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Frank Goyke: "Der Geselle des Knochenhauers"
(Krimi) | Die Hanse
Spannender historischer Krimi
Als in einer öffentlichen Badestube
ein fremder Geschäftsmann ermordet wird, steht der Rat der
Stadt Hildesheim vor einem Rätsel. Der Konsul Tile Brandis
nimmt die Ermittlungen auf. Doch am nächsten Tag stirbt
ein weiteres Opfer und bald darauf geschieht noch ein Mord. Haben
die drei Untaten etwas mit einander zu tun? Mit Hilfe eines Mönchs,
eines Novizen und eines Wandergesellen deckt der Konsul die Hintergründe
der Verbrechen auf.
Von Claudia Wehrli.
Gleich zu Beginn wird der Leser auch in die
Geschichte des Jakob Findelkind eingeweiht: er arbeitet als Geselle
bei seinem Ziehvater, dem Knochenhauer (Metzger) Klingenbiel.
Dieser hat den Jungen nicht adoptiert, sondern nur aufgezogen,
da man nichts über die Eltern des Jungen wusste. Jakob ist
in seine Meisterin verliebt und sie schürt seinen Liebeswahn
noch zusätzlich weil sie weiss, dass sie bald alles von
ihm verlangen kann. Jakob träumt davon, selbst Meister zu
werden, doch als Findelkind, ohne Geld, Bürgerrecht und
Ansehen hat er keine Chance, diesen Traum je verwirklichen zu
können. Ausser er würde Marie Klingenbiel, seine Meisterin
heiraten
Verbrechensaufklärung oder Wahrung
der eigenen Interessen?
Konsul Brandis, der die Mordfälle aufzuklären versucht,
erhält Hilfe von einem Mönch und einem Novizen des
nahe gelegenen Klosters. Der Mönch wurde vom Stellvertreter
des Bischofs beauftragt, Beweise dafür zu finden, dass die
Lutheraner für die Morde verantwortlich waren. In den Nachbarstädten
wurden Klöster aufgelöst und der Kirchenbesitz der
Stadt zugesprochen, das kann der Stellvertreter Fannemann auf
keinen Fall auch für "seine" Diözese zulassen!
Die Frage, ob Hildesheim lutherisch werden soll oder nicht, schwebt
denn auch immer im Raum und das Tauziehen um die Konfession der
Stadt spielt immer wieder in den Haupterzählstrang hinein.
Pater Eusebius, ein weit gereister, kluger Mann, glaubt jedoch
nicht an die Schuld der Lutheraner und bald ist auch sein Interesse
den wahren Täter zu finden so gross, dass er trotz Anweisung
zur Geheimhaltung mit Tile Brandis zusammen arbeitet.
Spannung bis zum Schluss
Der Leser weiss von Anfang an, dass der Geselle Jakob seinen
Meister, sowie auch dessen Tochter auf dem Gewissen hat und dass
Marie die Meisterin ein falsches Spiel mit dem Gesellen treibt,
um selbst zu so viel Reichtum wie möglich zu kommen. Doch
das Rätsel, wer den fremden Kaufmann ermordet hat, kann
der Leser nicht selbst lösen. Man bekommt keinerlei Hinweise
auf das Motiv oder den möglichen Täter, auch wenn in
der Geschichte genug zwielichtige Figuren auftauchen. Einerseits
gibt das dem Leser die Gelegenheit, den Fall aus der Sicht des
Konsul Brandis sozusagen "live" mitzuverfolgen, anderseits
werden Hobbydetektive dabei nicht auf ihre Kosten kommen.
Alles in allem ein spannender Krimi aus der
Serie "Hansekrimi". Das Buch liest sich flüssig
und macht Lust auf mehr und für geschichtlich interessierte
Leser bietet das Buch einen spannenden Einblick ins 16. Jahrhundert
und die Zeit der deutschen Reformation.
264 Seiten, CHF 18.10
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Zum Autor
Frank Goyke, 1961 in Rostock geboren.
Von 1983 bis 1988 Studium der Theaterwissenschaft in Leipzig.
Tätigkeiten als Redakteur und Lektor in Berlin. Von 1991
bis 1996 Dramaturg an einem Berliner Off-Theater. Seit 1997 freier
Schriftsteller, Lektor und Herausgeber in Berlin. Er veröffentlichte
bereits 15 Kriminalromane, zuletzt "Hexentanz" (1997),
"Getreu bis in den Tod" (2000) und "Heldenschlacht"
(2001). Sein Roman "Dummer Junge, toter Junge" wurde
1996 mit dem "Marlowe" der Raymond-Chandler-Gesellschaft
als bester deutschsprachiger Kriminalroman ausgezeichnet.
Quelle: Europäischer Verlagsanstalt
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