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Benjamin von Stuckrad-Barre: "Was.Wir.Wissen"
(Lexikon) | Rowohlt
Wollen.Wir.Das.Wirklich.Wissen?
Benjamin Stuckrad-Barre hat es mit
seinem Lexikon geschafft, nutzloses Wissen anzuhäufen. Aber
nutzlos kann durchaus auch interessant sein. Manchmal.
Von Tamara Frommelt.
Wenn man sich "Was.Wir.Wissen" völlig
ahnungslos nähert, geschieht Folgendes: Man ist interessiert,
dann verwirrt und schliesslich ein klein wenig enttäuscht,
aber neugierig. Das so genannte Lexikon ist in 12 Themen unterteilt,
die alle mehr oder weniger interessieren: Gesellschaft, Politik,
Sport, Kultur, Mode, Reise etc. Diese Themen sind nochmals unterteilt
und zwar in einzelne Fragen, die ansatzweise dem Thema untergeordnet
werden können. So steht unter Reise beispielsweise: "Was
ist ideal für unterwegs?" und unter Glaube steht: "Was
ist so sicher wie das Amen in der Kirche?" Die Fragen sind
durchaus humorvoll, dass sie aber keinen Bezug zum Thema haben,
zeigt sich in den Antworten.
Hanf kurbelt die Wirtschaft an
Die Antworten machen eigentlich das ganze Buch aus. Sie sind
manchmal einen Satz lang, meistens aber sogar nur ein Wort. So
"erkennen selbst Blinde mit Krückstöcken"
dass "die amtierenden Vorstände des Galopper-Dachverbandes
sich in letzter Zeit nicht mit Ruhm bekleckert haben" (Thema
Gesundheit). Und "Alk" kurbelt die Wirtschaft an. Genauso
wie Dummheit, Winnetou und Hanf (Thema Wirtschaft, genau). Maximal
zwei Seiten lang hat Stuckrad-Barre jeweils nach Antworten auf
seine willkürlich gestellten Fragen gesucht.
Alles hat ein Ende
Wo er die Antworten gesucht hat? Natürlich im Internet,
was der Buchtitel mit den "Dots" und den drei W's schon
andeutet. Und diesem schier endlos Wissen beinhaltenden Medium
hat er auch sein Buch gewidmet. "Das Schöne am Buch"
aber, schreibt Stuckrad-Barre in seiner Einleitung, sei, dass
es ein Ende hat und somit dem Internet überlegen sei. Was
aber nützt sein Lexikon? Nachschlagen lässt sich darin
herzlich wenig. Es dient dem reinen Amüsement. Das kann
allerdings schnell langweilig werden. Aber da das Lexikon in
viele Kapitel und Kapitelchen unterteilt ist, und diese recht
kurz sind, ist man schnell damit durch. Ein kleiner Suchtfaktor
kann durchaus entstehen, denn wollen wir nicht alle wissen, was
alles "im Keim erstickt werden muss"?
"Was.Wir.Wissen" weiss wahrscheinlich
gar nicht, dass es wunderbar als Vorlage zur eigenen Unterhaltung
während langweiliger Bürostunden dienen kann. Geben
Sie doch selbst einmal "treibt seltsame Blüten"
oder "hat die Arschkarte gezogen" bei Google ein, und
schon finden Sie sich auf den Spuren von Stuckrad-Barre wieder.
Ergänzen Sie handschriftlich, was sie sonst noch gefunden
haben, was dem Autor entging und schon haben sie ein persönlich
erweitertes Lexikon.
Ein Hinweis am Rande: Zeigen Sie es aber nicht
hocherfreut Ihren Kindern, es sei denn, sie wollen, dass es den
"Jelly Angel Soda Vibrator" googelt.
269 Seiten, CHF 30.10
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Zum Autor
Einen Namen gemacht hat sich der auch als
"Stucki" oder "BvSB" bekannte Autor Benjamin
von Stuckrad-Barre mit dem Roman "Soloalbum". Obwohl
grosse Ähnlichkeit mit dem nicht zu übertreffenden
Roman "High Fidelity" von Nick Hornby bestand, wanderte
Stucki fortan als begnadeter deutscher Popliterat durch die Feuilletons.
An seinen Erstling reichte keines seiner Werke heran. Dennoch
muss man es ihm zu Gute halten, dass er immer wieder Experimente
wagte und nicht beim einfachen Roman blieb. Etwas besonderes
ist etwa der spannende Mix an Textformen und Ideen in Blackbox.
Ausserhalb der Literaturszene machte Stucki mit seiner Affäre
mit der Komödiantin Anke Engelke und mit seinem Drogenkonsum
aufmerksam. Momentan ist Stucki in seiner eigenen Sendung "Stuckrad
bei den Schweizern" (er lebt in Zürich) im TV zu sehen.
Sehenswert ist das allerdings nicht.
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