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Hanna Johansen: "Über den Himmel"
(Erzählband) | Deutscher Taschenbuch Verlag
Mit Kinderaugen das Firmament betrachten
War die Erde einst eine Scheibe? Gibt
es den Mann im Mond wirklich? Können Sterne vom Himmel fallen?
Hanna Johansen beantwortet diese und viele andere Fragen zum
Himmel und den Gestirnen eindeutig mit ja und bringt so mit ihren
zwölf märchenhaften Geschichten nicht nur Kinder zum
Staunen und Träumen.
Von Sabrina Glanzmann.
Als Kind hat man viele Fragen zur Welt. Warum
sieht die Erde so aus und nicht anders, warum gibt es den Himmel
und die Sterne, was geschieht auf dem Mond und was war eigentlich
am Anfang von allem, am Anfang unserer Zeit? Nicht, dass sich
die Erwachsenen diese Fragen nicht mehr stellen würden,
verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen beschäftigen
sich schliesslich nicht vergebens tagtäglich damit. Da der
kindlich-naiven Neugier aber wohl eher schlecht mit geologischen
oder hochphilosophischen Erklärungsversuchen begegnet werden
kann, bedienen sich wohl nicht wenige verzweifelte Eltern seit
Generationen einer wunderbaren "Erfindung": Märchen
und ähnliche Erzählungen liefern nicht Tatsachen, aber
sie stillen den Wissensdurst auf charmante, faszinierende Art
und Weise. Irgendwann wird man zwar enttäuscht feststellen,
dass der Himmel in manchen Nächten nicht sternenlos ist,
weil Sterne tatsächlich vom Himmel fallen, aber die Faszination
an mystischen, märchenhaften Geschichten bleibt bei vielen
Erwachsenen hangen. So auch bei Hanna Johanson, die diese Thematik
rund um den Himmel und seine Gestirne aufgreift und damit kein
Kinderbuch geschrieben hat, sondern ein Buch für alle, die
wider allen Fakten an Wunderbares glauben möchten oder es
insgeheim vielleicht sogar tun.
Sterntaler und Mondschafe
Da wäre zum Beispiel die Geschichte von einem armen, elternlosen
Mädchen, das "voller Gottvertrauen" ist und deshalb
alles und auch sein allerletztes Hemd an andere Bedürftige
verschenkt. Und so kommt es, dass eines Nachts plötzlich
die Sterne vom Himmel fallen; das unermessliche Gottvertrauen
des Mädchens und sein selbstloses Handeln brachten die Sterne
zum Fallen. Die Sterne werden zu Goldstücken, was bedeutet,
dass das arme Mädchen fortan vermögend und reich ist.
Was dem Mädchen darauf so alles passiert und wie die Sterne
- wenn überhaupt - wieder an den Himmel kommen,
soll nicht verraten werden. Auch nicht verraten wird hier, was
das einzige schwarze Schaf auf Erden alles zu meistern hat, bis
es merkt, dass es gar nicht so ein Aussenseiter ist, wie es immer
geglaubt hat und welche Begegnung es mit dem Mond hat, der immer
in Eile ist, aus Angst, in der Nacht zu spät am Himmel anzukommen.
Himmlische Sprache
Die zwölf "Märchen und Klagen", so der Untertitel
des Buches, erzählen ihre Geschichten in einer Sprache,
die weiter geht als übliche und bekannte "Es war einmal"-
oder "Und wenn sie nicht gestorben sind"-Konstruktionen,
ohne aber ganz auf liebliches und (scheinbar) einfaches Märchenvokabular
zu verzichten. Sehr sorgfältig sind die Geschichten aufgebaut
und kein Wort scheint zufällig an seinen Platz geraten zu
sein, weshalb die phantastischen Geschichten mit einer solchen
Selbstverständlichkeit daher kommen, dass man Gefahr läuft,
fast wieder an den Mann im Mond zu glauben.
Die mehrfach ausgezeichnete Hanna Johansen
(sie erhielt unter anderem den Solothurner Literaturpreis 2003
für ihr Gesamtwerk, siehe auch Weblink) lässt einen
wieder einmal durch Kinderaugen schauen - eine grosse Leistung.
164 Seiten, CHF 16.80
www.kat.ch/bm/solo8a.htm (Portrait von Hanna Johansen)
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Zur Autorin
Hanna Johansen, am 17. Juni 1939 in Bremen
geboren, verbrachte nach dem Studium der Germanistik, Altphilologie
und Pädagogik zwei Jahre in den USA, bevor sie sich 1969
in Zürich niederließ. Sie schreibt seit 1974, angeregt
von ihren eigenen Kindern, Texte für Kinder und seit 1977
auch für Erwachsene. Neben den Kinderbüchern verschafften
Hanna Johansen vor allem ihre Romane und Erzählungen Anerkennung.
Ihr Werk wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. 1993
mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis. Sie lebt seit 1972 in Kilchberg
bei Zürich.
Quelle: dtv
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