann mit seinen Kollegen bespricht? Die Antwort darauf, hat wohl viele dazu gebracht, Ehmanns Lexika zu kaufen, sonst wären sie allesamt keine Bestseller geworden. Dass seine Bücher aber nicht nur für Eltern interessant sind, schreibt der Autor in "Endgeil" gleich selbst, indem er zahlreiche Beispiele zitiert, in denen seine Vorgänger eine Rolle spielten. Zum Beispiel dieser witzige Eintrag: "Da war der Berliner Fast-Abiturient, der für seine Facharbeit in Deutsch seitenweise aus "Oberaffengeil" und "Voll konkret" ablöffelte. Sein Pech nur, dass er sich Quellennachweise knickte und damit seinen Notensheriff stutzig machte. Der Kommagärtner-Profi gehörte leider nicht zur Spezies der Nichtsraller, hirnte alles und sah dunkelrot für den Ruf seiner Lehranstalt - Essig war's mit dem Abi. Schade drum!" Alles klar?

Ja, Ehmann hat Humor und es lohnt sich, seine Vorworte zu lesen. Einträge gibt es nur hundert, dafür aber sind die Erklärungen etwas ausführlicher als in einem herkömmlichen Sprachlexikon. Auch an Satzbeispielen mangelt es nicht. Ein ABC-Raster könnte sein Lexikon noch etwas aufwerten, so würden die Begriffe schneller gefunden, muss aber nicht sein, es sind ja nicht so viele. Toll wäre es, ein richtiges Wörterbuch zur Hand zu haben, ähnlich "Deutsch-Frau und Frau-Deutsch". Schade auch, dass der Jugendsprachspezialist nicht ein grosses Lexikon, quasi die gesammelten Werke, veröffentlichen kann. Die Begriffe veralten wahrscheinlich stündlich. Aber dann kauft man sich halt wieder die Neuauflage, die dann vielleicht "Superkrass" heissen wird. Ein guter Kompromiss. Fragt sich nur eines: Wie weit gelten die Begriffe aus Endgeil? Werden sie nur in Deutschland benutzt oder auch in der Schweiz oder nur zum Teil? Sind Sie regional begrenzt oder werden sie nur in bestimmten Gruppen (Skater, Boarder) benutzt? Aber Ehmann gibt zu Beginn seines Werkes ja an, dass er keine Garantie auf Vollständigkeit und allgemeine Gültigkeit erhebt.

"Endgeil" ist ein hilfreiches Lexikon, für alle, die der Jugend schon entwachsen sind, sich aber für deren Sprache interessieren, sei es privat, beruflich oder akademisch.

178 Seiten, CHF 18.10

Zum Autor
Hermann Ehrmann, geboren 1964, ist promovierter Sprachwissenschaftler und Pädagoge und ist als Lehrer sowie als freier Autor tätig. Er schrieb mit den Vorgängern von "Endgeil", welches da wären "Affengeil", "Oberaffengeil" und "Voll konkret" bereits drei Bestseller. Seine Bücher sind in sechs Sprachen übersetzt, unter anderem ins Chinesische.


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