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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zoran Drvenkar: "Du bist zu schnell" (Thriller) | dtv
Die Tote im Badezimmer

Dieser Thriller ist Wahnsinn pur: Nicht nur weil die Protagonistin mit dem Wahnsinn zu kämpfen hat, sondern auch weil der Leser vor Spannung alles um sich rum vergisst. Wer Zoran Drvenkars Thriller gelesen hat, den wird künftig Mankell und King kalt lassen.

Von Stephan Sigg.

Val sieht seit ihrer Jugend etwas, das keiner sieht: Die Schnellen. Und diese wollen etwas von ihr. Um was es sich dabei handelt, weiss die Studentin nicht. Als ihre Jugendfreundin sie besucht, schlagen die Schnellen zu: Val kehrt in ihre Wohnung zurück und findet die Freundin tot im Badezimmer auf. Im Spiegel prangt die düstere Botschaft: "Wo bist du gewesen?"

Mit der Leiche im Kofferraum
Bevor Val einen klaren Gedanken fassen kann, steht ihr Freund vor der Tür und bekommt Wind von der Katastrophe. Er weiss, dass Val schon lange mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Aber trotzdem gelingt es ihr ihm alles so glaubwürdig zu schildern, dass auch er an die "Schnellen" zu glauben beginnt. Und so wird die Leiche gewaschen und in Mareks Kofferraum gepackt. Das Pärchen macht sich auf die Reise nach Norddeutschland, um den Lebensgefährten der ermordeten Freund persönlich über den Todesfall zu informieren. Dabei verfolgt Val ein anderes Ziel: Sie will den Schnellen auf die Spur kommen und ihnen das Handwerk legen. Nur das ist nicht so einfach: Die Schnellen sind viel schneller als die "normalen" Menschen. Theo und Marek werden immer unsicherer, ob die Schnellen bloss ein Hirngespinst von Val oder doch real sind. In Theos einsamen, tiefverschneiten Landhaus gerät die Situation dann total ausser Kontrolle.

Eiskalte Schauer
Zugegeben, der Plot klingt ein bisschen nach jenen Hollywood-Schocker à la "Scream" oder "I know what you did last summer". Aber das ist Drvenkars Thriller bei weitem nicht. Der gebbürtige Kroate lässt einem eiskalte Schauer den Rücken hinunterfliessen. Selbst Thrillererprobten bleibt das Herz stehen. Fans von Stephen King oder Henning Mankell kommen voll auf ihre Kosten. Ähnlich wie King schafft auch Drvenkar eine dichte Atmosphäre, die einem immer wieder den Atem stocken lässt. Was der Autor dem Leser psychisch antut, ist richtig gemein. "Du bist zu schnell" ist kein Buch für zwischendurch, sondern man muss sich gleich einen ganzen Nachmittag, wenn nicht einen ganzen Tag dafür Zeit nehmen. Denn einmal angefangen, lassen einem die "Schnellen" nicht mehr los. Auch wenn man sich immer wieder ermahnt, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und sich nicht in den Sog der Protagonistin ziehen zu lassen, wird man mitgerissen. Man ist hin und hergerissen zwischen der psychischkranken Val und ihren skeptischen Freunden Marek und Theo. Wer sagt die Wahrheit? Wer oder was hat Vals Freundin umgebracht? Gehört einer von ihnen selber zu den "Schnellen"? Befindet sich der Mörder gar unter den drei Freunden? Gebannt liest man Seite für Seite und fragt sich, wie der Autor die ganze Geschichte am Schluss auflöst. Man erfährt es erst am Schluss. Und dann ist es alles auf einmal wieder ganz einfach und logisch.

295 Seiten, CHF 15.90

Zum Autor

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Krizevci/Kroatien geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller. Für seine Romane, Gedichte, Theaterstücke und Kurzgeschichten wurde er mit zahlreichen Literaturstipendien und Preisen ausgezeichnet. Drvenkar lebt in Berlin.

Quelle: dtv


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