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Den dunkelorangen, bitte!
Wie bei keinem anderen Fisch kann man beim
Kauf von Lachs gehörig ins Fettnäpfchen treten. Je
nachdem, in welchen Gewässern dieser in seinen Jugendjahren
geschwommen ist, begeht man nämlich einen schrecklichen
Fauxpas, für welchen man körperliche Strafen einführen
sollte, oder eben nicht.
Von Lukas Hunziker.
Der Lachs war in unserer Familie seit jeher
ein heiliges Tier. Was man daran erkannte, dass er nur an Weihnachten
auf den Tisch kam. Er war neben den Geschenken immer das Schönste
an Weihnachten und beim Anblick des dunkelorangen zarten Lachses
auf meinem Brot konnte ich nachvollziehen, warum Jesus Fischer
geworden war. Mein Wissen über Lachs beschränkte sich
lange auf sein Aussehen und seinen Geschmack. Bis man mir eines
Tages sagte, es gäbe guten Lachs und bösen Lachs.
Die bösen Norweger
Na ja, also eigentlich sind alle Lachse
gut. Nicht nur zum Essen. Böse Lachse sind vielmehr diejenigen,
welche von bösen Leuten gefangen werden, oder eben nicht
gefangen, sondern abgeschöpft. Diese bösen Leute füttern
den Lachsen nämlich böses Futter, welches bewirkt,
dass diese sehr groß und sehr fett werden. Sie werden in
kleinen Fischzuchten gehalten, auf deren Boden sich die Exkremente
ansammeln und das Wasser verseuchen. Diese bösen Leute sind
in erster Linie die Norweger. Der größte Teil des
Zuchtlachses, den man in Migros und Coop kaufen kann, stammt
aus Norwegen, einem wunderschönen Land mit einer verabscheuenswürdigen
Fischpolitik. Norwegischer Lachs ist etwas vom Schlimmsten, das
man essen kann und ganz bestimmt der schlechteste Lachs auf dem
Markt.
Ungenießbar und gefährlich
Eigentlich sieht man es ihm schon
von weitem an. Er ist alles andere als dunkelorange, sondern
orangeweißlich, überzogen mit einer glänzenden
Schicht Fett, welches der Hauptbestandteil des norwegischen Lachsfleisches
sein dürfte. Vom Geschmack her bewegt sich norwegischer
Zuchtlachs irgendwo zwischen den trübweißen Resten
in der Bratpfanne nach dem Speck braten und eingeweichter Gelatine.
Zuchtlachs enthält Antibiotika, von denen jeder Lachs in
seinem trostlosen Farmleben 400 Gramm frisst, sowie Pestizide.
Zudem können Zuchtlachse Viren übertragen und somit,
glaubt man Pessimisten, zu einer Gefahr ähnlich BSE werden.
Da stellt sich die Frage: Was ist die Alternative?
Die romantische Alternative
Die Antwort ist klar wie Klärchen:
Wildlachs. Für diesen spricht zudem nicht nur, dass er frei
von Antibiotika und Pestiziden ist. Ein Wildlachs schmeckt viel
besser, ist fettärmer und war außerdem mal ein glücklicher
Fisch. Wildlachse werden in Alaska von gutmütigen Seebären,
die ihren Großkindern zu Weihnachten selbst geschnitzte
Holztiere schenken, gefangen. Von einem kleinen Schiff, das mit
Sonnenenergie fährt, werfen sie ihre Angeln ins Meer und
singen dazu mehrstimmig herzergreifende Lieder. Sie fangen ausschließlich
Lachse, denen man ansieht, dass sie ein glückliches, erfülltes
Leben hatten, streicheln jedem vor dem Tod liebenswürdig
über den Kopf und geben ihm einen Namen. Jeder Wildlachs
stirbt mit einem Lächeln auf dem Mund, da das Letzte, was
er sieht, das Gesicht eines freundlichen Fischers ist, der sagt:
"Es war mir eine Ehre, Sie aus dem Wasser zu fischen".
Das Glück mitessen
Mit glücklichem Lachs ist es
wie mit glücklichen Hühnern und glücklichen Schweinen;
wenn man sie isst, isst man auch ein Stück ihres Glücks
mit. Genauso isst man bei unglücklichen Lachsen deren Unglück
mit, also die Antibiotika und Pestizide. Hinzu kommt, dass man
mit dem Kauf des Wildlachses den bösen Norwegern einen Strich
durch die Rechnung macht. Sobald deren Rechnung dann durch all
diese Striche komplett unleserlich geworden ist, begreifen sie
vielleicht, dass es gar nicht so dumm ist, glückliche Lachse
anstelle von unglücklichen zu exportieren. Dann fahren auch
die Norweger bald mit einem Sonnenenergieschiff im Atlantik herum,
singen und erweisen den Lachsen die letzte Ehre. Und schnitzen
Holztiere für ihre Enkel zu Weihnachten.
www.vegetarismus.ch/heft/2001-2/zuchtlachs.htm
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