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Nr. 137 / November 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ohrwurm
Zurückgespult
 

Do they know it isn't Christmas time at all?!

Von Sonja Valentino.

Ich konnte es nicht fassen, als ich bereits zu Beginn des Monats Oktober die ersten Christbaumkugeln in den Verkaufsregalen der frequentiertesten Einkaufshäuser sah. Glitzernd bunt lagen sie da in ihren bruchsicheren Verpackungen und beschworen bei mir mulmige Gefühle von "Festlichkeit" und "Besinnung" herauf.

Ich weiss nicht mehr genau, wann es passierte, aber irgendwann zwischen dem 15. und dem 17. Lebensjahr fand ich es nicht mehr so toll, diese ganze Plackerei mit der Beschaffung von den richtigen Geschenken, dem Fressgelage und dem Nettsein. Von den Familiendramen ganz zu schweigen. Denn irgendwie weint immer irgendwer. Mal die Kleinste, weil die Barbie nicht von Mattel ist, sondern irgend so eine billige Schlampenimitation ohne bewegliche Gelenke, mal die Mittlere, weil sie partout das einstudierte Lied nicht vortragen will. Oder die Mutter, weil keine Weihnachtsstimmung aufkommen will. Der Grossvater weint, weil die Grossmutter tot ist, die Cousine, weil sie nicht bei ihrem Freund ist Und wenn die Wurzeln des Stammbaums, Dio mio!, bis nach Süditalien reichen, dann rechne man bitte doch das Ganze noch hoch zwei, vor allem den Geräuschpegel.

Doch was mir noch viel mehr Unbehagen bereitet als die Erinnerungen an all die beklemmenden Festtagsmomente, ist das Weihnachtliedermedley, das sich in meinem Kopf beim blossen Anblick der Weihnachtsdekoration, ganz automatisch abspielt. Ich kann nichts dagegen tun. Alle kommen sie, die Kinder, und läuten unter den grünen Blättern des Tannenbaums, während sie die soeben entsprungene Ros` zertrampeln, die Glocken, dass man den Schnee gar nicht mehr rieseln hört. Wo er's doch so leise tut. Und dann alles von vorn, aber diesmal in English, please! Vielleicht etwas poppiger mit George, ohne Herz, dafür mit pinkenen Stulpen. Oder dem andern Michael mitsamt Weltverbesserungskonsortium. Bäh!

Ich habe keine Ahnung wie ich diesem "feierlichen" Jukebox-Treiben in meinem Kopf Einhalt gebieten soll. Zumal ich keinen Einfluss auf die Wahl der Lieder nehmen kann. Schläge auf den werten Schädel helfen leider auch nicht viel, ausser dass sich die Anordnung der Songs ändert. Und da ich eh nicht so auf die Random-Funktion stehe, schon gar nicht, wenn sie dermassen starke Schmerzen bereitet, lass ich es bleiben. Das mit dem Hauen und meinem Kopf. Lieber gehe ich dem ganzen Weihnachtsschmuck, solange er sich noch nicht flechtenartig und flächendeckend über Stadt und Land ausgebreitet hat, aus dem Weg und bewahr mir so die innere Ruhe.

Und sowieso, im Februar steht ja bereits wieder Ostern vor der Tür. Ein Fest, soviel ich weiss, ohne Lieder, die mir auf die Eier gehen könnten. Halleluja.


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