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Nr. 135 / September 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Women are like clouds

Tania Kummer
Lisa hat ihre Beziehung zu Tim beendet - und steckt noch fest: Tim lässt sich gehen, will sie aber nicht gehen lassen. Rund um die Uhr meldet er sich, schreibt Briefe, ruft sie an, schreit zu ihrem Balkon hinauf. Er sucht nach einer Erklärung, die sie jetzt nicht bieten kann, und mit jeder seiner Bitten rückt sie weiter in ihr Schweigen hinein. Er macht sie nervös, nervöser als damals, als sie sich kennen gelernt haben. Sie kann nicht mehr schlafen und flüchtet in wache Nächte, deren Früchte die gelesenen Bücher sind, die sie ins Brockenhaus bringt. Mit jedem Buch gibt sie dort ein Stück ihrer bisherigen Überzeugung ab: In den Büchern, die sie im Laufe ihres Lebens gekauft und von diversen alten Wohnorten zu neuen geschleppt hat, steht die Liebe im Mittelpunkt und Lisa hat beschlossen, dass das in ihrem Leben nicht mehr so sein wird.
Da dreht sich an einem Konzert ein Mann zu ihr um und fragt: "May I have a cigarette?" Später stehen Lisa und Richard an der Bar und touchieren trunken unbedeutende Themen, bis Richard einen Satz aus dem Ärmel schüttelt, der sofort in Lisas Kopf hin- und herpendelt: "Women are like clouds and men are like trees." Sie will gehen, ihr letztes Tram nicht verpassen, Richard nicht vertraut werden lassen, da kniet er bereits am Boden, eine Rose zwischen den Zähnen, das ist ihr peinlich. "Please, stand up", zischt sie und lässt sich, bevor sie geht, Richards Nummer und zwei Tage später seine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen. Ihre Sehnsucht spricht bald Englisch, und sie ist sprachgewandter als Lisa: Wenn sie mit Richard in ihrem Schulenglisch zu reden versucht, lässt er ihr keine Zeit, um nach den richtigen Wörtern zu suchen oder zu umschreiben, küsst sie schnell und mit der Zeit liegen die unausgesprochenen Worte wie Klumpen in ihrem Magen. Es fühlt sie an wie vor kurzem, als Tim sie nicht ausreden liess, wenn sie ihm nicht nur erzählen wollte, wie sie sich in ihrem Job hocharbeitet, sondern auch, wie sehr sie sich darüber freut, dass ihre neue Rosensorte "Camilla" gedeiht. Die Sprache hat gewechselt, aber nicht ihr Eindruck, dass ihr keiner zuhören mag.
Seit sie sich von Richard getrennt hat, sind drei Jahre vergangen und noch immer sagt sie, dass sie nicht wisse, was in ihrem Leben besser wäre, wenn sie einen Partner hätte. Und wenn sie das sagt, dann hören die Leute richtig zu, mit Augen, die sie zu Schlitzen zusammengekniffen haben, mit spöttischem Zug um die Mundwinkel.


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