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Nr. 135 / September 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Den dunkelorangen, bitte!

Wie bei keinem anderen Fisch kann man beim Kauf von Lachs gehörig ins Fettnäpfchen treten. Je nachdem, in welchen Gewässern dieser in seinen Jugendjahren geschwommen ist, begeht man nämlich einen schrecklichen Fauxpas, für welchen man körperliche Strafen einführen sollte, oder eben nicht.

Von Lukas Hunziker.

Der Lachs war in unserer Familie seit jeher ein heiliges Tier. Was man daran erkannte, dass er nur an Weihnachten auf den Tisch kam. Er war neben den Geschenken immer das Schönste an Weihnachten und beim Anblick des dunkelorangen zarten Lachses auf meinem Brot konnte ich nachvollziehen, warum Jesus Fischer geworden war. Mein Wissen über Lachs beschränkte sich lange auf sein Aussehen und seinen Geschmack. Bis man mir eines Tages sagte, es gäbe guten Lachs und bösen Lachs.

Die bösen Norweger
Na ja, also eigentlich sind alle Lachse gut. Nicht nur zum Essen. Böse Lachse sind vielmehr diejenigen, welche von bösen Leuten gefangen werden, oder eben nicht gefangen, sondern abgeschöpft. Diese bösen Leute füttern den Lachsen nämlich böses Futter, welches bewirkt, dass diese sehr groß und sehr fett werden. Sie werden in kleinen Fischzuchten gehalten, auf deren Boden sich die Exkremente ansammeln und das Wasser verseuchen. Diese bösen Leute sind in erster Linie die Norweger. Der größte Teil des Zuchtlachses, den man in Migros und Coop kaufen kann, stammt aus Norwegen, einem wunderschönen Land mit einer verabscheuenswürdigen Fischpolitik. Norwegischer Lachs ist etwas vom Schlimmsten, das man essen kann und ganz bestimmt der schlechteste Lachs auf dem Markt.

Ungenießbar und gefährlich
Eigentlich sieht man es ihm schon von weitem an. Er ist alles andere als dunkelorange, sondern orangeweißlich, überzogen mit einer glänzenden Schicht Fett, welches der Hauptbestandteil des norwegischen Lachsfleisches sein dürfte. Vom Geschmack her bewegt sich norwegischer Zuchtlachs irgendwo zwischen den trübweißen Resten in der Bratpfanne nach dem Speck braten und eingeweichter Gelatine. Zuchtlachs enthält Antibiotika, von denen jeder Lachs in seinem trostlosen Farmleben 400 Gramm frisst, sowie Pestizide. Zudem können Zuchtlachse Viren übertragen und somit, glaubt man Pessimisten, zu einer Gefahr ähnlich BSE werden. Da stellt sich die Frage: Was ist die Alternative?

Die romantische Alternative
Die Antwort ist klar wie Klärchen: Wildlachs. Für diesen spricht zudem nicht nur, dass er frei von Antibiotika und Pestiziden ist. Ein Wildlachs schmeckt viel besser, ist fettärmer und war außerdem mal ein glücklicher Fisch. Wildlachse werden in Alaska von gutmütigen Seebären, die ihren Großkindern zu Weihnachten selbst geschnitzte Holztiere schenken, gefangen. Von einem kleinen Schiff, das mit Sonnenenergie fährt, werfen sie ihre Angeln ins Meer und singen dazu mehrstimmig herzergreifende Lieder. Sie fangen ausschließlich Lachse, denen man ansieht, dass sie ein glückliches, erfülltes Leben hatten, streicheln jedem vor dem Tod liebenswürdig über den Kopf und geben ihm einen Namen. Jeder Wildlachs stirbt mit einem Lächeln auf dem Mund, da das Letzte, was er sieht, das Gesicht eines freundlichen Fischers ist, der sagt: "Es war mir eine Ehre, Sie aus dem Wasser zu fischen".

Das Glück mitessen
Mit glücklichem Lachs ist es wie mit glücklichen Hühnern und glücklichen Schweinen; wenn man sie isst, isst man auch ein Stück ihres Glücks mit. Genauso isst man bei unglücklichen Lachsen deren Unglück mit, also die Antibiotika und Pestizide. Hinzu kommt, dass man mit dem Kauf des Wildlachses den bösen Norwegern einen Strich durch die Rechnung macht. Sobald deren Rechnung dann durch all diese Striche komplett unleserlich geworden ist, begreifen sie vielleicht, dass es gar nicht so dumm ist, glückliche Lachse anstelle von unglücklichen zu exportieren. Dann fahren auch die Norweger bald mit einem Sonnenenergieschiff im Atlantik herum, singen und erweisen den Lachsen die letzte Ehre. Und schnitzen Holztiere für ihre Enkel zu Weihnachten.

www.vegetarismus.ch/heft/2001-2/zuchtlachs.htm


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