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Der Handy-Frosch und die Biertrinkerinnen
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Foto: Gabi Rosshoff |
Von Simon Eberhard.
Da ich dank meiner geplatzten Malediven-Reise
über massenhaft Zeit und Musse verfüge, bin ich neulich
auf die Idee gekommen, endlich mal eine anständige Combox-Message
für mein Handy aufzunehmen. Bisher bin ich nicht über
die Standardeinstellung herausgekommen: "Sie sind verbunden
mit der sunrise mailbox von: sieben, neun...", worauf in
rassigem Stakkato meine Handynummer folgt. Die kühle Damenstimme,
welche diese frohe Botschaft verkündet, hat zwar durchaus
ihren Charme, aber wir leben nun mal in einer individualistischen
Welt, in welcher ein Handy nicht mehr einfach ein Kommunikationsgerät
ist, sondern vielmehr ein Statement, ein Mittel zur Entfaltung
der eigenen Persönlichkeit. Man denke nur an die Klingeltöne.
Das Gepiepse ist schon lange dem Gepiepse-Status entwachsen -
heute dringen polyphone Symphonien aus dem kleinen Gerät.
Klar, dass bei der Vielzahl der Möglichkeiten der legendäre
Nokia-Ton ("didadäädää didadäädää
didadäädää dää") immer mehr
in Vergessenheit gerät. Schliesslich will man mit der Wahl
des Klingeltones seinen persönlichen musikalischen Präferenzen
die Ehre erweisen. Ich selbst kann den Reiz dieses Ich-lade-mein-Lieblingslied-auf-mein-Handy
allerdings nicht ganz nachvollziehen. Mein Lieblingslied zum
Rufton vergewaltigt - brrrr, welche Schande! Deshalb bevorzuge
ich als Rufton eine speziell doofe Melodie, entweder eine selbst
komponierte oder aber ein Lied, welches ich schon immer so richtig
leidenschaftlich gehasst habe. Voller Schadenfreude ergötze
ich mich dann jeweils daran, wenn mein Mobiltelefon die grässliche
Mickey-Mouse-Version des verhassten Songs anstimmt.
Bei Thema "Klingeltöne" komme
ich natürlich nur schwerlich drum herum, auf einen diesen
Sommer oft gehörten Nummer-1-Handy-Hit eines "verrückten
Frosches" zu sprechen zu kommen. Ach, wie wurde der arme
Frosch doch in der Luft zerrissen! Vom Untergang der Musik, wenn
nicht gleich der gesamten abendländischen Kultur wurde geschrieben,
der Grad der Verblödung habe einen neuen Siedepunkt erreicht
etc. Mit Verlaub: das ist Unsinn. Natürlich, der Song ist
tatsächlich saudoof, aber auch nicht saudoofer als andere
Hitparaden-Verunreiniger. Man denke nur an gewisse Skihüttendudler
aus Österreich. Oder man rufe sich in Erinnerung, dass bereits
vor über zehn Jahren ein Lied in der Hitparade äusserst
erfolgreich war, dessen Text folgendermassen lautete: "Doop
doop doop doop doop doop doop - doop doop doop doop doop doop
doop". Es braucht schon eine ganz gehörige Kenntnis
der unterschiedlichen Doofheitsgrade, um zwischen diesem Ge-Doop
und dem 10 Jahre neueren "Bäng bäng" des
verrückten Handy-Frosches einen massgeblich intellektuellen
Niveau-Unterschied auszumachen.
Deshalb hier eine Entwarnung: Die Verblödung der Menschheit
schreitet in langsamerem Tempo voran als gemeinhin prophezeit
wird. Das ist doch beruhigend.
Aber zurück zum Handy-Ansagetext. Mein
erster Versuch lautete:
"Hallo, ich bin im Moment leider nicht erreichbar, aber
hinterlass doch einfach eine kurze Nachricht und ich rufe dich
zurück.".
