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Henning Mankell: "Vor dem Frost"
(Krimi) | dtv
Die Toten zwinkern nicht
Henning Mankells Kurt Wallander ist
einer der sympathischsten und zugleich bedauernswertesten Kommissare
der Krimiliteratur. Doch in Wallanders jüngstem Fall können
wir mal aus anderer Perspektive einen Blick auf ihn werfen, denn
es hat ein Generationenwechsel stattgefunden: Seine Tochter Linda,
eine angehende Polizistin, hat nun die Fäden in der Hand.
Mit "Vor dem Frost" ist Mankell wieder ein hochspannender
Krimi gelungen - wenn auch mit einigen Schwächen -
der nicht aus der Hand zu legen ist.
Von Petra Gehrmann.
Wer sich schon einmal einen Mankell-Krimi
zu Gemüte geführt hat, der weiss genau, dass Mankell
sich jedes Mal ein politisch mehr oder weniger brisantes Thema
als Handlungsrahmen aussucht. Da gab es die Lage in Südafrika,
Nazis und die Ausländerthematik in Schweden, Osteuropa und
anderes. Gewöhnlich lässt sich sagen, dass die Romane
umso besser sind, je weniger er moralisiert, denn das tut er
immer, und je mehr die Handlung sich in Schweden abspielt. Tja,
beide Kriterien sind bei diesem Roman erfüllt.
"Aaldunkel"
Brennende Schwäne sind der Auftakt
zu einer Serie brutaler Tiermorde. Nach einiger Zeit kommen Kommissar
Wallander und seine Leute dahinter, dass sich hinter den Anschlägen
eine fanatische religiöse Sekte verbergen muss. Doch im
Sommer 2001 als Linda Wallander nach Ystad zurückkehrt,
um im Revier ihres Vaters den Dienst als Polizistin anzutreten,
geschieht noch mehr. Als erstes verschwindet Anna, die während
ihrer Schulzeit ihre beste Freundin war und die sie jetzt wieder
getroffen hat. Doch die ehemalig so nahe Freundin scheint nicht
mehr die zu sein, die sie mal war. Und dann verschwindet noch
eine weitere Frau und jene wird nicht mehr lebend wieder gefunden.
Offiziell noch keine Polizistin, beginnt Linda auf eigene Faust
zu ermitteln und befindet sich bald in grösster Gefahr,
denn auf ihrem Weg macht die religiöse Sekte auch vor Menschenopfer
nicht halt.
Die nächste Generation
Indem Mankell Wallanders Tochter
in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, eröffnen sich
zwar neue Perspektiven, doch für einen Fan von Wallander
ist es hart, dass man ihn nur noch als zweite Geige spielen sieht.
Denn Linda ist zwar ihrem Vater sehr ähnlich, sie ist launisch
und hartnäckig, aber dennoch anders, unter anderem erscheint
sie wesentlich emotionaler. Die neuen Perspektiven sind aber
auch zugleich der Grund für die Schwächen des Romans.
Denn das Einführen einer neuen Hauptfigur benötig viel
Zeit, eine grosser Anteil an Retrospektiven, soll doch die Psyche
des Protagonisten eingeführt werden. Dadurch kommt dann
die allgemeine Polizei- und Ermittlungsarbeit und der
zu lösenden Fall zu kurz. Es scheint sich zeitweise
mehr Psychogramm als Krimi zu handeln.
"Gott hat gefordert"
Trotz seiner Schwächen hält
"Vor dem Frost" auch wieder tolle Figuren, eine triste
Atmosphäre und einen spannenden Plot bereit. Auch wenn der
Krimi nicht an Mankells Werke wie die "Die Rückkehr
des Tanzlehrers" herankommt, handelt es sich dennoch, abgesehen
von einigen Längen, um einen mehr als gelungen Krimi. Auch
das Thema des Romans besticht durch seine Aktualität: Sektenmechanismen
und der Versuch die Mentalität von Attentäter zu durchdringen,
ist faszinierend, wenn auch nicht immer ganz gelungen. Ebenso,
dass Mankell hier geschickt mit Erwartungen spielt. Wer den Begriff
religiöser Fanatismus automatisch mit dem Islam verbindet,
wird eine Überraschung erleben. Fans von Mankell wird es
auch freuen, dass der geniale Stephan Lind, bekannt aus "Die
Rückkehr des Tanzlehrer" in Ystad auftauchen wird.
Wie immer spannend bis zur letzten Seite.
Man darf gespannt sein auf den nächsten Linda Wallander
Krimi, der hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.
519 S. CHF 19.00
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Zum Autor
Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen,
ist einer der angesehensten und meistgelesenen Schriftsteller
in Schweden. Seit Ende der sechziger Jahre ist er als Autor,
Theaterregisseur und Intendant tätig. Allein in Deutschland
erreicht die Gesamtauflage seiner Bücher mittlerweile 11
Millionen. Seine Bücher wurden bisher in über 20
Sprachen übersetzt. Für sein umfangreiches Werk erhielt
Mankell zahlreiche Preise, u.a. von der Schwedischen Akademie
für Kriminalliteratur, den Deutschen Jugendbuchpreis (1993),
den Astrid-Lindgren-Preis (1996), die Corinne 2001 und 2002 sowie
den Deutschen Bücherpreis (2003). Henning Mankell lebt in
Maputo, Mosambique, wo er das Teatro Avenida leitet. Mehrere
der Wallander-Romane wurden verfilmt.
Quelle: dtv
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