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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kerstin Cantz: "Die Hebamme" (Roman) | Diana Verlag
Zwei Frauen und das größte Geheimnis der Menschheit

Im Marburg des Jahres 1799 lässt die Wahlspanierin Kerstin Cantz zwei Frauen aufeinander treffen: Die angesehene Hebamme Elgin und die junge Hebammenschülerin Gesa.

Von Magdalena Pfaffl.

Seit Jahrtausenden war die Geburtshilfe Sache der Frauen alleine, doch am Ende des 18. Jahrhunderts beginnt in Mitteleuropa der Vorstoß männlicher Ärzte in das intimste aller weiblichen Geheimnisse. Die Journalistin und Redakteurin Kerstin Cantz wählte dieses spannende Umfeld für ihren ersten historischen Roman "Die Hebamme". Sie zeichnet zwei Frauenschicksale - gleich in Wünschen und Moralvorstellungen, aber getrennt durch die Zeiten - an der Klippe zum Absturz:

Elgin und Gesa...
Gesa ist wegen eines neuen Gesetzes nach Marburg gekommen, dass allen künftigen Hebammen vorschreibt, eine Prüfung vor männlichen Ärzten ablegen zu müssen. Dazu ist Gesa aus ihrem Heimatdorf, wo sie auf althergebrachte Weise das Hebammenkunstwerk als Lehrtochter gelernt hat, in das "Haus am Grün", Gebärhaus für unehelich Schwangere und Forschungsanstalt, in Marburg angereist. Dort erwartet sie eine neue, schockierende Welt, in der das Wohlbefinden der Schwangeren und Wöchnerinnen vollkommen unter die Lehre gestellt wird. Trotzdem gibt Gesa ihre Wünsche und Träume nicht auf und arbeitet fieberhaft an ihrem Examen. Elgin ist die Tochter eines Wiener Arztes, die das Hebammenhandwerk an der Universität zwischen männlichen Studenten gelernt hat. Sie führt das vielleicht unabhängigste Leben, dass einer Bürgerin Ende des 18. Jahrhunderts möglich ist und ist obendrein in der hohen Gesellschaft Marburgs hoch angesehen; die Frauen vertrauen ihr.

... vor dem Abgrund
Doch während Gesa ihr Einsatz für das Wohl der Schwangeren und ihre Neugierde zum Verhängnis zu werden droht, unterhält Elgin eine gefährliche und potenziell verhängnisvolle Beziehung zu dem verlobten Apothekersohn Lambert. Die Atmosphäre prickelt vor Erotik und Gefahr, wenn Cantz ihre Treffen schildert. Für Elgin und Lambert scheint es keinen Ausweg aus dem Inferno zu geben. Und dann ist da auch noch die hochschwangere Frau, die kurz vor der Geburt aus dem Haus am Grün ausbricht um ihr Kind unter Elgins Hilfe in einer Scheune zur Welt zu bringen. Als das Kind kurz darauf verschwunden ist, wirft man ihr Kindsmord vor ... Unterdessen greift jedoch Gesa immer beherzter ein, wenn die Doktoren schwangere Frauen wie Schlachtvieh und Forschungsobjekte behandeln. Ein Eingreifen, dass für sie die Verbannung aus dem Institut ohne Abschluss bedeuten kann.

Knisternde Spannung und tiefes Gefühl
Cantz' Erstlingswerk ist auf ganzer Breite gelungen. Selten fällt es so schwer, ein Buch wieder aus der Hand zu legen; Cantz fesselt und bewegt. Durch gezieltes, aber problemlos verständliches Fachvokabular versteht sie es besonders gut, die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts zu untermalen und bringt weiters eine Menge guter Recherche mit ein. Eine unterhaltsame Lektüre mit Tiefgang!

415 Seiten, CHF 35.00

Zur Autorin

Kerstin Cantz wurde 1958 in Potsdam geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach dem Publizistik-Studium arbeitete sie als freie Journalistin, war Redakteurin bei einem privaten Fernsehsender und schrieb Drehbücher. "Die Hebamme" ist ihr erster historischer Roman. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Spanien.

Quelle: Diana Verlag


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