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Do they know it isn't Christmas time at all?!
Von Sonja Valentino.
Ich konnte es nicht fassen, als ich bereits
zu Beginn des Monats Oktober die ersten Christbaumkugeln in den
Verkaufsregalen der frequentiertesten Einkaufshäuser sah.
Glitzernd bunt lagen sie da in ihren bruchsicheren Verpackungen
und beschworen bei mir mulmige Gefühle von "Festlichkeit"
und "Besinnung" herauf.
Ich weiss nicht mehr genau, wann es passierte,
aber irgendwann zwischen dem 15. und dem 17. Lebensjahr fand
ich es nicht mehr so toll, diese ganze Plackerei mit der Beschaffung
von den richtigen Geschenken, dem Fressgelage und dem Nettsein.
Von den Familiendramen ganz zu schweigen. Denn irgendwie weint
immer irgendwer. Mal die Kleinste, weil die Barbie nicht von
Mattel ist, sondern irgend so eine billige Schlampenimitation
ohne bewegliche Gelenke, mal die Mittlere, weil sie partout das
einstudierte Lied nicht vortragen will. Oder die Mutter, weil
keine Weihnachtsstimmung aufkommen will. Der Grossvater weint,
weil die Grossmutter tot ist, die Cousine, weil sie nicht bei
ihrem Freund ist Und wenn die Wurzeln des Stammbaums, Dio mio!,
bis nach Süditalien reichen, dann rechne man bitte doch
das Ganze noch hoch zwei, vor allem den Geräuschpegel.
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Doch was mir noch viel mehr Unbehagen
bereitet als die Erinnerungen an all die beklemmenden Festtagsmomente,
ist das Weihnachtliedermedley, das sich in meinem Kopf beim blossen
Anblick der Weihnachtsdekoration, ganz automatisch abspielt.
Ich kann nichts dagegen tun. Alle kommen sie, die Kinder, und
läuten unter den grünen Blättern des Tannenbaums,
während sie die soeben entsprungene Ros` zertrampeln, die
Glocken, dass man den Schnee gar nicht mehr rieseln hört.
Wo er's doch so leise tut. Und dann alles von vorn, aber diesmal
in English, please! Vielleicht etwas poppiger mit George, ohne
Herz, dafür mit pinkenen Stulpen. Oder dem andern Michael
mitsamt Weltverbesserungskonsortium. Bäh!
Ich habe keine Ahnung wie ich diesem "feierlichen"
Jukebox-Treiben in meinem Kopf Einhalt gebieten soll. Zumal ich
keinen Einfluss auf die Wahl der Lieder nehmen kann. Schläge
auf den werten Schädel helfen leider auch nicht viel, ausser
dass sich die Anordnung der Songs ändert. Und da ich eh
nicht so auf die Random-Funktion stehe, schon gar nicht, wenn
sie dermassen starke Schmerzen bereitet, lass ich es bleiben.
Das mit dem Hauen und meinem Kopf. Lieber gehe ich dem ganzen
Weihnachtsschmuck, solange er sich noch nicht flechtenartig und
flächendeckend über Stadt und Land ausgebreitet hat,
aus dem Weg und bewahr mir so die innere Ruhe.
Und sowieso, im Februar steht ja bereits wieder
Ostern vor der Tür. Ein Fest, soviel ich weiss, ohne Lieder,
die mir auf die Eier gehen könnten. Halleluja.
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