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Kerstin Cantz: "Die Hebamme" (Roman)
| Diana Verlag
Zwei Frauen und das größte Geheimnis der
Menschheit
Im Marburg des Jahres 1799 lässt
die Wahlspanierin Kerstin Cantz zwei Frauen aufeinander treffen:
Die angesehene Hebamme Elgin und die junge Hebammenschülerin
Gesa.
Von Magdalena Pfaffl.
Seit Jahrtausenden war die Geburtshilfe Sache
der Frauen alleine, doch am Ende des 18. Jahrhunderts beginnt
in Mitteleuropa der Vorstoß männlicher Ärzte
in das intimste aller weiblichen Geheimnisse. Die Journalistin
und Redakteurin Kerstin Cantz wählte dieses spannende Umfeld
für ihren ersten historischen Roman "Die Hebamme".
Sie zeichnet zwei Frauenschicksale - gleich in Wünschen
und Moralvorstellungen, aber getrennt durch die Zeiten -
an der Klippe zum Absturz:
Elgin und Gesa...
Gesa ist wegen eines neuen Gesetzes nach Marburg gekommen, dass
allen künftigen Hebammen vorschreibt, eine Prüfung
vor männlichen Ärzten ablegen zu müssen. Dazu
ist Gesa aus ihrem Heimatdorf, wo sie auf althergebrachte Weise
das Hebammenkunstwerk als Lehrtochter gelernt hat, in das "Haus
am Grün", Gebärhaus für unehelich Schwangere
und Forschungsanstalt, in Marburg angereist. Dort erwartet sie
eine neue, schockierende Welt, in der das Wohlbefinden der Schwangeren
und Wöchnerinnen vollkommen unter die Lehre gestellt wird.
Trotzdem gibt Gesa ihre Wünsche und Träume nicht auf
und arbeitet fieberhaft an ihrem Examen. Elgin ist die Tochter
eines Wiener Arztes, die das Hebammenhandwerk an der Universität
zwischen männlichen Studenten gelernt hat. Sie führt
das vielleicht unabhängigste Leben, dass einer Bürgerin
Ende des 18. Jahrhunderts möglich ist und ist obendrein
in der hohen Gesellschaft Marburgs hoch angesehen; die Frauen
vertrauen ihr.
... vor dem Abgrund
Doch während Gesa ihr Einsatz
für das Wohl der Schwangeren und ihre Neugierde zum Verhängnis
zu werden droht, unterhält Elgin eine gefährliche und
potenziell verhängnisvolle Beziehung zu dem verlobten Apothekersohn
Lambert. Die Atmosphäre prickelt vor Erotik und Gefahr,
wenn Cantz ihre Treffen schildert. Für Elgin und Lambert
scheint es keinen Ausweg aus dem Inferno zu geben. Und dann ist
da auch noch die hochschwangere Frau, die kurz vor der Geburt
aus dem Haus am Grün ausbricht um ihr Kind unter Elgins
Hilfe in einer Scheune zur Welt zu bringen. Als das Kind kurz
darauf verschwunden ist, wirft man ihr Kindsmord vor ... Unterdessen
greift jedoch Gesa immer beherzter ein, wenn die Doktoren schwangere
Frauen wie Schlachtvieh und Forschungsobjekte behandeln. Ein
Eingreifen, dass für sie die Verbannung aus dem Institut
ohne Abschluss bedeuten kann.
Knisternde Spannung und tiefes Gefühl
Cantz' Erstlingswerk ist auf ganzer Breite gelungen. Selten fällt
es so schwer, ein Buch wieder aus der Hand zu legen; Cantz fesselt
und bewegt. Durch gezieltes, aber problemlos verständliches
Fachvokabular versteht sie es besonders gut, die Atmosphäre
des 18. Jahrhunderts zu untermalen und bringt weiters eine Menge
guter Recherche mit ein. Eine unterhaltsame Lektüre mit
Tiefgang!
415 Seiten, CHF 35.00
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Zur Autorin
Kerstin Cantz wurde 1958 in Potsdam geboren
und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach dem Publizistik-Studium arbeitete
sie als freie Journalistin, war Redakteurin bei einem privaten
Fernsehsender und schrieb Drehbücher. "Die Hebamme"
ist ihr erster historischer Roman. Heute lebt sie mit ihrer Familie
in Spanien.
Quelle: Diana Verlag
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