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"Da gfallt's mer" - mit Adrian Stern
im Wettinger Eigi
Back to the roots
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"Wenn ich vielleicht nicht gegrinst
hätte, stände jetzt im Tagi, ich sei arrogant" |
In einem malerischen Tal bei Wettingen
zeigt uns Adrian Stern, wo sein Vater aufgewachsen ist, wieso
er heute noch gerne hierher kommt und wieso er es beschissen
findet, nur am Wochenende auftreten zu können.
Von Philipp Albrecht und Sonja Valentino (Fotos).
Das Netzmagazin: Wo sind wir?
Adrian Stern: Wir sind hier im Eigi, in der
Nähe von Wettingen. Ich kenne den Ort von meinen Eltern.
Mein Vater ist auf dem Hof dort hinten (zeigt auf einen schönen,
einsamen Hof, siehe Bild) aufgewachsen. Er hat mir einige Geschichten
über das Leben auf dem Hof erzählt.
Wieso kommst du noch heute hierher?
Wenn ich in die Natur hinausgehe, zum Beispiel
um alleine zu sein, dann komme ich eigentlich immer hierher.
Früher an schönen Sonntagen machten wir mit der Mutter
hier Spaziergänge. Das war der einzige Ort, den wir als
Kinder akzeptiert haben, um zu spazieren, natürlich mit
der Bedingung, dass wir anschliessend im Café Bijou Vermicelles
essen gehen. Der Weg hier hat die perfekte Spazierlänge
und man bekommt die Jahreszeiten hier so gut mit.
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Harmoniebedürftig oder nicht?
Eine Frage des Betrachters. |
Holst du dir hier auch musikalische
Inspiration?
Ich habe besonders beim zweiten Album gemerkt,
dass du das Musik machen bis zu einem gewissen Grad forcieren
kannst, bis es einfach nicht mehr weiter geht. Und wenn ich dann
in der Natur bin, unter Anderem auch hier, dann beginnen die
Ideen zu kreisen und plötzlich weiss ich genau, wohin es
gehen soll. Der Song baut sich wie von selbst zusammen. Dann
ist die Arbeit schon fast wie von alleine gemacht.
Es fehlt ja ein bisschen die Tendenz in
der Schweiz, über Landschaften zu singen, obwohl wir ja
alle wissen, wie schön wir es hier haben. Womit hat das
wohl zu tun? Wieso singst du nicht über Landschaften?
(überlegt lange) Vielleicht würde
das in einen komischen Patriotismus verfallen, den ich selber
doof finde, wenn ich über bestimmte Orte singen und diese
auch beim Namen nennen würde. Plüsch haben sich getraut,
über Berge und den Schnee zu singen.
Aber ein bisschen zu klischeehaft...
Sehr klischeehaft. Aber das ist halt ihre
einfache Sprache.
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Hier ist Adrian Sterns Vater aufgewachsen:
einer der wenigen Höfe im Eigi |
Du wohnst gleich nebenan in Baden.
Und wenn du auf Tour gehst, was bedeutet, dass du dich innerhalb
der Deutschschweiz bewegst, dann fährst du ja nach jedem
Konzert wieder nach Hause zurück. Wie findest du das?
Ich find's total beschissen. Ich liebe es,
Lieder aufzunehmen, an ihnen herumzutüfteln, viel Zeit mit
ihnen zu verbringen. Dann kommt die CD raus und danach hast du
fast jedes Wochenende irgendwo "äs Konzertli".
Und dann unter der Woche musst du dich erst mal damit abfinden,
wieder zu warten und dir zu überlegen: Was ging schon wieder
daneben beim letzten Konzert... ach ja, ich brauch noch ein Kabel...
ich könnte ja heute Morgen noch schnell nach Niederlenz
raus fahren, um ein Kabel zu kaufen... und dann muss ich ja noch
auf die Post usw. Die ersten paar Wochen fühlte ich mich
total "vörig". Langsam habe ich mich aber damit
abgefunden und weiss jetzt meine Zeit zu nutzen. Ich hätte
fast noch ein Fachhochschulstudium begonnen. Das hab ich jetzt
aber auf nächstes Jahr verschoben.
Was denn?
Informatik.
Hoppla.
Etwas, das halt nichts mit Musik zu tun hat,
wo man dann sagen kann: Da verstehe ich etwas davon, "da
chum ich druus". Und sollte ich dann einen Job brauchen,
ist im Stellenanzeiger tatsächlich auch mal etwas gesucht,
was ich kann. Eine Jazzschule hilft dir da eben nicht weiter
(eine solche hat Adrian Stern in Luzern besucht und erfolgreich
bestanden, Anm. d. Red.).
Stimmt, das hat hierzulande keine Zukunft.
Aber es könnte doch so sein. Woran liegt es denn, dass man
in der Schweiz damit kein Geld verdienen kann?
Es hat halt schon mit der Grösse zu tun.
Die Schweiz ist klein, was sicher auch ein Vorteil sein kann,
zum Beispiel, dass so einer wie ich bei SonyBMG eine Platte machen
kann, aber handkehrum können nicht mal die, die es geschafft
haben, wie Patent Ochsner oder ZüriWest, davon leben.
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"Das war der einzige Ort, den
wir als Kinder akzeptiert haben." |
Wenn man die Leute auf dich anspricht,
heisst es fast immer: Ah, das ist der mit "Ha nur welle
wüsse.." und so. Den find ich u schön. Wie ist
das für dich, auf den einen Song reduziert zu werden, der
allen irgendwie gefällt, aber auch nicht mehr?
