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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bernd Brunner: "Eine kurze Geschichte der Bären" (Sachbuch) | Claassen
Auf den Bär gekommen

Eine Geschichte des Bären ist auch eine Geschichte des Menschen, denn kein anderes Lebewesen hat Meister Petz so geprägt wie der nackte Affe. Bernd Brunner legt eine hervorragende Abhandlung über die Vergangenheit der Bären in der Welt der Menschen vor, die inhaltlich wie optisch verwöhnt.

Von Lukas Hunziker.

Bevor man in Europas Norden den Affen kannte, war der Bär jenes Tier, das dem Menschen am ähnlichsten war. Nicht nur sah er, wenn man ihn häutete, wegen seiner hellen Färbung und seines dann viel schlankeren Körpers fast wie ein Mensch aus. Der Bär kann auch auf zwei Beinen gehen und ernährt sich ebenfalls mit Beeren, Wurzeln, Kleintieren und hatte eine Vorliebe für Süsses. Obwohl die Beziehungen zwischen Menschen und Bären in verschiedenen Kulturkreisen sehr unterschiedlich war, gab es sie seit jeher bis heute.

Von Bärenkämpfen und Bärensex
Bernd Brunner geht in seinem Buch auf die verschiedensten Aspekte der Geschichte von Bär und Mensch ein. Angefangen bei der Bedeutung des Bären für unsere Vorfahren, für die Mythen und Märchen, über die Kapitel zu den Höhlenbären und Pandas bis hin zu den Bärenlauten stellt er dem Leser Meistern Petz vor. Man lernt die dunklen Kapitel des Tanzbären, der beliebten Jagdtrophäe Bär und des dämonisierten Killers kennen, aber auch den Teddybären (benannt übrigens nach Theodore Roosevelt), das zahme Haustier oder die Leihmutter Bärin. Ebenfalls sehr interessant ist der forschungsgeschichtliche Exkurs. Denn lange war das Wissen über den Bären eine Mischung aus Beobachtung und Mythos. So glaubte man einst, Bären würden sich wie Menschen in der Missionarstellung vorpflanzen.

Bilder so viel das Herz begehrt
Das Buch ist äusserst angenehm geschrieben und setzt keinerlei Vorkenntnisse, sondern nur Interesse voraus. Bernd Brunner spickt seine Kapitel mit lustigen Anmerkungen und Geschichten, wie jener vom Bären, der zum Säufer wurde und sich immer wieder in einer Bar von den Gästen Drinks zahlen liess. Aber auch optisch ist das Buch eine Freude. Fast auf jeder Seite illustriert ein Bild den Text, meist in Farbe, und diverse Bärenbilder aus der Kunstgeschichte sind abgedruckt. Jedes Bild das Brunner erwähnt ist auf derselben Seite abgeduckt, so dass man sich als Leser richtig verwöhnt vorkommt. An Leserfreundlichkeit ist das Buch ein Musterbeispiel und man wünschte sich, dass mehr Verlage solche Bücher machen würden. Claassen sei gedankt!

"Eine kurze Geschichte des Bären" ist ein spannendes, umfassendes und wirklich sehr leserfreundliches Buch. Es besticht mit einfacher Sprache, einem fesselnden Thema und zahlreichen Abbildungen. Pures Lesevergnügen!

223 Seiten, CHF 28.50

Noch mehr Bären

"Eine kleine Geschichte der Bären" ist nicht die einzige Bärengeschichte, die momentan auf den Ladentischen ausliegt. Ebenfalls sehr empfehlenswert ist "Der Bär - Krafttier der Schamanen und Heiler" von Wolf-Dieter Storl. Storls Bärenbuch setzt allerdings mehr Akzente auf die Bedeutung des Bären in Mythen, Märchen und Sagen, während Bernd Brunner mehr auf das Naturwissenschaftliche und Historische eingeht.

Im Archiv:
Rezension von "Der Bär - Krafttier der Schamanen und Heiler"


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