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Nr. 135 / September 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Manic Mansion
Baldur's Gate
 

Baldur's Gate (Rollenspiel)
Die leider vollendete Geschichte des Gotteskinds

Nur wenige Rollenspiele können ihnen das Wasser reichen. Ihre Grafik mag veraltet sein, doch obwohl Nachfolgespiele optisch um Welten weiter sind, fehlt Ihnen die unschlagbare Story, der Charme der Charakteren und das gewisse Etwas, das die zwei Vorgänger auch nach viermaligem Durchspielen nicht langweilig werden liess. Die Rede ist von der Baldur's Gate Reihe.

Von Lukas Hunziker.

Viconia, eine Anwärterin für eine Romanze mit dem Hauptcharakter
1998 kam mit "Baldur's Gate" ein Game auf den Markt, das den Beginn einer Reihe von Rollenspielen, die in den "Vergessenen Reichen" angesiedelt sind, markierte. Das Spiel wurde von mehreren Zeitschriften zum Spiel des Jahres und Rollenspiel des Jahres gewählt und bis 2001 wurden 4 Millionen Exemplare des Spiels verkauft. Dabei war der erste Teil der Baldurs Gate Saga im Vergleich mit "Baldur's Gate 2: Die Schatten von Amn" wenig mehr ein kleiner Test der Möglichkeiten. Die Liste mit Awards für die Fortsetzung ist lang und für viele Rollenspielfans ist die Fortsetzung der Geschichte des Gotteskinds bis heute ungeschlagen.

In "Baldur's Gate" startet man als schwacher und junger Schützling des Gelehrten Gorion. Nach dessen Ermordung ist man auf sich allein gestellt und kämpft sich einen Weg zu einer nahen Handelsfeste, wo man die ersten Reisegefährten trifft. Mit diesen und ein paar einfachen Waffen verstärkt folgt man einer ersten Spur auf der Suche nach dem Mörder seines Ziehvaters und wird langsam zum Gegenspieler der verschwörerischen Machenschaften an der Schwertküste. Durch zahlreiche Kämpfe und kleine Missionen wird man stärker und reicher, bis man sich schliesslich nach Baldur's Gate, einer grossen Stadt im Norden begibt, um dort die grausamen Pläne des geheimnisvollen Sarevok zu vereiteln. Doch nicht nur der Identität des Bösen ist man auf der Spur, sondern auch seiner eigenen. Denn es gibt einen guten Grund, warum Sarevok Gorion ermorden liess.

"Baldur's Gate 2" schliesst unmittelbar an den Sieg über Sarevok an. Zusammen mit einigen seiner Begleiter findet sich der Hauptcharakter in einem unterirdischen Labor wieder, wo man vom geheimnisvollen Jon Irenicus gefangen gehalten wurde. Nach erfolgreicher Flucht landet man in der Stadt Atkatla, wo ein Gildenkrieg zwischen den Schattendieben und Vampiren herrscht. Als erstes gilt es, 20'000 Goldstücke zu "verdienen" um die Hilfe der Schattendiebe zu erkaufen, die einem Informationen über Irenicus und Imoen, die entführte Schwester des Hauptcharakters, versprechen. In mehreren Kapiteln folgt man seinem geheimnisvollen Peiniger schliesslich bis ins Unterreich, wo man endlich auf dessen grossen Geheimnis stösst. Schliesslich kommt es zu einem epischen Endkampf in der Hölle, wo es den bösen Hexenmeister zu vernichten gilt.

So einfach wie die Story klingt ist sie nicht. "Baldur's Gate 2" muss man sehr aufmerksam spielen, wenn man alle Facetten der Geschichte begreifen will. In diversen Traumsequenzen wird einem vorgeführt, was man erreichen könnte, wenn man die göttliche Macht, die in einem schlummert, benutzen würde. Philosophische Fragen muss man ebenso beantworten wie zahlreiche Rätsel, und keine Antwort bleibt ohne Konsequenzen. Die Story ist nicht nur sehr originell und vielfältig, sie hat auch eine Tiefe, die wohl kaum ein Computer- oder Konsolenspiel je erreicht hat. Der Hauptcharakter hat eine Gesinnung, welcher er treu bleiben muss, und das Spiel stellt diese immer wieder geschickt auf die Probe. Was die Story ebenfalls enorm bereichert sind die NPC's, die Begleiter. Bis zu fünf kann man in der Gruppe haben, und alle haben einen eigenen, oft exzentrischen Charakter sowie ein Nebenquest. Sowohl als weiblicher wie als männlicher Hauptcharakter kann man eine Romanze mit einem Begleiter oder einer Begleiterin beginnen, was zwar viele Gespräche bedeutet, aber auch sehr spannend ist. Dazu kommen hunderte witzige Figuren, die man während den Abenteuern antrifft, und jede von ihnen hat ein Nebenquest auf Lager, von Botengängen bis zu Aufträgen, die das Ermorden von Drachen beinhalten. Es ist beinahe unmöglich, beim ersten Spiel gleich alle Quests zu finden, was ein zweites und ein drittes Spiel ebenso spannend macht wie das erste.

