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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gert Hofmann: "Zur Phänomenologie des Snobs" (Erzählungen) | Hanser
Jeder sein eigener Snob

Gesellschaftsmensch oder Snob? Das ist in den Erzählungen von Gert Hofmann die Frage. Nach seiner Analyse des Snobsimus wird klar: meist sind es von Hofmann herrlich in Szene gesetzte Snobs.

Von Sandra Despont.

Die mehr oder weniger versnobten Protagonisten von Hofmanns Erzählungen sind fast alle unter den (Pseudo)Intellektuellen und (Möchtegern)Künstlern zu finden. Alle glauben sie, ein bisschen anders, ein bisschen besser, ein bisschen gescheiter und respektabler zu sein als alle anderen.

Mrs. Old Family und Mrs. New Rich
In kleinen erzählerischen Miniaturen berichtet Gert Hofmann von den snobistischen Anwandlungen von Komponisten, Bierstudenten und sich selbst. Herzstück des Erzählbandes ist aber eine Analyse des Snobismus hier und anderswo, gestern und heute. Dem "homme du monde" wird der Gesellschaftssnob gegenübergestellt, der ganz aus Imitation und in der Hoffnung auf gesellschaftlichen Aufstieg lebt. Urteilslos, ignorant und dabei ständig bemüht, sich von der grossen Masse zu unterschieden und sich Geltung in der gesellschaftlichen Welt zu verschaffen. Mit amüsanten Beispielen und feinem Witz führt Hofmann in die Welt des Snobismus ein, indem er die Wortbedeutung früher und heute, auch und immer wieder anhand von literarischen Texten illustriert. Wie sich die Ausprägungen des Snobismus je nach Land und gesellschaftlichen Voraussetzungen unterscheiden, zeigt er am Knigge der Emily Post. Die gute Gesellschaft wird dort von Mrs. Old Family repräsentiert, während Mrs. New Rich ein Parvenu und potentieller Snob ist. Obwohl der klassische Snob zusammen mit der guten Gesellschaft verschwunden ist, gibt es natürlich auch heute noch Snobismus. Nur hat er sich sozusagen demokratisiert, oder, wie Hofmann sagt: "Jeder hat das Recht, sein eigener Snob zu sein.

Überzeugender Essayist
Letztlich findet sich in fast allen der hier versammelten kurzen Erzählungen Hofmanns das Motiv des Snobismus. Dies ist allerdings vor der Lektüre des essayartigen Dialogs "Leben aus zweiter Hand" etwa in der Mitte des Bandes nicht wirklich deutlich, so dass man als Hofmann-unerfahrener Leser zuerst etwas hilflos vor den banalen, wenn auch mit feinem Witz ausgestatteten und genau beobachteten Erzählungen steht. Auch nach der Lektüre des gesamten Bandes bleiben die eindrücklichsten Leseerlebnisse die Texte über Snobismus, über Henry James und Jorge Castillo, in denen der Schriftsteller sich sprachlich brillant dem Thema widmet und die Künstler auf knappem Raum überzeugend würdigt und sich dabei nicht scheut, klar Stellung zu beziehen. Auch wer mit dem Erzähler Hofmann nicht warm wird: der Essayist überzeugt auf ganzer Linie!

146 Seiten, CHF 27.20


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