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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hanna Johansen: "Über den Himmel" (Erzählband) | Deutscher Taschenbuch Verlag
Mit Kinderaugen das Firmament betrachten

War die Erde einst eine Scheibe? Gibt es den Mann im Mond wirklich? Können Sterne vom Himmel fallen? Hanna Johansen beantwortet diese und viele andere Fragen zum Himmel und den Gestirnen eindeutig mit ja und bringt so mit ihren zwölf märchenhaften Geschichten nicht nur Kinder zum Staunen und Träumen.

Von Sabrina Glanzmann.

Als Kind hat man viele Fragen zur Welt. Warum sieht die Erde so aus und nicht anders, warum gibt es den Himmel und die Sterne, was geschieht auf dem Mond und was war eigentlich am Anfang von allem, am Anfang unserer Zeit? Nicht, dass sich die Erwachsenen diese Fragen nicht mehr stellen würden, verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen beschäftigen sich schliesslich nicht vergebens tagtäglich damit. Da der kindlich-naiven Neugier aber wohl eher schlecht mit geologischen oder hochphilosophischen Erklärungsversuchen begegnet werden kann, bedienen sich wohl nicht wenige verzweifelte Eltern seit Generationen einer wunderbaren "Erfindung": Märchen und ähnliche Erzählungen liefern nicht Tatsachen, aber sie stillen den Wissensdurst auf charmante, faszinierende Art und Weise. Irgendwann wird man zwar enttäuscht feststellen, dass der Himmel in manchen Nächten nicht sternenlos ist, weil Sterne tatsächlich vom Himmel fallen, aber die Faszination an mystischen, märchenhaften Geschichten bleibt bei vielen Erwachsenen hangen. So auch bei Hanna Johanson, die diese Thematik rund um den Himmel und seine Gestirne aufgreift und damit kein Kinderbuch geschrieben hat, sondern ein Buch für alle, die wider allen Fakten an Wunderbares glauben möchten oder es insgeheim vielleicht sogar tun.

Sterntaler und Mondschafe
Da wäre zum Beispiel die Geschichte von einem armen, elternlosen Mädchen, das "voller Gottvertrauen" ist und deshalb alles und auch sein allerletztes Hemd an andere Bedürftige verschenkt. Und so kommt es, dass eines Nachts plötzlich die Sterne vom Himmel fallen; das unermessliche Gottvertrauen des Mädchens und sein selbstloses Handeln brachten die Sterne zum Fallen. Die Sterne werden zu Goldstücken, was bedeutet, dass das arme Mädchen fortan vermögend und reich ist. Was dem Mädchen darauf so alles passiert und wie die Sterne - wenn überhaupt - wieder an den Himmel kommen, soll nicht verraten werden. Auch nicht verraten wird hier, was das einzige schwarze Schaf auf Erden alles zu meistern hat, bis es merkt, dass es gar nicht so ein Aussenseiter ist, wie es immer geglaubt hat und welche Begegnung es mit dem Mond hat, der immer in Eile ist, aus Angst, in der Nacht zu spät am Himmel anzukommen.

Himmlische Sprache
Die zwölf "Märchen und Klagen", so der Untertitel des Buches, erzählen ihre Geschichten in einer Sprache, die weiter geht als übliche und bekannte "Es war einmal"- oder "Und wenn sie nicht gestorben sind"-Konstruktionen, ohne aber ganz auf liebliches und (scheinbar) einfaches Märchenvokabular zu verzichten. Sehr sorgfältig sind die Geschichten aufgebaut und kein Wort scheint zufällig an seinen Platz geraten zu sein, weshalb die phantastischen Geschichten mit einer solchen Selbstverständlichkeit daher kommen, dass man Gefahr läuft, fast wieder an den Mann im Mond zu glauben.

Die mehrfach ausgezeichnete Hanna Johansen (sie erhielt unter anderem den Solothurner Literaturpreis 2003 für ihr Gesamtwerk, siehe auch Weblink) lässt einen wieder einmal durch Kinderaugen schauen - eine grosse Leistung.

164 Seiten, CHF 16.80

www.kat.ch/bm/solo8a.htm (Portrait von Hanna Johansen)

Zur Autorin

Hanna Johansen, am 17. Juni 1939 in Bremen geboren, verbrachte nach dem Studium der Germanistik, Altphilologie und Pädagogik zwei Jahre in den USA, bevor sie sich 1969 in Zürich niederließ. Sie schreibt seit 1974, angeregt von ihren eigenen Kindern, Texte für Kinder und seit 1977 auch für Erwachsene. Neben den Kinderbüchern verschafften Hanna Johansen vor allem ihre Romane und Erzählungen Anerkennung. Ihr Werk wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. 1993 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis. Sie lebt seit 1972 in Kilchberg bei Zürich.

Quelle: dtv


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