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Nr. 135 / September 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Handy-Frosch und die Biertrinkerinnen

Foto: Gabi Rosshoff

Von Simon Eberhard.

Da ich dank meiner geplatzten Malediven-Reise über massenhaft Zeit und Musse verfüge, bin ich neulich auf die Idee gekommen, endlich mal eine anständige Combox-Message für mein Handy aufzunehmen. Bisher bin ich nicht über die Standardeinstellung herausgekommen: "Sie sind verbunden mit der sunrise mailbox von: sieben, neun...", worauf in rassigem Stakkato meine Handynummer folgt. Die kühle Damenstimme, welche diese frohe Botschaft verkündet, hat zwar durchaus ihren Charme, aber wir leben nun mal in einer individualistischen Welt, in welcher ein Handy nicht mehr einfach ein Kommunikationsgerät ist, sondern vielmehr ein Statement, ein Mittel zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Man denke nur an die Klingeltöne. Das Gepiepse ist schon lange dem Gepiepse-Status entwachsen - heute dringen polyphone Symphonien aus dem kleinen Gerät. Klar, dass bei der Vielzahl der Möglichkeiten der legendäre Nokia-Ton ("didadäädää didadäädää didadäädää dää") immer mehr in Vergessenheit gerät. Schliesslich will man mit der Wahl des Klingeltones seinen persönlichen musikalischen Präferenzen die Ehre erweisen. Ich selbst kann den Reiz dieses Ich-lade-mein-Lieblingslied-auf-mein-Handy allerdings nicht ganz nachvollziehen. Mein Lieblingslied zum Rufton vergewaltigt - brrrr, welche Schande! Deshalb bevorzuge ich als Rufton eine speziell doofe Melodie, entweder eine selbst komponierte oder aber ein Lied, welches ich schon immer so richtig leidenschaftlich gehasst habe. Voller Schadenfreude ergötze ich mich dann jeweils daran, wenn mein Mobiltelefon die grässliche Mickey-Mouse-Version des verhassten Songs anstimmt.

Bei Thema "Klingeltöne" komme ich natürlich nur schwerlich drum herum, auf einen diesen Sommer oft gehörten Nummer-1-Handy-Hit eines "verrückten Frosches" zu sprechen zu kommen. Ach, wie wurde der arme Frosch doch in der Luft zerrissen! Vom Untergang der Musik, wenn nicht gleich der gesamten abendländischen Kultur wurde geschrieben, der Grad der Verblödung habe einen neuen Siedepunkt erreicht etc. Mit Verlaub: das ist Unsinn. Natürlich, der Song ist tatsächlich saudoof, aber auch nicht saudoofer als andere Hitparaden-Verunreiniger. Man denke nur an gewisse Skihüttendudler aus Österreich. Oder man rufe sich in Erinnerung, dass bereits vor über zehn Jahren ein Lied in der Hitparade äusserst erfolgreich war, dessen Text folgendermassen lautete: "Doop doop doop doop doop doop doop - doop doop doop doop doop doop doop". Es braucht schon eine ganz gehörige Kenntnis der unterschiedlichen Doofheitsgrade, um zwischen diesem Ge-Doop und dem 10 Jahre neueren "Bäng bäng" des verrückten Handy-Frosches einen massgeblich intellektuellen Niveau-Unterschied auszumachen.
Deshalb hier eine Entwarnung: Die Verblödung der Menschheit schreitet in langsamerem Tempo voran als gemeinhin prophezeit wird. Das ist doch beruhigend.

Aber zurück zum Handy-Ansagetext. Mein erster Versuch lautete:
"Hallo, ich bin im Moment leider nicht erreichbar, aber hinterlass doch einfach eine kurze Nachricht und ich rufe dich zurück.".
Wow. Wie originell. Epochal. Revolutionär. Und möchte ich überhaupt zurückrufen? Naja, vielleicht schon, aber geradezu verpflichten möchte ich mich auch nicht. Delete, zweiter Versuch.
"Hallo. Ich bin nicht da, aber du kannst mir nach dem Piepston eine Nachricht hinterlassen.".
Ja, super, denn der Anrufer ist ein Hinterwäldler, welcher noch nie im Leben auf einen Telefonbeantworter gesprochen hat. Delete. Dritter Versuch.
"Hallo. Du weisst ja wie's geht...".
Hmmm ja, ich bin ja schliesslich sooooooo busy, dass ich nicht mal Zeit habe, einen längeren Spruch zu programmieren. Ach, blödes Zeug, versuchen wir's mal mit etwas völlig anderem, etwas Witzigem!
"Grüezi wohl, hier ist der automatische Anrufbeantworter des sowjetischen Geheimdienstes. Diese Nachricht ist streng geheim und wird sich in genau 10 Sekunden selbst zerstören. Zehn, neun, acht...".
Haha. Der Personalchef der Firma, bei welcher ich mich kürzlich für einen hochdotierten Kaderjob beworben habe und jetzt per Telefon einen Termin fürs Vorstellungsgespräch vereinbaren möchte, wird sich sicher totlachen. Delete.

