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Baldur's Gate (Rollenspiel)
Die leider vollendete Geschichte des Gotteskinds
Nur wenige Rollenspiele können ihnen
das Wasser reichen. Ihre Grafik mag veraltet sein, doch obwohl
Nachfolgespiele optisch um Welten weiter sind, fehlt Ihnen die
unschlagbare Story, der Charme der Charakteren und das gewisse
Etwas, das die zwei Vorgänger auch nach viermaligem Durchspielen
nicht langweilig werden liess. Die Rede ist von der Baldur's
Gate Reihe.
Von Lukas Hunziker.
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Viconia, eine Anwärterin für
eine Romanze mit dem Hauptcharakter |
1998 kam mit "Baldur's Gate"
ein Game auf den Markt, das den Beginn einer Reihe von Rollenspielen,
die in den "Vergessenen Reichen" angesiedelt sind,
markierte. Das Spiel wurde von mehreren Zeitschriften zum Spiel
des Jahres und Rollenspiel des Jahres gewählt und bis 2001
wurden 4 Millionen Exemplare des Spiels verkauft. Dabei war der
erste Teil der Baldurs Gate Saga im Vergleich mit "Baldur's
Gate 2: Die Schatten von Amn" wenig mehr ein kleiner Test
der Möglichkeiten. Die Liste mit Awards für die Fortsetzung
ist lang und für viele Rollenspielfans ist die Fortsetzung
der Geschichte des Gotteskinds bis heute ungeschlagen.
In "Baldur's Gate" startet man als
schwacher und junger Schützling des Gelehrten Gorion. Nach
dessen Ermordung ist man auf sich allein gestellt und kämpft
sich einen Weg zu einer nahen Handelsfeste, wo man die ersten
Reisegefährten trifft. Mit diesen und ein paar einfachen
Waffen verstärkt folgt man einer ersten Spur auf der Suche
nach dem Mörder seines Ziehvaters und wird langsam zum Gegenspieler
der verschwörerischen Machenschaften an der Schwertküste.
Durch zahlreiche Kämpfe und kleine Missionen wird man stärker
und reicher, bis man sich schliesslich nach Baldur's Gate, einer
grossen Stadt im Norden begibt, um dort die grausamen Pläne
des geheimnisvollen Sarevok zu vereiteln. Doch nicht nur der
Identität des Bösen ist man auf der Spur, sondern auch
seiner eigenen. Denn es gibt einen guten Grund, warum Sarevok
Gorion ermorden liess.
"Baldur's Gate 2" schliesst unmittelbar
an den Sieg über Sarevok an. Zusammen mit einigen seiner
Begleiter findet sich der Hauptcharakter in einem unterirdischen
Labor wieder, wo man vom geheimnisvollen Jon Irenicus gefangen
gehalten wurde. Nach erfolgreicher Flucht landet man in der Stadt
Atkatla, wo ein Gildenkrieg zwischen den Schattendieben und Vampiren
herrscht. Als erstes gilt es, 20'000 Goldstücke zu "verdienen"
um die Hilfe der Schattendiebe zu erkaufen, die einem Informationen
über Irenicus und Imoen, die entführte Schwester des
Hauptcharakters, versprechen. In mehreren Kapiteln folgt man
seinem geheimnisvollen Peiniger schliesslich bis ins Unterreich,
wo man endlich auf dessen grossen Geheimnis stösst. Schliesslich
kommt es zu einem epischen Endkampf in der Hölle, wo es
den bösen Hexenmeister zu vernichten gilt.
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So einfach wie die Story klingt ist sie nicht.
"Baldur's Gate 2" muss man sehr aufmerksam spielen,
wenn man alle Facetten der Geschichte begreifen will. In diversen
Traumsequenzen wird einem vorgeführt, was man erreichen
könnte, wenn man die göttliche Macht, die in einem
schlummert, benutzen würde. Philosophische Fragen muss man
ebenso beantworten wie zahlreiche Rätsel, und keine Antwort
bleibt ohne Konsequenzen. Die Story ist nicht nur sehr originell
und vielfältig, sie hat auch eine Tiefe, die wohl kaum ein
Computer- oder Konsolenspiel je erreicht hat. Der Hauptcharakter
hat eine Gesinnung, welcher er treu bleiben muss, und das Spiel
stellt diese immer wieder geschickt auf die Probe. Was die Story
ebenfalls enorm bereichert sind die NPC's, die Begleiter. Bis
zu fünf kann man in der Gruppe haben, und alle haben einen
eigenen, oft exzentrischen Charakter sowie ein Nebenquest. Sowohl
als weiblicher wie als männlicher Hauptcharakter kann man
eine Romanze mit einem Begleiter oder einer Begleiterin beginnen,
was zwar viele Gespräche bedeutet, aber auch sehr spannend
ist. Dazu kommen hunderte witzige Figuren, die man während
den Abenteuern antrifft, und jede von ihnen hat ein Nebenquest
auf Lager, von Botengängen bis zu Aufträgen, die das
Ermorden von Drachen beinhalten. Es ist beinahe unmöglich,
beim ersten Spiel gleich alle Quests zu finden, was ein zweites
und ein drittes Spiel ebenso spannend macht wie das erste.
