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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Da Chen: "Meister Atami und der kleine Mönch" (phantastischer Eastern) | Piper Fantasy
Die Jugend eines Auserwählten

Luka wächst in Armut auf. Und dies, obwohl er auserwählt ist, einst Chinas Kaiser zu werden. Beziehungsweise gerade deshalb muss er die Schattenseiten des Lebens kennenlernen, denn die politischen Umstände zwingen ihn und seinen Meister Atami zur Flucht.

Von Matti Johan Martin.

Die Mogo haben China besetzt und regieren mit eiserner Faust. Angst und Repression sind die gängigen Mittel, um die Chinesen zu knechten. Luka ist vom Schicksal ausersehen worden, was die jeweils fünf Muttermale an beiden Füssen belegen. Er entging nur durch die tatkräftige Unterstützung des Meisters Atami dem Tode. Der Meister Atami unterrichtet Luka in der buddhistischen Lehre. Erst später offenbart Atami seinem Schützling, dass er der Xi-Ling Bruderschaft angehört, dem mächtigsten Kriegermönchsorden Chinas, der aber von den Mogobesatzern beinahe zerschlagen wurde. Nach einem Zwischenfall mit den Besatzern entschliesst sich Atami, Luka in die Kampfeskunst des Kung-Fu zu unterweisen. Doch die Ereignisse beginnen sich zu überstürzen. Die beiden werden von den Mogo erkannt, und obwohl sie zuerst entkommen können, werden sie durch List und Verrat gefangen genommen. Sie werden getrennt und Luka kommt in ein spezielles Lager, wohin die zum Tode Verurteilten gebracht werden, und wo sie vor der Vollstreckung der Strafe noch Steine schleppen müssen. Doch dies erweist sich als Glücksfall, denn gerade in diesem Gefängnis sitzt der oberste Mönch der Xi-Ling Bruderschaft seine Strafe ab. Er erkennt Luka und nimmt sich seiner an. Er verhilft Luka bei seiner Entlassung zur Flucht. Und ab geht die Verfolgungsjagd, die sie am Ende trotz aller Strapazen und Vergiftungen zum Xi-Ling Tempel bringt. Dort beginnt für Luka ein weiteres Kapitel in seinem Leben. Obwohl nun alles in Ordnung scheint, hat Luka durch Vetternwirtschaft doch so einige Probleme. Die Neffen des höchsten Mönchs vor Ort machen Luka das Leben schwerer als den übrigen Mitschülern. Doch gerade sein grösster Feind hilft Luka bei seiner unerlaubten Reise nach Peking. Denn dort will Luka den Meister Atami aus dem Gefängnis retten, wo er sonst wegen einer Vergiftung in wenigen Tagen sterben würde. Es kommt zum finalen Showdown zwischen Luka und dem Mogoherrscher, der sich wie weiland Darth Vader als Lukas' Vater entpuppt.

Einmal Chop Suey, bitte!
Die verwendeten Zutaten in dieser Erzählung sind doch etwas bekannter. Der Kampf zwischen Gut und Böse, gleichzeitig zwischen Sohn und Vater, erinnert an Star Wars. Auch die Ausbildung der Xi-Ling könnte man mit den Jedi vergleichen. Beide sind ethisch geschulte Kämpfer mit speziellen (übersinnlichen) Fähigkeiten. Und die Namensgebung Luka ist vielleicht ein Tribut an den amerikanischen Markt. Denn so richtig asiatisch erscheint Luka nicht gerade. Und die Xi-Lingschule erinnert dann doch etwas an Hogwarts. Da taucht ein gutmütiger bärtiger Riese auf und allerlei magisches Getier haust im Gemäuer. Dennoch wäre es vermessen, Chens Roman als blosses Plagiat zu bezeichnen. Denn da sind Unterschiede vorhanden. Wie es sich für einen Eastern gehört, ist Kung-Fu nicht wegzudenken. Und im Gegensatz zu Hogwarts sind keine Frauen in der Xi-Lingschule anzutreffen. Obwohl natürlich Luka sein Herz verloren hat und er seine patriotische ,Prinzesin' (die nebenbei eine Manufaktur der Mogo abgefackelt hat) am Ende vor dem Tode retten kann. Das war mit Luke ,Himmelsläufer' doch etwas anders. Und natürlich werden buddhistische Versatzstücke zur ethischen Erziehung Luka verwendet. Deshalb ist "Meister Atami und der kleine Mönch" nicht nur eine asiatische Textur über angelsächsischem Stoff. Es verbindet beide ,Stoffwelten' zu einem sehr unterhaltsamen Muster, das mehr als blosses Patchwork ist.
Die Sprache ist ebenso ein besonderes Merkmal. Der Autor beschreibt seine Geschichte meist in sehr kurzen oder unkomplizierten Sätzen (das die Übersetzerin sehr gekonnt übertragen hat). Es tauchen keine ellenlangen Adjekitvlisten auf.
Die Kürze hat aber auch einen Nachteil, denn es handelt sich zu einem gewissen Teil auch um einen Entwicklungsroman. Nur dass Luka relativ schnell altert, wird nicht ganz so deutlich klar.
Trotzdem sollte sich jeder, der einmal eine etwas andere Fantasy lesen will, diesen Roman besorgen.

328 Seiten, CHF 16.50

www.bibliotheka-phantastika.de/autoren/autorchen.htm
www.piper.de/web/home.html


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