Nach diesen vier kläglichen Versuchen gab ich das Unterfangen auf, so dass auch jetzt noch die charmante Dame mit der kühlen Stimme dem Anrufer meine Abwesenheit bekannt gibt. Überhaupt, wozu braucht es überhaupt die Combox? Zugegeben, besagter Personalchef ist sicher froh, wenn er mich per Combox-Message um einen Rückruf bitten kann, aber im privaten Kreise wird diese Kommunikationsmethode kaum mehr gebraucht, seit es SMS gibt. Ich kenne nur eine Gattung Menschen, welche gerne und regelmässig von der Combox Gebrauch macht, und das sind die Mütter. Zumindest bei mir und einigen mir bekannten Personen ist dies so.
Ansonsten ist es für den Anrufer eher ärgerlich, wenn statt des richtigen Menschen nur die Combox ertönt. Denn auf der verzweifelten Suche nach dem richtigen Weg, zur Waldparty beispielsweise, hilft diese nur wenig.

Ach ja, Waldpartys. Schöne Sache, denn im Wald zusammen Bier trinken ist einfach schöner als zuhause in der Wohnung zusammen Bier trinken. Wobei sich die Frage stellt, ob auch Nicht-Biertrinker und Nicht-Biertrinkerinnen einer solchen Waldparty ihre positiven Seiten abgewinnen können.
Vorheriger Satz wirkt ein bisschen schwerfällig, da ich darauf verzichtet habe, den Ausdruck "BiertrinkerInnen" zu benutzen. Ich habe eine Abneigung gegen dieses Zusammenfassen von Männlein und Weiblein in einem Wort, welches sich im Verlauf der letzten Jahre eingebürgert hat. Ist es denn dermassen wichtig, Platz zu sparen, dass man nicht "Biertrinker und Biertrinkerinnen" schreiben muss? Natürlich kann ich verstehen, dass die Frauen es nicht so toll finden, wenn eine Gruppe von 99 Frauen und gerade mal einem Mann dank dieses einen Mannes als "Biertrinker" und nicht "Biertrinkerinnen" tituliert werden. Ihr Wunsch nach Gleichberechtigung ist absolut berechtigt, aber muss dies in dieser hässlichen Form geschehen, die so ätzend nach "political correctness" riecht wie ein eine Woche lang getragenes T-Shirt nach Schweiss? Ich bevorzuge jedenfalls "Biertrinker und Biertrinkerinnen"! Ausser natürlich die biertrinkenden Individuen sind ausschliesslich männlichen Geschlechtes, was ja nicht gerade eine völlig abwegige Vorstellung ist.
Die Liebe der Männer zum Bier ist durchaus ein erforschenswertes Phänomen. Undenkbar wäre so z.B., dass sich zwei gestandene Männer mal zwecks Auffrischung der Freundschaft "auf eine Cola light" treffen würden. Oh nein! Unter richtigen Männern trifft man sich selbstverständlich "auf ein Bier". Was ist wohl das entsprechende Getränk bei Frauen? Vielleicht wird mir da meine werte Kollegin weiterhelfen können.

Ach ja, ich schulde ihr ja noch eine Antwort. Was hilft einem Mann über den Schmerz einer versagten Reise hinweg? Nun ja, da gibt es viele Möglichkeiten, auf dem Handy herumzuspielen ist eine davon, wie ich weiter oben in aller Ausführlichkeit beschrieben habe. Fussball schauen, bzw. über Fussball sprechen, eine weitere. Wobei ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass ich in dieser Kolumne noch kein einziges Wort zu diesem Thema geschrieben habe und es auch nicht zu tun gedenke, aus Rücksicht auf den weiblichen Teil unserer verehrten Leserschaft. Entschuldigung, ich meine Leser- und Leserinnenschaft. Oder doch lieber LeserInnenschaft? Ach herrje, welch ein doofes Wort, ich ersetze es doch einfach durch "die Gesamtheit der dieses Magazin lesenden männlichen oder weiblichen Individuen". Das Bemühen um sprachliche Präzision kann manchmal ganz schön anstrengend sein.

In diesem Sinne wünsche ich der Gesamtheit der dieses Magazin lesenden männlichen oder weiblichen Individuen einen frohen Start in den September und grüsse dieselben zum Abschied in meiner kürzlich erworbenen Sprache (die Migros-Klubschule lässt grüssen):


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