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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sergej Lukianenko: "Wächter der Nacht" (Roman) | Heyne
Magie, Verrat und Liebe

Der erfolgreichste russische Phantastikautor der Gegenwart streckt seine Arme nach Mitteleuropa aus; Nach 7 Jahren kommt "Wächter der Nacht" endlich auch in die Schweiz. Eine Wartezeit, die sich gelohnt hat?

Von Magdalena Pfaffl.

Quentin Tarantino nennt "Wächter der Nacht" in einem Atemzug mit J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe" und Kinowerbung und Presse feierten Sergej Lukianenko schon vorab als erfolgreichsten Phantastikautor seiner Zeit. So startete der erste Teil der "Wächter der Nacht"-Triologie des Russen im Oktober 2005 mit großen zu erfüllenden Erwartungen auf den deutschsprachigen Buchmarkt.

Reality-Horror-Fantasy
Beinahe einzigartig macht es schon eine gut gelungene Mischung aus Fantasy, Horror und Realismus sowie die beunruhigend realistische Handlung des 525 Seiten dicken Romans. In Lukianenkos Moskau gibt es "gute" (lichte) und "böse" (dunkle) Magier. Es gibt Zauberer, Tiermenschen, Hexen, Vampire und viele andere magische Wesen, deren Vielfalt "so groß wie die Sterne am Himmel" sei. Nach einem viele Jahrtausende andauernden Krieg haben Dunkel und Licht vor wenigen Jahrzehnten endlich einen Friedensvertrag geschlossen und seither überwachen die "Nachtwache" und die "Tagwache" einander gegenseitig.

Magie, Verrat und Liebe
Lukianenkos Protagonist, Anton Gorodetsky, ist Mitarbeiter der Nachtwache, deren Aufgabe es ist, dunkle "Anderen" (also dunkle Magier) zu kontrollieren. Lukianenko lässt den eigentlich nur durchschnittlich begabten Magier in "Wächter der Nacht" gleich drei Abenteuer bestehen. Doch nicht nur mächtige Flüche, das Auftauchen von Magiern mit unglaublichem Potenzial und die unvermeidlichen Zusammenstöße mit der "Tagwache" prägen die Handlung von "Wächter der Nacht", sondern auch Liebe, Intrigen und Verrat. Am Ende schließlich findet man eine Botschaft an den Leser, die man so bestimmt nicht erwartet hätte.

Ein düsteres Russlandbild
Es ist ein zutiefst beängstigendes Russlandbild, das Sergej Lukianenko beschreibt. Sein Moskau hat so absolut überhaupt nichts zu tun mit dem Moskau westlicher Touristen und dem Wirtschafts- und Machtzentrum der gefallenen Supermacht. Vielmehr tut sich Lukianenkos Moskau durch Wodka-Kioske, Stahlbeton-Wohnblocks und schlecht ausgebildete Milizionäre hervor. Eine Stadt, die für den Mitteleuropäischen Leser schon genug Beängstigendes und Fremdartiges Inne hat - auch ohne Magier und Vampire.

Eine intime Berührung der russischen Seele
"Wächter der Nacht" ist nicht nur ein zukünftiges Kultbuch - jedenfalls, wenn man der Werbung Glauben schenkt - sondern es scheint auch ein intimer Einblick in die Seele metropolitaner Russen zu sein. Es zeigt eine Welt, in der Misstrauen und Intrigen so normal sind wie die billig produzierte Soap-Operas im Fernsehen, und in der es keine Magie braucht, um die kleine Oberschicht in ihren Gourmetrestaurants zum Wegsehen zu bewegen, wenn vor ihren Augen ein Mord geschieht. Und es stellt die Frage in den Raum "Warum eigentlich immer Russland?". Eine Frage, die sicherlich jedem Russen auf der Seele brennt. Vielleicht ist diese Berührung der russischen Seele ein Grund für den immensen Erfolg der Trilogie in Russland, wo Sergej Lukianenkos Werke laut Heyne erfolgreicher sind, als "der Herr der Ringe" oder "Harry Potter".

Russia goes Middle-Europe
Ob "Wächter der Nacht" seinen Erfolg auch nach Mittel- und Westeuropa ausdehnen kann wird sich zeigen, doch sicherlich hat der gleichnamige Film nach dem Drehbuch von Sergej Lukianenko und Timur Bekmambetov (die Handlung hat übrigens nur wenig mit der des Romans zu tun) der Trilogie die bestmögliche Starthilfe verschafft. Teil II, "Wächter des Tages", und Teil III, "Wächter der Dämmerung", stehen - laut Heyne - bereits in den Startlöchern und sollen bereits 2006 erscheinen. Teil II des Films ist ebenfalls bereits in Produktion und wird vermutlich ebenfalls 2006 bei uns zu sehen sein.

525 Seiten, CHF 23.80

Zum Autor

Sergej Lukianenko, 1968 in Kasachstan geboren, studierte in Alma-Ata Medizin, war als Psychiater tätig und lebt nun als freier Schriftsteller in Moskau. Er ist der populärste russische Fantasy- und Science Fiction-Autor der Gegenwart, seine Romane und Erzählungen wurden mehrfach preisgekrönt. Gemeinsam mit Regisseur Timur Bekmambetov schrieb Lukianenko auch das Drehbuch für die Verfilmung von "Wächter der Nacht".

Quelle: Heyne


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