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"Baldurs Gate 2" folgte das
Add-on "Baldur's Gate: Thron des Bhaal", in dem man
epische Kämpfe führen kann, mächtige Waffen führt
und sein Schicksal als Gotteskind erfüllt. Dann endet die
Story und kein "Baldur's Gate 3" kann einem über
das Ende des Abenteuers hinwegtrösten. Das nächste
Spiel, welches in den vergessenen Reichen spielte, war "Icewind
Dale 2", die Fortsetzung des nach "Baldur's Gate"
erschienenen "Icewind Dale". Trotz einiger guter Neuerungen
im Bereich Charaktererschaffung und Stufenanstieg bleibt das
Spiel jedoch weiter hinter den Baldur's Gate Spielen zurück.
Dann wurde "Neverwinter Nights" angekündigt, dem
die Awards schon lange vor der Veröffentlichung sicher waren.
Alles in 3D, modernste Grafik, zahlreiche Karten und Quests.
Doch auch "Neverwinter Nights" konnte
für viele Fans "Baldur's Gate 2" nicht das Wasser
reichen. Dafür gab es drei Hauptgründe: 1) Die Story
war etwas zu platt, 2) man kann nur einen Begleiter mitnehmen,
der sich nur mit Mühe effektvoll einsetzen lässt, 3)
trotz der tollen Grafik und den schönen Gebieten vermisste
man die statische, einfache Isoperspektive, die das Spielen so
wunderbar unkompliziert machte. Neue Technik ist schön und
gut, aber warum das Erfolgsrezept Hauptcharakter-und-5-NPCs-bestehen-in-Isoperspektive-gemeinsam-Abenteuer
einfach zum Altpapier stellen? Der Riesenerfolg von Neverwinter
Nights bescherte uns zwei offizielle Add-ons und viele downloadbare
Module. 2006 soll die Fortsetzung auf den Markt kommen.
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Auch von "Baldur's Gate 3" wird
immer wieder gemunkelt. Mal widerlegt jemand die Gerüchte,
es werde daran gearbeitet, dann werden sie wieder bekräftigt.
Doch selbst wenn daran gearbeitet würde, müsste man
wohl doch damit rechnen, dass es seinen grossen Vorgänger
nicht schlagen wird. Denn die Geschichte der Kinder Bhaals ist
aus, der "Thron des Bhaal" hat dafür gesorgt.
Und somit wird wohl "Baldur's Gate 2" ein Meilenstein
in der Rollenspielgeschichte werden, der vergessen wird. Es sei
denn Atari merkt eines Tages, dass man mit einer Neuauflage des
Klassikers die grosse Kohle machen könnte. Optisch auf den
neusten Stand bringen ohne die Eigenarten der Perspektive und
des Gameplays zu verändern, ein paar neue Gebiete, neue
NPCs, neue Klassen, Gegenstände und Quests. Da man die Kosten
für Storyentwicklung und für einen grossen Teil der
Programmierung sparen könnte, wären die Chancen auf
einen Flopp sehr gering. Und hunderttausende Fans würden
sich bedanken, nebst der ganzen Generation, die zu Zeiten von
"Baldur's Gate" noch in die Windeln gemacht haben.
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Bis dahin bleibt den Fans des Klassikers
wohl nur eines übrig: Die mehrere hundert Stunden, die man
vom Anfang des ersten Teils bis zum Ende von "Thron des
Bhaal" geniessen kann, einfach nochmals von vorne durchzuspielen.
Langweilig wird das nie. Und man hält sich für eine
eventuelle Fortsetzungssensation in Form.
www.planetbaldursgate.com
www.bg2.de
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