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Sergej Lukianenko: "Wächter der
Nacht" (Roman) | Heyne
Magie, Verrat und Liebe
Der erfolgreichste russische Phantastikautor
der Gegenwart streckt seine Arme nach Mitteleuropa aus; Nach
7 Jahren kommt "Wächter der Nacht" endlich auch
in die Schweiz. Eine Wartezeit, die sich gelohnt hat?
Von Magdalena Pfaffl.
Quentin Tarantino nennt "Wächter
der Nacht" in einem Atemzug mit J.R.R. Tolkiens "Der
Herr der Ringe" und Kinowerbung und Presse feierten Sergej
Lukianenko schon vorab als erfolgreichsten Phantastikautor seiner
Zeit. So startete der erste Teil der "Wächter der Nacht"-Triologie
des Russen im Oktober 2005 mit großen zu erfüllenden
Erwartungen auf den deutschsprachigen Buchmarkt.
Reality-Horror-Fantasy
Beinahe einzigartig macht es schon
eine gut gelungene Mischung aus Fantasy, Horror und Realismus
sowie die beunruhigend realistische Handlung des 525 Seiten dicken
Romans. In Lukianenkos Moskau gibt es "gute" (lichte)
und "böse" (dunkle) Magier. Es gibt Zauberer,
Tiermenschen, Hexen, Vampire und viele andere magische Wesen,
deren Vielfalt "so groß wie die Sterne am Himmel"
sei. Nach einem viele Jahrtausende andauernden Krieg haben Dunkel
und Licht vor wenigen Jahrzehnten endlich einen Friedensvertrag
geschlossen und seither überwachen die "Nachtwache"
und die "Tagwache" einander gegenseitig.
Magie, Verrat und Liebe
Lukianenkos Protagonist, Anton Gorodetsky, ist Mitarbeiter der
Nachtwache, deren Aufgabe es ist, dunkle "Anderen"
(also dunkle Magier) zu kontrollieren. Lukianenko lässt
den eigentlich nur durchschnittlich begabten Magier in "Wächter
der Nacht" gleich drei Abenteuer bestehen. Doch nicht nur
mächtige Flüche, das Auftauchen von Magiern mit unglaublichem
Potenzial und die unvermeidlichen Zusammenstöße mit
der "Tagwache" prägen die Handlung von "Wächter
der Nacht", sondern auch Liebe, Intrigen und Verrat. Am
Ende schließlich findet man eine Botschaft an den Leser,
die man so bestimmt nicht erwartet hätte.
Ein düsteres Russlandbild
Es ist ein zutiefst beängstigendes Russlandbild, das Sergej
Lukianenko beschreibt. Sein Moskau hat so absolut überhaupt
nichts zu tun mit dem Moskau westlicher Touristen und dem Wirtschafts-
und Machtzentrum der gefallenen Supermacht. Vielmehr tut sich
Lukianenkos Moskau durch Wodka-Kioske, Stahlbeton-Wohnblocks
und schlecht ausgebildete Milizionäre hervor. Eine Stadt,
die für den Mitteleuropäischen Leser schon genug Beängstigendes
und Fremdartiges Inne hat - auch ohne Magier und Vampire.
Eine intime Berührung der russischen
Seele
"Wächter der Nacht"
ist nicht nur ein zukünftiges Kultbuch - jedenfalls,
wenn man der Werbung Glauben schenkt - sondern es scheint
auch ein intimer Einblick in die Seele metropolitaner Russen
zu sein. Es zeigt eine Welt, in der Misstrauen und Intrigen so
normal sind wie die billig produzierte Soap-Operas im Fernsehen,
und in der es keine Magie braucht, um die kleine Oberschicht
in ihren Gourmetrestaurants zum Wegsehen zu bewegen, wenn vor
ihren Augen ein Mord geschieht. Und es stellt die Frage in den
Raum "Warum eigentlich immer Russland?". Eine Frage,
die sicherlich jedem Russen auf der Seele brennt. Vielleicht
ist diese Berührung der russischen Seele ein Grund für
den immensen Erfolg der Trilogie in Russland, wo Sergej Lukianenkos
Werke laut Heyne erfolgreicher sind, als "der Herr der Ringe"
oder "Harry Potter".
Russia goes Middle-Europe
Ob "Wächter der Nacht" seinen Erfolg auch nach
Mittel- und Westeuropa ausdehnen kann wird sich zeigen, doch
sicherlich hat der gleichnamige Film nach dem Drehbuch von Sergej
Lukianenko und Timur Bekmambetov (die Handlung hat übrigens
nur wenig mit der des Romans zu tun) der Trilogie die bestmögliche
Starthilfe verschafft. Teil II, "Wächter des Tages",
und Teil III, "Wächter der Dämmerung", stehen
- laut Heyne - bereits in den Startlöchern und sollen
bereits 2006 erscheinen. Teil II des Films ist ebenfalls bereits
in Produktion und wird vermutlich ebenfalls 2006 bei uns zu sehen
sein.
525 Seiten, CHF 23.80
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Zum Autor
Sergej Lukianenko, 1968 in Kasachstan geboren,
studierte in Alma-Ata Medizin, war als Psychiater tätig
und lebt nun als freier Schriftsteller in Moskau. Er ist der
populärste russische Fantasy- und Science Fiction-Autor
der Gegenwart, seine Romane und Erzählungen wurden mehrfach
preisgekrönt. Gemeinsam mit Regisseur Timur Bekmambetov
schrieb Lukianenko auch das Drehbuch für die Verfilmung
von "Wächter der Nacht".
Quelle: Heyne
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