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Gioconda Belli: "Ich bin Sehnsucht verkleidet
als Frau" (Gedichte) | dtv
Faszination Gioconda Belli
Mit sprühendem Temperament schreibt
eine sehr reife Gioconda Belli im neuen Gedichteband über
ihr weibliches Gegenwartsempfinden der Welt. Sehnsucht nach der
Heimat, Verlorenheit in der Cyberwelt, erotische Liebe, Familienleben,
Rebellion, Genuss und Gier nach dem Leben thematisiert die nicaraguanische
Dichterin. In grosszügigen Lettern malt sie das Leben mit
ihren treffenden Worten und einer Begabung für ergreifende
Metaphern an den Versehimmel. Damit beweist sie einmal mehr ihre
ungeheure poetische Kraft.
Von Sarah von Känel.
Gioconda Belli ist eine starke Frau. Eine
exemplarische Frauenfigur Lateinamerikas, die sich am Widerstand
der Sandinistischen Befreiungsfront gegen die Somoza-Diktatur
Nicaraguas beteiligte. Sie hat Mann und Kinder. Neben all dem
erlangte sie mit ihren Gedichten auch noch Weltruhm. Dementsprechend
tief greifend und erfahren schreibt sie über das Leben in
all seinen verschiedenen, bisweilen beängstigenden Facetten.
Leben strömt aus der Feder von Gioconda
Belli
Viele Kontraste werden im neuen, wunderschön
betitelten Buch des spanischsprachigen Talents aufgezeigt. Über
Grausamkeit schreibt sie auf der einen Seite, über Verlorenheit,
Sehnsucht, Kälte und Bedrohungen; so berührend und
bildlich, dass der sensible Leser selbst die Wehmut, die Ängste
und den Schmerz fühlen muss. Doch niemals lässt sie
die Schönheit ihrer feinen Sprache verblühen. Mit der
unsterblichen Hoffnung einer inspirierten Dichterin trotzt sie
in "Gegen jede Hoffnung" der Verzweiflung: "Dichtend
in meiner Einsamkeit. Zeugin dieser widerwärtigen Welt,
schleppe ich mich mit schweren Flügeln zum Gipfel, von dort
stosse ich mich ab wie Ikarus, ein ums andere Mal, weil vielleicht,
weil womöglich, weil ich nicht aufgebe."
Andererseits enthält der Band vor Erotik
und Sinnlichkeit knisternde Gedichte, die fesseln und faszinieren.
Gioconda Belli gewährt in sehr persönlichen Gedichten
tiefen Einblick in das Familienleben. Andere Gedichte wie etwa
" Wiegenlied für ein in Tränen aufgelöstes
Land" schreien den ganzen Schmerz über ein zerrissenes
Land und gleichzeitig auch die tiefe Sehnsucht nach diesem Lande
heraus. "Wo verstecke ich nur dieses geliebte Land, damit
niemand mehr darauf einprügeln kann?", fragt die verzweifelte
Wortakrobatin.
Zeit zum Lesen und Verstehen
Gerade wegen der thematischen Vielfältigkeit
sollte man sich für das Buch auf jeden Fall Zeit nehmen.
Die Gedichte in Serie zu lesen verlangt zu viele Umstellungen
und viele versteckte Details, lassen sich erst beim zweiten oder
dritten Mal durchlesen aufspüren. Es ist passende, stimmige
Herbstlektüre, denn im Sommer würden einem die Gedichte
vielleicht zu schwer und zu gewichtig erscheinen. Zum Herbst
und seinen wirbelnden braunen Blättern, die nackte Bäume
stehen lassen, passt es wunderbar. Melancholisch, sehr offen
und mit einem unglaublich feinen Gespür für tiefsinnige
Metaphern fesselt die grosse nicaraguanische Dichterin einmal
mehr den Leser, der sich auf ihre Gedichte einlässt.
Die präzise, originaltreue und dennoch
kein bisschen holprige deutsche Übersetzung, macht den Zauber,
der in der spanischen Originalfassung verborgen liegt, auch den
Gemütern des deutschsprachigen Leservolks zugänglich.
Dies sollte unbedingt ausgenützt werden, die Gedichte berühren
und streicheln die Seele.
183 Seiten, CHF 16.00
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Zur Autorin
Gioconda Belli wurde in Managua geboren. Sie
studierte in Spanien und den USA. Ab 1970 beteiligte sie sich
am Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN gegen
die Somoza-Diktatur ihres Landes. Sie lebt heute in Managua und
Los Angeles/USA.
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