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Andrej Kurkow: "Die letzte Liebe des
Präsidenten" (Roman) | Diogenes
Tagebuch des Präsidenten
In seinem neuen Roman beschreibt Andrej
Kurkow das Leben des ukrainischen Präsidenten. Nicht seine
Amtsführung stehen im Zentrum der liebevollen, detailgetreuen
Erzählung. Vielmehr dreht sich die Geschichte um private,
skurille und humorvolle Kuriosa und Anekdoten aus drei Lebensabschnitten
des Politikers.
Von Thomas Iseli.
Sergej Stepanowitsch ist Präsident der
Ukraine und Protagonist des neuen Romans von Andrej Kurkow. In
Häppchen von 2 bis 3 Seiten springt Kurkow zwischen drei
Lebensabschnitten des mächtigsten Mannes des grössten
Rivalen von Russland. In seiner Jugendzeit in den frühen
Neunzigern machte er wertvolle Erfahrungen, die ihn später
näher bringen. Seine Härte demonstriert er beim Eisschwimmen
(was er später auch bei Präsident Putin unter Beweis
stellen kann), das ihn bei den Mädchen beliebt macht. Er
heiratet früh und lässt sich kurz darauf wieder scheiden.
Sender im Herz
Schliesslich heiratet er die Schwester
der Frau seines schizophrenen Bruders. Als Präsident hat
es der höchste Ukrainer nicht leicht. Dass ihm sein Sofa
aus dem Arbeitszimmer gestohlen wurde, ist noch das kleinste
Problem: ihm wurde kürzlich ein Herz verpflanzt und es stellt
sich heraus, dass seine politischen Gegner dieses mit einem Sender
versehen habe, um alles im Umfeld des Präsidenten abzuhören.
Stepanowitsch ist einsam und lebt mit einem kleinen Umfeld von
Beratern und Stabschefs, deren Namen er teilweise nicht einmal
weiss. Privates Glück bleibt ihm vergönnt, er zieht
gnadenlos Bilanz über sein Leben, das gegen Ende der Geschichte
eine interessante Wende erfährt.
Tagebuchstil
In seinem Roman vereint Kurkow drei
Lebensabschnitte im Tagebuchstil. Der Roman ist mehr als nur
eine Geschichte, sie dokumentiert das gesamte Leben von Stepanowitsch
und schafft mit seiner grotesken Situationen manchen Lacher.
Er demonstriert mit seinem schwarzen Humor das Leben in Russland
und den Übergang in die postsowjetische Gesellschaft. Einmal
angefangen, möchte man das Buch am liebsten nicht mehr aus
der Hand legen. Die Tagebucheinträge sind frisch, direkt
und kommen ohne grosse Umschweife zur Sache. Für Schweizer
Leser bietet Kurkow ein besonderer Leckerbissen. Ein Teil der
Geschichte spielt in Zürich und Leukerbad. Hier merkt man,
wie gekonnt und genau der in Kiew lebende Kurkow recherchiert.
In einer Szene liest sein Protagonist sogar ein Buch von Martin
Suter.
Kurkow in der Schweiz
Vor "Die letzte Liebe des Präsidenten"
hat Kurkow vier Romane veröffentlicht. Das Sprachtalent
- er studierte Fremdsprachen in Kiew und spricht heute elf
Sprachen - weilte Mitte Oktober in Uzwil/St. Gallen und las
in Deutsch aus seinem neuen Roman. Nach Gelegenheitsjobs als
Kameramann, Redaktor und Gefängniswärter wurde der
1961 geborene Schriftsteller Verfasser von Drehbüchern und
Dokumentarfilmen. Er gilt als das Talent in der russischen Literatur.
Vom Guardian wird er bezeichnet als "einer der interessantesten
russischsprachigen Schriftsteller, die heute leben."
704 Seiten, CHF 39.90
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Zum Autor
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Foto: Marc S. Hadas, Diogenes-Archiv |
Andrej Kurkow wurde am 23.4.1961 in St.
Petersburg (Leningrad) geboren, lebt aber seit seiner Kindheit
in Kiew. Schon als Siebzehnjähriger wurde er mit seinen
Kurzgeschichten zum Vorlesen bei Hochzeiten und anderen Festen
eingeladen. Er absolvierte das Kiewer Fremdspracheninstitut (neben
Englisch und Japanisch spricht er noch 9 weitere Sprachen) und
wollte Diplomat werden, was ihm aber mangels Beziehungen nicht
gelang. Als Student hatte er eine Kakteenzucht mit einigen hundert
verschiedenen Pflanzen - die ihm aber alle eingingen, als
er sich verliebte. Nach dem Studium arbeitete er kurz als Herausgeber
einer Ingenieurszeitschrift, bis er den Chefredakteur bei einem
Plagiat erwischte. Es folgte der Militärdienst, den er als
Gefängniswärter im Gefängnis von Odessa ableistete.
Danach wurde er Kameramann und begann, Drehbücher zu schreiben.
Seit 1996 ist er freier Mitarbeiter bei Radio und Fernsehen und
freier Schriftsteller. Nach seinen Drehbüchern wurden bisher
17 Filme gedreht, neben vielen Erzählungen, die in Literaturzeitschriften
abgedruckt waren, hat er bisher 4 Kinderbücher und 4 Romane
veröffentlicht.
Quelle: Diogenes
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