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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Benjamin von Stuckrad-Barre: "Was.Wir.Wissen" (Lexikon) | Rowohlt
Wollen.Wir.Das.Wirklich.Wissen?

Benjamin Stuckrad-Barre hat es mit seinem Lexikon geschafft, nutzloses Wissen anzuhäufen. Aber nutzlos kann durchaus auch interessant sein. Manchmal.

Von Tamara Frommelt.

Wenn man sich "Was.Wir.Wissen" völlig ahnungslos nähert, geschieht Folgendes: Man ist interessiert, dann verwirrt und schliesslich ein klein wenig enttäuscht, aber neugierig. Das so genannte Lexikon ist in 12 Themen unterteilt, die alle mehr oder weniger interessieren: Gesellschaft, Politik, Sport, Kultur, Mode, Reise etc. Diese Themen sind nochmals unterteilt und zwar in einzelne Fragen, die ansatzweise dem Thema untergeordnet werden können. So steht unter Reise beispielsweise: "Was ist ideal für unterwegs?" und unter Glaube steht: "Was ist so sicher wie das Amen in der Kirche?" Die Fragen sind durchaus humorvoll, dass sie aber keinen Bezug zum Thema haben, zeigt sich in den Antworten.

Hanf kurbelt die Wirtschaft an
Die Antworten machen eigentlich das ganze Buch aus. Sie sind manchmal einen Satz lang, meistens aber sogar nur ein Wort. So "erkennen selbst Blinde mit Krückstöcken" dass "die amtierenden Vorstände des Galopper-Dachverbandes sich in letzter Zeit nicht mit Ruhm bekleckert haben" (Thema Gesundheit). Und "Alk" kurbelt die Wirtschaft an. Genauso wie Dummheit, Winnetou und Hanf (Thema Wirtschaft, genau). Maximal zwei Seiten lang hat Stuckrad-Barre jeweils nach Antworten auf seine willkürlich gestellten Fragen gesucht.

Alles hat ein Ende
Wo er die Antworten gesucht hat? Natürlich im Internet, was der Buchtitel mit den "Dots" und den drei W's schon andeutet. Und diesem schier endlos Wissen beinhaltenden Medium hat er auch sein Buch gewidmet. "Das Schöne am Buch" aber, schreibt Stuckrad-Barre in seiner Einleitung, sei, dass es ein Ende hat und somit dem Internet überlegen sei. Was aber nützt sein Lexikon? Nachschlagen lässt sich darin herzlich wenig. Es dient dem reinen Amüsement. Das kann allerdings schnell langweilig werden. Aber da das Lexikon in viele Kapitel und Kapitelchen unterteilt ist, und diese recht kurz sind, ist man schnell damit durch. Ein kleiner Suchtfaktor kann durchaus entstehen, denn wollen wir nicht alle wissen, was alles "im Keim erstickt werden muss"?

"Was.Wir.Wissen" weiss wahrscheinlich gar nicht, dass es wunderbar als Vorlage zur eigenen Unterhaltung während langweiliger Bürostunden dienen kann. Geben Sie doch selbst einmal "treibt seltsame Blüten" oder "hat die Arschkarte gezogen" bei Google ein, und schon finden Sie sich auf den Spuren von Stuckrad-Barre wieder. Ergänzen Sie handschriftlich, was sie sonst noch gefunden haben, was dem Autor entging und schon haben sie ein persönlich erweitertes Lexikon.

Ein Hinweis am Rande: Zeigen Sie es aber nicht hocherfreut Ihren Kindern, es sei denn, sie wollen, dass es den "Jelly Angel Soda Vibrator" googelt.

269 Seiten, CHF 30.10

Zum Autor

Einen Namen gemacht hat sich der auch als "Stucki" oder "BvSB" bekannte Autor Benjamin von Stuckrad-Barre mit dem Roman "Soloalbum". Obwohl grosse Ähnlichkeit mit dem nicht zu übertreffenden Roman "High Fidelity" von Nick Hornby bestand, wanderte Stucki fortan als begnadeter deutscher Popliterat durch die Feuilletons. An seinen Erstling reichte keines seiner Werke heran. Dennoch muss man es ihm zu Gute halten, dass er immer wieder Experimente wagte und nicht beim einfachen Roman blieb. Etwas besonderes ist etwa der spannende Mix an Textformen und Ideen in Blackbox. Ausserhalb der Literaturszene machte Stucki mit seiner Affäre mit der Komödiantin Anke Engelke und mit seinem Drogenkonsum aufmerksam. Momentan ist Stucki in seiner eigenen Sendung "Stuckrad bei den Schweizern" (er lebt in Zürich) im TV zu sehen. Sehenswert ist das allerdings nicht.


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