"Baldurs Gate 2" folgte das Add-on "Baldur's Gate: Thron des Bhaal", in dem man epische Kämpfe führen kann, mächtige Waffen führt und sein Schicksal als Gotteskind erfüllt. Dann endet die Story und kein "Baldur's Gate 3" kann einem über das Ende des Abenteuers hinwegtrösten. Das nächste Spiel, welches in den vergessenen Reichen spielte, war "Icewind Dale 2", die Fortsetzung des nach "Baldur's Gate" erschienenen "Icewind Dale". Trotz einiger guter Neuerungen im Bereich Charaktererschaffung und Stufenanstieg bleibt das Spiel jedoch weiter hinter den Baldur's Gate Spielen zurück. Dann wurde "Neverwinter Nights" angekündigt, dem die Awards schon lange vor der Veröffentlichung sicher waren. Alles in 3D, modernste Grafik, zahlreiche Karten und Quests.

Doch auch "Neverwinter Nights" konnte für viele Fans "Baldur's Gate 2" nicht das Wasser reichen. Dafür gab es drei Hauptgründe: 1) Die Story war etwas zu platt, 2) man kann nur einen Begleiter mitnehmen, der sich nur mit Mühe effektvoll einsetzen lässt, 3) trotz der tollen Grafik und den schönen Gebieten vermisste man die statische, einfache Isoperspektive, die das Spielen so wunderbar unkompliziert machte. Neue Technik ist schön und gut, aber warum das Erfolgsrezept Hauptcharakter-und-5-NPCs-bestehen-in-Isoperspektive-gemeinsam-Abenteuer einfach zum Altpapier stellen? Der Riesenerfolg von Neverwinter Nights bescherte uns zwei offizielle Add-ons und viele downloadbare Module. 2006 soll die Fortsetzung auf den Markt kommen.

Auch von "Baldur's Gate 3" wird immer wieder gemunkelt. Mal widerlegt jemand die Gerüchte, es werde daran gearbeitet, dann werden sie wieder bekräftigt. Doch selbst wenn daran gearbeitet würde, müsste man wohl doch damit rechnen, dass es seinen grossen Vorgänger nicht schlagen wird. Denn die Geschichte der Kinder Bhaals ist aus, der "Thron des Bhaal" hat dafür gesorgt. Und somit wird wohl "Baldur's Gate 2" ein Meilenstein in der Rollenspielgeschichte werden, der vergessen wird. Es sei denn Atari merkt eines Tages, dass man mit einer Neuauflage des Klassikers die grosse Kohle machen könnte. Optisch auf den neusten Stand bringen ohne die Eigenarten der Perspektive und des Gameplays zu verändern, ein paar neue Gebiete, neue NPCs, neue Klassen, Gegenstände und Quests. Da man die Kosten für Storyentwicklung und für einen grossen Teil der Programmierung sparen könnte, wären die Chancen auf einen Flopp sehr gering. Und hunderttausende Fans würden sich bedanken, nebst der ganzen Generation, die zu Zeiten von "Baldur's Gate" noch in die Windeln gemacht haben.

Bis dahin bleibt den Fans des Klassikers wohl nur eines übrig: Die mehrere hundert Stunden, die man vom Anfang des ersten Teils bis zum Ende von "Thron des Bhaal" geniessen kann, einfach nochmals von vorne durchzuspielen. Langweilig wird das nie. Und man hält sich für eine eventuelle Fortsetzungssensation in Form.

www.planetbaldursgate.com
www.bg2.de


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