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Internet-Radioshows
Ein guter Draht zur Musik
Nach "Soul" sucht man in der
virtuellen Internet-Welt von Bits & Bytes vergeblich, könnte
man meinen. Damit würde man allerdings ziemlich daneben
liegen. Die "Soulsearching-Show" etwa beweist, dass
auch Musik aus dem Online-Radio das Herz erwärmen kann.
Von Adrian Wettstein.
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Begnügen sich nicht mit zugesandten
Promos: Dom Servini und Gilles Peterson (r.) |
Es gibt Songs, die kann man nicht oder
nicht mehr mit Geld erwerben. Man weiss zwar, dass sie existieren,
aber kein Plattenladen oder Online-Store ist in der Lage, sie
aufzutreiben. Ein solcher Track, den ich nur noch in der Erinnerung
wieder hören kann, ist "People That I Love" von
John Ellis. Es war der Auftakt zu einer Soulsearching-Show von
Michael Rütten, die via Internet über die Boxen ertönte.
Häufig sind die Anfänge der wöchentlichen Show
so wunderschön und entspannt - die Neubearbeitung von Oliver
Nelsons "Stolen Moments" etwa wäre die ideale
Begleitmusik gewesen, um Nordlichter zu beobachten. Was dann
folgt, sind zwei Stunden Musik, eine Auswahl aus Jazz, Soul,
Funk, R&B und Electronic.
Das Internet hat seit den 90er-Jahren unseren
Alltag so stark verändert, wie es kaum vorauszusehen war.
Auch unsere Hörgewohnheiten wurden durch das Netz geprägt.
Der erste Song, der auf MTV gezeigt wurde, hiess "Video
Killed The Radio Star" und markierte in den 80ern eine Wende.
Im beginnenden 21. Jahrhundert könnte man das wohl fortschreiben
als "Internet Killed The Video Star". Waren früher
die Standard-Formate durch die CD und die 3 Minuten Radio-Version
gesetzt, sind der iPod-Generation viel grössere Spielräume
gegeben. Neben dem MP3-Format ist es vor allem das Streaming,
das neue Möglichkeiten eröffnet. Zahlreiche Rundfunkanstalten
bieten ihr Programm mittlerweile auch als Live-Stream im Internet
an. Andere stellen nur ausgewählte Sendungen als On-demand-Stream
zur Verfügung; so kann man z.B. die Regional-News von Radio
DRS jederzeit auf der ganzen Welt abspielen. Und als Podcast
lassen sich die Sendungen sogar auf den iPod laden und können
dann im Zug oder sonstwo abgehört werden.
Neben den traditionellen Rundfunkanstalten
schiessen neue Anbieter von Internet-Radios wie Popups aus dem
Netz. Es gibt solche, die den ganzen Tag wie die staatlichen
Radios ähnlich uninspiriert vor sich hindudeln, andere Programme
spezialisieren sich auf einen Musikstil, bis hin zu den Musikliebhabern,
die als Hobby ein Webradio betreiben.
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Journalist und DJ Michael Rütten |
Wie das mit neuen Möglichkeiten
so ist, garantieren sie noch keineswegs, dass daraus auch etwas
Gutes gemacht wird. Im Falle der Webradios gibt es aber einiges
Hörenswertes, das gegenüber dem klassischen Rundfunk
mehr als nur eine Alternative ist. Da ist etwa die oben erwähnte
Soulsearching-Show von Michael Rütten, zu finden auf der
Plattform von milkaudio.com. Michael Rütten ist ein alter
Hase, der bei Radio X in Frankfurt seine ersten Erfahrungen gesammelt
hat, enge Kontakte zum Compost Label pflegt und sich nebenbei
noch bei der Musikzeitschrift JazzThing journalistisch betätigt.
Zudem ist er von DJs wie Gilles Peterson oder Norman Jay von
dem Virus infiziert, ständig nach neuen Platten Ausschau
zu halten und sich nicht mit zugesandten Promos zu begnügen
- ähnlich etwa wie der Münchner Florian Keller mit
seiner beeindruckenden Sammlung von Deep Funk-Vinyls. So kommt
es, dass man in dieser Show manchmal auch Songs hört, die
es nicht zu kaufen gibt - White Labels, Testpressungen und vergriffene
Perlen. Kommt dazu, dass da Sachen gespielt werden, die allein
schon wegen ihrer Länge niemals im klassischen Radio gesendet
würden - Fela Kuti etwa, Sun Ra, oder Nostalgia 77's "Hope
Suite". Daneben gibt es fast jede Woche ein exklusives Mixtape
von Musikern wie Jazzanova, Cinematic Orchestra, Kyoto Jazz Massive
usw.
Ein ähnliches Profil weist die Show "Speedy's
Audio Repair" von Dom Servini auf, die ca. eine Stunde dauert
und nur einmal pro Monat erscheint. Dom Servini ist beim Label
Wah Wah45 mit von der Partie (Veröffentlichungen von Alison
Crockett, Max Cole etc.) und schreibt für das Magazin Straight
no Chaser. Mit der "Konnichi Wah Wah"-Show findet man
übrigens auch einen Ableger desselben Labels auf der grössten
japanischen Electronic-Plattform samurai.fm.
Zum Schluss noch ein Tipp ganz anderer Art:
Wer am Sonntagmorgen aus Angst vor moderierenden Kindern und
Philipp Maloney jeden Radiokontakt meidet, der soll sein Glück
einmal mit Sunny Side Up versuchen, der Sonntagmorgenshow des
österreichischen Kult-Senders FM4. John Megill zaubert da
selbst den verkaterten Zuhörern ein Lächeln auf die
Lippen - zu hören zwischen 10 und13 Uhr via Internet.
www.milkaudio.com
www.soulpatrol.de
www.compost-rec.com
www.wahwah45s.com
www.samurai.fm
www.fm4.at
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