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Kurt Schwitters: "Schauspiele und Szenen"
(Theaterstücke) | dtv
Schräg, lustig, ernst - Schwitters der Stückschreiber
Als Dramatiker ist der Merzdichter
Kurt Schwitters kaum bekannt, obwohl er einige Stücke, wenn
auch oft fragmentarisch, hinterlassen hat. Der zweitletzte Band
der dtv Werkausgabe versammelt diese "Schauspiele und Szenen",
von denen einige auch heute noch gut ins Theaterprogramm passen
würden.
Von Lukas Hunziker.
Am Anfang von Schwitters Werken standen Theaterstücke
jedoch keineswegs. Seine Annäherung an die Bühne erfolgte
in dadaistischen Happenings, in denen die Schauspieler auf der
Bühne zum Beispiel nur das Publikum übel beschimpften.
Die ersten niedergeschrieben Szenen Schwitters, aus den Zwanzigerjahren
stammend, sind noch deutlich an dieser Art des Happeningtheaters
angelehnt; die erste im Buch abgedruckte Szene beinhaltet den
Protest des Publikums sogar in der Bühnenanweisung.
Todessucht und Bärenliebe
Doch schon die Stücke der Dreissigerjahre
sind formal konventioneller und oft auch ernster, obwohl Schwitters
auch einige herrliche Komödien schrieb. Diese sind es, die
man auch noch heute gerne auf der Bühne sehen würde.
Ein herrliches Beispiel dafür ist der Einakter "Das
Totenbett mit happy end", in dem Frau Meier felsenfest behauptet,
sie liege im Sterben und ihre Kinder und Enkel rufen lässt.
Wie aber bald klar wird, liegt Frau Meier keineswegs im Sterben,
sondern spielt die Sterbende bereits zum 22sten Mal. Ebenfalls
sehr lustig, aber zunehmend ernst werdend ist das Stück
"Der Zoobär", in dem ein Bär aus dem Zoo
entführt und wie ein Mensch erzogen wird. Doch bald findet
er das Leben als Mensch öde und will zurück in seinen
Käfig, bis er sich unerwartet verliebt. Leider ist dieses
Stück, wie auch viele andere, Fragment geblieben, so dass
man als Leser frustrierenderweise das Ende des Bärenstückes
nicht erfährt.
Für Literaturwissenschaftler und Laien
Was für Schwitters Lyrik gilt,
trifft auch auf seine Stücke zu: einige davon sind heute
fast unzugänglich und dürften höchstens von Literaturwissenschaftlern
gelesen werden, andere sind zeitlos und mögen auch den heutigen
Leser problemlos zu fesseln. Als Literaturfan kommt man um Schwitters
nicht herum, zu wichtig ist er für die deutsche Literatur
der ersten Hälfte des Jahrhunderts. Was man von ihm liest,
darf man sich jedoch aussuchen und es ist kein Problem, sich
um die anspruchsvollen Texte herumzumanövrieren. Der fünfte
und letzte Band der dtv Werkausgabe "Manifeste und Kritische
Prosa" ist soeben erschienen und die fünf Bände
können sich sehen lassen. Gute Vorworte und ausführliche
Anmerkungen, in denen auch Varianten zu betreffenden Textstellen
stehen, machen die dtv Ausgabe sowohl für Interessiere wie
auch für Literaturwissenschaftler attraktiv.
372 Seiten, CHF 30.70
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Zum Autor
Kurt Schwitters wurde am 20. Juni 1887 als
Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Nach einjähriger
Kunstgewerbeschule besuchte er 1909 - 1914 die Kunstakademie
Dresden. Nach der Rückkehr in die Heimatstadt 1915 heiratete
er Helma Fischer. Den Militärdienst verbrachte er in der
Schreibstube. 1918/19 Studium an der TU Hannover.
1918 schlägt die Geburtsstunde des Künstlers, der sich
nun Kurt Merz Schwitters nennt: er stellt seine ersten "Merzbilder"
aus und veröffentlicht seine ersten Gedichte, darunter das
berühmte Nonsensgedicht "An Anna Blume". Nach
der Begegnung mit Hans Arp nimmt er Kontakt zu allen Avantgarde-Gruppen
auf, führt auf Vortragsreisen und in Ausstellungen regelrechte
"Dada-Feldzüge" und gibt von 1923 - 1932 die dadaistische
Zeitschrift "Merz" heraus. 1933 wird sein Schaffen
als "entartete Kunst" verboten. 1937 flieht Schwitters
vor der Gestapo nach Norwegen, 1940 nach England, wo er am 8.
Januar 1948 in Ambleside/Westmoreland hochgeehrt verstarb. Von
seinen drei "Merzbauten" sind nur mehr Überreste
vorhanden.
Quelle: dtv
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