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Da Chen: "Meister Atami und der kleine
Mönch" (phantastischer Eastern) | Piper Fantasy
Die Jugend eines Auserwählten
Luka wächst in Armut auf. Und
dies, obwohl er auserwählt ist, einst Chinas Kaiser zu werden.
Beziehungsweise gerade deshalb muss er die Schattenseiten des
Lebens kennenlernen, denn die politischen Umstände zwingen
ihn und seinen Meister Atami zur Flucht.
Von Matti Johan Martin.
Die Mogo haben China besetzt und regieren
mit eiserner Faust. Angst und Repression sind die gängigen
Mittel, um die Chinesen zu knechten. Luka ist vom Schicksal ausersehen
worden, was die jeweils fünf Muttermale an beiden Füssen
belegen. Er entging nur durch die tatkräftige Unterstützung
des Meisters Atami dem Tode. Der Meister Atami unterrichtet Luka
in der buddhistischen Lehre. Erst später offenbart Atami
seinem Schützling, dass er der Xi-Ling Bruderschaft angehört,
dem mächtigsten Kriegermönchsorden Chinas, der aber
von den Mogobesatzern beinahe zerschlagen wurde. Nach einem Zwischenfall
mit den Besatzern entschliesst sich Atami, Luka in die Kampfeskunst
des Kung-Fu zu unterweisen. Doch die Ereignisse beginnen sich
zu überstürzen. Die beiden werden von den Mogo erkannt,
und obwohl sie zuerst entkommen können, werden sie durch
List und Verrat gefangen genommen. Sie werden getrennt und Luka
kommt in ein spezielles Lager, wohin die zum Tode Verurteilten
gebracht werden, und wo sie vor der Vollstreckung der Strafe
noch Steine schleppen müssen. Doch dies erweist sich als
Glücksfall, denn gerade in diesem Gefängnis sitzt der
oberste Mönch der Xi-Ling Bruderschaft seine Strafe ab.
Er erkennt Luka und nimmt sich seiner an. Er verhilft Luka bei
seiner Entlassung zur Flucht. Und ab geht die Verfolgungsjagd,
die sie am Ende trotz aller Strapazen und Vergiftungen zum Xi-Ling
Tempel bringt. Dort beginnt für Luka ein weiteres Kapitel
in seinem Leben. Obwohl nun alles in Ordnung scheint, hat Luka
durch Vetternwirtschaft doch so einige Probleme. Die Neffen des
höchsten Mönchs vor Ort machen Luka das Leben schwerer
als den übrigen Mitschülern. Doch gerade sein grösster
Feind hilft Luka bei seiner unerlaubten Reise nach Peking. Denn
dort will Luka den Meister Atami aus dem Gefängnis retten,
wo er sonst wegen einer Vergiftung in wenigen Tagen sterben würde.
Es kommt zum finalen Showdown zwischen Luka und dem Mogoherrscher,
der sich wie weiland Darth Vader als Lukas' Vater entpuppt.
Einmal Chop Suey, bitte!
Die verwendeten Zutaten in dieser
Erzählung sind doch etwas bekannter. Der Kampf zwischen
Gut und Böse, gleichzeitig zwischen Sohn und Vater, erinnert
an Star Wars. Auch die Ausbildung der Xi-Ling könnte man
mit den Jedi vergleichen. Beide sind ethisch geschulte Kämpfer
mit speziellen (übersinnlichen) Fähigkeiten. Und die
Namensgebung Luka ist vielleicht ein Tribut an den amerikanischen
Markt. Denn so richtig asiatisch erscheint Luka nicht gerade.
Und die Xi-Lingschule erinnert dann doch etwas an Hogwarts. Da
taucht ein gutmütiger bärtiger Riese auf und allerlei
magisches Getier haust im Gemäuer. Dennoch wäre es
vermessen, Chens Roman als blosses Plagiat zu bezeichnen. Denn
da sind Unterschiede vorhanden. Wie es sich für einen Eastern
gehört, ist Kung-Fu nicht wegzudenken. Und im Gegensatz
zu Hogwarts sind keine Frauen in der Xi-Lingschule anzutreffen.
Obwohl natürlich Luka sein Herz verloren hat und er seine
patriotische ,Prinzesin' (die nebenbei eine Manufaktur der Mogo
abgefackelt hat) am Ende vor dem Tode retten kann. Das war mit
Luke ,Himmelsläufer' doch etwas anders. Und natürlich
werden buddhistische Versatzstücke zur ethischen Erziehung
Luka verwendet. Deshalb ist "Meister Atami und der kleine
Mönch" nicht nur eine asiatische Textur über angelsächsischem
Stoff. Es verbindet beide ,Stoffwelten' zu einem sehr unterhaltsamen
Muster, das mehr als blosses Patchwork ist.
Die Sprache ist ebenso ein besonderes Merkmal. Der Autor beschreibt
seine Geschichte meist in sehr kurzen oder unkomplizierten Sätzen
(das die Übersetzerin sehr gekonnt übertragen hat).
Es tauchen keine ellenlangen Adjekitvlisten auf.
Die Kürze hat aber auch einen Nachteil, denn es handelt
sich zu einem gewissen Teil auch um einen Entwicklungsroman.
Nur dass Luka relativ schnell altert, wird nicht ganz so deutlich
klar.
Trotzdem sollte sich jeder, der einmal eine etwas andere Fantasy
lesen will, diesen Roman besorgen.
328 Seiten, CHF 16.50
www.bibliotheka-phantastika.de/autoren/autorchen.htm
www.piper.de/web/home.html
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