"Das isch mir gliich". Das kannst
du immer sagen bei Popmusik. Popmusik löst in vielen Leuten
nicht viel aus. Sie finden den Song ok und nicht mehr. Es gibt
aber auch solche, die in dem Song mehr entdecken, ein bisschen
von dem, der da singt und vielleicht sogar sich selbst. Aber
Popmusik will niemandem vormachen, sie sei sehr speziell.
Ich wollte übrigens den Song "Ha nur welle wüsse"
nicht als erste Single herausgeben. Es war der Wunsch der Plattenfirma.
Im Nachhinein musste ich aber eingestehen, dass die Radios logischerweise
diesen Song am ehesten spielen würden.
Inwiefern konntest du vom ersten Album
Erfahrungen mitnehmen, um es beim zweiten besser oder anders
zu machen. Wolltest du weitergehen oder einfach anders sein als
beim ersten Album?
Beim ersten Album haben wir alles nur zu dritt
eingespielt. Wir haben die Songs Punkrock-Trio-mässig eingespielt.
Ich wollte den Zuhörern irgendwie beweisen, dass ich im
Fall Gitarre spiele und nicht irgendein Pinup bin, das ein paar
"Liedli" trällert. Nach der Tour hatte ich dann
das Gefühl, ich hätte das - zumindest für mich
- genug bewiesen. Eine Erkenntnis war auch, dass die Leute, die
an meine Konzerte kamen, einfach einen schönen Abend mit
schönen Songs erleben wollten. Denen war das egal, was der
auf der Bühne beweisen wollte. So kam dann die Lust in mir
auf, Songs zu schreiben, die einen abgerundeten Konzertabend
garantieren, mit traurigen, schnellen und witzigen Songs.
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""Man bekommt die Jahreszeiten
hier so gut mit." |
Klingt ja so, als würde dir die
Plattenfirma - SonyBMG - nicht dreinreden, als hättest du
viel Entscheidungsfreiheit.
Sie sagen schon: Das gefällt uns, mach
doch mehr solche Songs. Aber die Platte, das bin ich, da ist
sehr viel von mir drauf. Man hört ja schon oft, dass - besonders
im Ausland - die so genannten Majorlabels immer genau wissen,
wie es tönen soll, und dass die Bands in ihrer musikalischen
Freiheit eingeschränkt sind. Aber ich hab das nicht so erlebt.
In einer Konzertkritik im Tages Anzeiger
hab ich gelesen, dass du mit einem Grinsen auf dem Gesicht auf
der Bühne stehst, das etwa sagt: Lasst uns eine schöne
Zeit zusammen verbringen. Bist du tatsächlich so harmoniebedürftig?
Das ist immer eine Frage des Betrachters.
Einer sieht's so, dass ein paar Leute ein bisschen mitsingen
und es ein bisschen schön haben, und andere sehen's so,
dass der Typ da auf der Bühne Spass macht, und dass der
Abend einfach geil ist. Bei der Tages-Anzeiger-Kritik hatte ich
das Gefühl, dass ich es ihm eh nicht hätte recht machen
können. Wenn ich vielleicht nicht gegrinst hätte, stände
jetzt im Tagi, ich sei arrogant. Aber was soll's, im Tagi steht
das so, dafür fand's vielleicht die NZZ oder das 20 Minuten
super.
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Was für ein Studium? - Informatik.
- Hoppla. |
20 Minuten findet doch alles super.
Nicht unbedingt. Die schreiben manchmal auch
Verrisse. Die wollten mich übrigens erst gar nicht bringen.
Nur das Week hat was über mich gemacht. Das 20 Minuten ist
eben Medienparter von Baschi und darum darf da nicht zuviel über
Adrian Stern drin stehen.
Gibt's eigentlich eine experimentelle Seite
an dir, die du gerne offen ausleben würdest?
In der Grundhaltung war ich eigentlich immer
einer, der sich gegen aufgesetzte Intellektualität in der
Musik gewehrt hat. Ich habe mir immer Mühe gegeben, verständlich
zu kommunizieren. Ich mag halt Musik, und ob jetzt diese sehr
speziell und abgehoben ist, mir aber "iifahrt" oder
halt voll leicht verdaulich ist, das ist mir egal. Aber eben:
Was man hört, ist das Eine, was man macht, das Andere. Ich
finde es wichtig, dass die Musik zu der Person passt, die sie
macht. Schlimm wäre, wenn die Leute sagen würden: "Er
versucht total wie Mick Jagger zu singen, aber sorry Stern, es
gibt ihn einfach schon. Vergiss es."
www.adrianstern.ch
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Das Album. "S' Blaue vom Himmel"
(SonyBMG)
Liebe und Alltag
Adrian Stern ist gereift. "S'Blaue
vom Himmel" ist voller, orchestraler und homogener ausgefallen
als das Debüt "Stern". In musikalischer Hinsicht
zumindest. Textlich befasst sich Stern erneut mit den unerklärlichen
Phänomenen des Alltags und der Liebe. Wie schwierig es ist,
solche Alltäglichkeiten in Popsongs zu verpacken, hört
man aber dem Album in keinster Weise an. Gleichzeitig verspielt
und leidenschaftlich bringt Adrian Stern nicht nur Mädchenherzen
zum Schmelzen, sondern auch sentimentale Männerherzen zum
schwelgen.
Daneben besingt er seine Freundin ("Immer scho Mal"),
beschimpft den depressiven Monat ("Hey Novämber")
und lässt auch mal rockige Kritik gegenüber seiner
Plattenfirma SonyBMG zu ("Das alles bruchts"). Herausragend
bleibt aber die erste Single "Alles was du wotsch"
mit der genialen wie simplen Textzeile: "Ich chönnt
mi haue aber s'tuet scho weh".
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