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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kurt Schwitters: "Schauspiele und Szenen" (Theaterstücke) | dtv
Schräg, lustig, ernst - Schwitters der Stückschreiber

Als Dramatiker ist der Merzdichter Kurt Schwitters kaum bekannt, obwohl er einige Stücke, wenn auch oft fragmentarisch, hinterlassen hat. Der zweitletzte Band der dtv Werkausgabe versammelt diese "Schauspiele und Szenen", von denen einige auch heute noch gut ins Theaterprogramm passen würden.

Von Lukas Hunziker.

Am Anfang von Schwitters Werken standen Theaterstücke jedoch keineswegs. Seine Annäherung an die Bühne erfolgte in dadaistischen Happenings, in denen die Schauspieler auf der Bühne zum Beispiel nur das Publikum übel beschimpften. Die ersten niedergeschrieben Szenen Schwitters, aus den Zwanzigerjahren stammend, sind noch deutlich an dieser Art des Happeningtheaters angelehnt; die erste im Buch abgedruckte Szene beinhaltet den Protest des Publikums sogar in der Bühnenanweisung.

Todessucht und Bärenliebe
Doch schon die Stücke der Dreissigerjahre sind formal konventioneller und oft auch ernster, obwohl Schwitters auch einige herrliche Komödien schrieb. Diese sind es, die man auch noch heute gerne auf der Bühne sehen würde. Ein herrliches Beispiel dafür ist der Einakter "Das Totenbett mit happy end", in dem Frau Meier felsenfest behauptet, sie liege im Sterben und ihre Kinder und Enkel rufen lässt. Wie aber bald klar wird, liegt Frau Meier keineswegs im Sterben, sondern spielt die Sterbende bereits zum 22sten Mal. Ebenfalls sehr lustig, aber zunehmend ernst werdend ist das Stück "Der Zoobär", in dem ein Bär aus dem Zoo entführt und wie ein Mensch erzogen wird. Doch bald findet er das Leben als Mensch öde und will zurück in seinen Käfig, bis er sich unerwartet verliebt. Leider ist dieses Stück, wie auch viele andere, Fragment geblieben, so dass man als Leser frustrierenderweise das Ende des Bärenstückes nicht erfährt.

Für Literaturwissenschaftler und Laien
Was für Schwitters Lyrik gilt, trifft auch auf seine Stücke zu: einige davon sind heute fast unzugänglich und dürften höchstens von Literaturwissenschaftlern gelesen werden, andere sind zeitlos und mögen auch den heutigen Leser problemlos zu fesseln. Als Literaturfan kommt man um Schwitters nicht herum, zu wichtig ist er für die deutsche Literatur der ersten Hälfte des Jahrhunderts. Was man von ihm liest, darf man sich jedoch aussuchen und es ist kein Problem, sich um die anspruchsvollen Texte herumzumanövrieren. Der fünfte und letzte Band der dtv Werkausgabe "Manifeste und Kritische Prosa" ist soeben erschienen und die fünf Bände können sich sehen lassen. Gute Vorworte und ausführliche Anmerkungen, in denen auch Varianten zu betreffenden Textstellen stehen, machen die dtv Ausgabe sowohl für Interessiere wie auch für Literaturwissenschaftler attraktiv.

372 Seiten, CHF 30.70

Zum Autor

Kurt Schwitters wurde am 20. Juni 1887 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Nach einjähriger Kunstgewerbeschule besuchte er 1909 - 1914 die Kunstakademie Dresden. Nach der Rückkehr in die Heimatstadt 1915 heiratete er Helma Fischer. Den Militärdienst verbrachte er in der Schreibstube. 1918/19 Studium an der TU Hannover.
1918 schlägt die Geburtsstunde des Künstlers, der sich nun Kurt Merz Schwitters nennt: er stellt seine ersten "Merzbilder" aus und veröffentlicht seine ersten Gedichte, darunter das berühmte Nonsensgedicht "An Anna Blume". Nach der Begegnung mit Hans Arp nimmt er Kontakt zu allen Avantgarde-Gruppen auf, führt auf Vortragsreisen und in Ausstellungen regelrechte "Dada-Feldzüge" und gibt von 1923 - 1932 die dadaistische Zeitschrift "Merz" heraus. 1933 wird sein Schaffen als "entartete Kunst" verboten. 1937 flieht Schwitters vor der Gestapo nach Norwegen, 1940 nach England, wo er am 8. Januar 1948 in Ambleside/Westmoreland hochgeehrt verstarb. Von seinen drei "Merzbauten" sind nur mehr Überreste vorhanden.

Quelle: dtv


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