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Zoran Drvenkar: "Du bist zu schnell"
(Thriller) | dtv
Die Tote im Badezimmer
Dieser Thriller ist Wahnsinn pur:
Nicht nur weil die Protagonistin mit dem Wahnsinn zu kämpfen
hat, sondern auch weil der Leser vor Spannung alles um sich rum
vergisst. Wer Zoran Drvenkars Thriller gelesen hat, den wird
künftig Mankell und King kalt lassen.
Von Stephan Sigg.
Val sieht seit ihrer Jugend etwas, das keiner
sieht: Die Schnellen. Und diese wollen etwas von ihr. Um was
es sich dabei handelt, weiss die Studentin nicht. Als ihre Jugendfreundin
sie besucht, schlagen die Schnellen zu: Val kehrt in ihre Wohnung
zurück und findet die Freundin tot im Badezimmer auf. Im
Spiegel prangt die düstere Botschaft: "Wo bist du gewesen?"
Mit der Leiche im Kofferraum
Bevor Val einen klaren Gedanken fassen
kann, steht ihr Freund vor der Tür und bekommt Wind von
der Katastrophe. Er weiss, dass Val schon lange mit psychischen
Problemen zu kämpfen hatte. Aber trotzdem gelingt es ihr
ihm alles so glaubwürdig zu schildern, dass auch er an die
"Schnellen" zu glauben beginnt. Und so wird die Leiche
gewaschen und in Mareks Kofferraum gepackt. Das Pärchen
macht sich auf die Reise nach Norddeutschland, um den Lebensgefährten
der ermordeten Freund persönlich über den Todesfall
zu informieren. Dabei verfolgt Val ein anderes Ziel: Sie will
den Schnellen auf die Spur kommen und ihnen das Handwerk legen.
Nur das ist nicht so einfach: Die Schnellen sind viel schneller
als die "normalen" Menschen. Theo und Marek werden
immer unsicherer, ob die Schnellen bloss ein Hirngespinst von
Val oder doch real sind. In Theos einsamen, tiefverschneiten
Landhaus gerät die Situation dann total ausser Kontrolle.
Eiskalte Schauer
Zugegeben, der Plot klingt ein bisschen
nach jenen Hollywood-Schocker à la "Scream"
oder "I know what you did last summer". Aber das ist
Drvenkars Thriller bei weitem nicht. Der gebbürtige Kroate
lässt einem eiskalte Schauer den Rücken hinunterfliessen.
Selbst Thrillererprobten bleibt das Herz stehen. Fans von Stephen
King oder Henning Mankell kommen voll auf ihre Kosten. Ähnlich
wie King schafft auch Drvenkar eine dichte Atmosphäre, die
einem immer wieder den Atem stocken lässt. Was der Autor
dem Leser psychisch antut, ist richtig gemein. "Du bist
zu schnell" ist kein Buch für zwischendurch, sondern
man muss sich gleich einen ganzen Nachmittag, wenn nicht einen
ganzen Tag dafür Zeit nehmen. Denn einmal angefangen, lassen
einem die "Schnellen" nicht mehr los. Auch wenn man
sich immer wieder ermahnt, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben
und sich nicht in den Sog der Protagonistin ziehen zu lassen,
wird man mitgerissen. Man ist hin und hergerissen zwischen der
psychischkranken Val und ihren skeptischen Freunden Marek und
Theo. Wer sagt die Wahrheit? Wer oder was hat Vals Freundin umgebracht?
Gehört einer von ihnen selber zu den "Schnellen"?
Befindet sich der Mörder gar unter den drei Freunden? Gebannt
liest man Seite für Seite und fragt sich, wie der Autor
die ganze Geschichte am Schluss auflöst. Man erfährt
es erst am Schluss. Und dann ist es alles auf einmal wieder ganz
einfach und logisch.
295 Seiten, CHF 15.90
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Zum Autor
Zoran Drvenkar wurde 1967 in Krizevci/Kroatien
geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach
Berlin. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller. Für
seine Romane, Gedichte, Theaterstücke und Kurzgeschichten
wurde er mit zahlreichen Literaturstipendien und Preisen ausgezeichnet.
Drvenkar lebt in Berlin.
Quelle: dtv
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