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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Patricia Highsmith: "Katzen" (Stories, Gedichte, Essay) | Diogenes
Mörderische Büsis

"Ich mag Katzen, weil sie anmutig und leise und dekorativ sind", schreibt Patricia Highsmith in einem Essay. In ihrer Phantasie können sie aber auch mal mehr, sogar bei einem Mord können sie ihre Pfötchen im Spiel haben.

Von Lukas Hunziker.

Es dauert eine Weile, bis die vier Scrabblespieler erkennen, was der Kater Bill in die Wohnung geschleppt hat: zwei menschliche Finger. Nach einem ersten Schock beginnen sich die vier, zwei Männer, eine Frau und ein Mädchen, erste Detektivfragen zu stellen. Könnten die Finger von einem Unfallort stammen oder muss von einem Mord ausgegangen werden? Wer ist der Tote? Könnte der Ehering einen Hinweis auf seine Identität geben? Eines jedoch können die vier ausschliessen: die Katze war nicht in den Mord verwickelt - ganz im Gegensatz zur zweiten Geschichte. In dieser rettet nämlich nur eine Reihe von Zufällen die Katze Ming vor den bösen Absichten des Freundes ihres Frauchens, bis Ming sich zu einem Kampf auf Leben und Tod mit diesem gezwungen sieht. Ebenfalls als Mörder wird die Katze Puss-Puss in der dritten Geschichte ins Haus von Edith und Charles geholt. Deren Haus wird nämlich von einem unheimlich und blitzschnellen Tier heimgesucht, welches Edith das 'Yuma' nennt, und die Katze soll ihm den Garaus machen.

Patricia Highsmith bei Diogenes

Bei Diogenes erscheint seit Frühling 2002 eine Werkausgabe von Patricia Highsmith, mit ihren neu übersetzten bekannten Büchern, aber auch mit bisher unveröffentlichten Stories. Alle Bände werden nach den Originaltexten durchgesehen und mit einem Nachwort versehen. Die Gesamtausgabe soll 32 Bände umfassen.

Gelungene Auswahl
Die drei kurzen Katzengeschichten stammen aus drei verschiedenen Kurzgeschichtenbänden Highsmiths. Alle drei sind Musterbeispiele für das Erzähltalent der Autorin; aus einer scheinbar alltäglichen und unspektakulären Situation wird eine unterhaltsame Geschichte gemacht. Dreimal wird es spannend, dreimal ist es lustig, dreimal hat man das Gefühl, eine tolle Erzählung gelesen zu haben. Auch der abgedruckte Essay von Highsmith über die Rolle von Katzen in ihrem Leben ist sehr kurzweilig und amüsant. Kaum sensationell sind dagegen die drei unveröffentlichten Gedichte, deren bisherige Anonymität der Leser nicht gross bedauert. Süss hingegen sind die sieben Zeichnungen von Katzen, welche das Büchlein zieren, alle ebenfalls aus der Hand Highsmiths.

"Katzen" versammelt sieben Texte und sieben Zeichnungen der berühmten Autorin zu einem idealen Geschenkbüchlein, nicht nur für Katzenliebhaber.

146 Seiten, CHF 21.90

Zur Autorin

Foto: Simone Sassen, Diogenes-Archiv
Patricia Highsmith, geboren am 19.1.1921 in Fort Worth (Texas), gestorben am 4.2.1995 in Locarno (Tessin), begraben in Tegna (Tessin). Mit acht Jahren entdeckte Patricia Highsmith in Karl Menningers psychiatrischer Studie "The Human Mind" die Abgründe der menschlichen Seele und damit eines ihrer späteren Themen. Schreibtalent zeigte sie dann im College, wo sie das "Barnard Quarterly" herausgab und eigene Erzählungen »mit Zeichnungen der Autorin« abdruckte. Sie wollte Schriftstellerin oder Malerin werden, vor allem aber »ein eigenes Zimmer haben, weit weg von zu Hause«. Superman kam ihr zu Hilfe: Sie fand einen Job als Texterin für die Abenteuer des Comic-Helden. Und dann half Hitchcock: Zehn Tage nach Erscheinen ihres ersten Romans erwarb er für 6800 $ die Filmrechte an "Zwei Fremde im Zug" und machte Patricia Highsmith weltberühmt. Sie war die »Dichterin der unbestimmbaren Beklemmung«, wie Graham Greene sie nannte, keine Kriminalautorin. Identität, Lug und Trug, das Unvermeidbare des Bösen und die Unmöglichkeit der Liebe waren die Themen ihrer Bücher, in denen nie nach Schuldigen gesucht wird oder nach Indizien.

Quelle: Diogenes


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