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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Peter Noll: "Diktate über Sterben und Tod" (Tagebuch) | Pendo
Tabuthema: Tod

Ein erfolgreicher Schweizer Jurist bekommt mit 56 Jahren die Krebs-Diagnose. Statt einer Behandlung entscheidet er sich dafür, die Krankheit anzunehmen. Und schreibt über die ihm verbleibende Zeit ein Tagebuch.

Von Stephan Sigg.

Peter Noll (1926 - 1982) war einer der angesehensten Schweizer Juristen, Verfasser von zahlreichen Publikationen und unter anderem als Professor für Strafrecht an der Universität Zürich tätig. Doch dann erfährt er im Alter von 56 Jahren, dass er an Blasenkrebs im fortgeschrittenen Stadium erkrankt ist. Noll entscheidet sich gegen eine Behandlung, die möglicherweise sein Leben verlängern hätte können. Stattdessen will er bewusst in den Tod gehen und hält die ihm verbleibende Zeit vom 28. Dezember 1981 bis zum 30. September 1982 in einem Tagebuch fest.

Das Leben besser leben
"Diktate über Sterben und Tod" erschien 1984 zum ersten Mal und wurde gleich zum grossen Bestseller. In der Neuauflage ist auch die Totenrede von Max Frisch zu finden. Peter Noll war mit Max Frisch gut befreundet. Noll hat sich die Totenrede ausdrücklich von ihm gewünscht mit der Beifügung: "Du hast ja noch etwas Zeit", wie Max Frisch in seiner Rede schreibt. "Du hast ja noch etwas Zeit" - nicht depressiv, nicht selbstbemitleidend. Genau so liest sich auch das Tagebuch von Peter Noll. Der Autor setzt sich mit seiner Situation, dem Sinn des Lebens und der Frage nach dem Tod auseinander und meint: "Wir leben das Leben besser, wenn wir es so leben, wie es ist, nämlich befristet."

Wichtiger Beitrag
Angesicht des Todes geht der Alltag in Laax und Zürich, wo sich der Autor aufhält, trotzdem weiter: Treffen und Gespräche mit Freunde, geschäftliche und private Angelegenheiten. Peter Noll stimmt den Leser nachdenklich. Er tut das auf eine sympathische, persönliche Art, ohne sich in langem Lamentieren zu verlieren oder belehrend zu wirken. Auch einundzwanzig Jahre nach der Erstveröffentlichung haben Nolls Notizen nicht an Aktualität und Ausstrahlung verloren. Der Bestseller hat sich zum unbestrittenen Standardwerk bei Experten wie Laien entwickelt. Peter Noll leistet mit seinem Buch einen wichtigen Beitrag zu den aktuellen Diskussionen im Bereich Sterbehilfe.

357 Seiten, CHF 32.00


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