Wow. Wie originell. Epochal. Revolutionär. Und möchte
ich überhaupt zurückrufen? Naja, vielleicht schon,
aber geradezu verpflichten möchte ich mich auch nicht. Delete,
zweiter Versuch.
"Hallo. Ich bin nicht da, aber du kannst mir nach dem Piepston
eine Nachricht hinterlassen.".
Ja, super, denn der Anrufer ist ein Hinterwäldler, welcher
noch nie im Leben auf einen Telefonbeantworter gesprochen hat.
Delete. Dritter Versuch.
"Hallo. Du weisst ja wie's geht...".
Hmmm ja, ich bin ja schliesslich sooooooo busy, dass ich nicht
mal Zeit habe, einen längeren Spruch zu programmieren. Ach,
blödes Zeug, versuchen wir's mal mit etwas völlig anderem,
etwas Witzigem!
"Grüezi wohl, hier ist der automatische Anrufbeantworter
des sowjetischen Geheimdienstes. Diese Nachricht ist streng geheim
und wird sich in genau 10 Sekunden selbst zerstören. Zehn,
neun, acht...".
Haha. Der Personalchef der Firma, bei welcher ich mich kürzlich
für einen hochdotierten Kaderjob beworben habe und jetzt
per Telefon einen Termin fürs Vorstellungsgespräch
vereinbaren möchte, wird sich sicher totlachen. Delete.
Nach diesen vier kläglichen Versuchen
gab ich das Unterfangen auf, so dass auch jetzt noch die charmante
Dame mit der kühlen Stimme dem Anrufer meine Abwesenheit
bekannt gibt. Überhaupt, wozu braucht es überhaupt
die Combox? Zugegeben, besagter Personalchef ist sicher froh,
wenn er mich per Combox-Message um einen Rückruf bitten
kann, aber im privaten Kreise wird diese Kommunikationsmethode
kaum mehr gebraucht, seit es SMS gibt. Ich kenne nur eine Gattung
Menschen, welche gerne und regelmässig von der Combox Gebrauch
macht, und das sind die Mütter. Zumindest bei mir und einigen
mir bekannten Personen ist dies so.
Ansonsten ist es für den Anrufer eher ärgerlich, wenn
statt des richtigen Menschen nur die Combox ertönt. Denn
auf der verzweifelten Suche nach dem richtigen Weg, zur Waldparty
beispielsweise, hilft diese nur wenig.
Ach ja, Waldpartys. Schöne Sache, denn
im Wald zusammen Bier trinken ist einfach schöner als zuhause
in der Wohnung zusammen Bier trinken. Wobei sich die Frage stellt,
ob auch Nicht-Biertrinker und Nicht-Biertrinkerinnen einer solchen
Waldparty ihre positiven Seiten abgewinnen können.
Vorheriger Satz wirkt ein bisschen schwerfällig, da ich
darauf verzichtet habe, den Ausdruck "BiertrinkerInnen"
zu benutzen. Ich habe eine Abneigung gegen dieses Zusammenfassen
von Männlein und Weiblein in einem Wort, welches sich im
Verlauf der letzten Jahre eingebürgert hat. Ist es denn
dermassen wichtig, Platz zu sparen, dass man nicht "Biertrinker
und Biertrinkerinnen" schreiben muss? Natürlich kann
ich verstehen, dass die Frauen es nicht so toll finden, wenn
eine Gruppe von 99 Frauen und gerade mal einem Mann dank dieses
einen Mannes als "Biertrinker" und nicht "Biertrinkerinnen"
tituliert werden. Ihr Wunsch nach Gleichberechtigung ist absolut
berechtigt, aber muss dies in dieser hässlichen Form geschehen,
die so ätzend nach "political correctness" riecht
wie ein eine Woche lang getragenes T-Shirt nach Schweiss? Ich
bevorzuge jedenfalls "Biertrinker und Biertrinkerinnen"!
Ausser natürlich die biertrinkenden Individuen sind ausschliesslich
männlichen Geschlechtes, was ja nicht gerade eine völlig
abwegige Vorstellung ist.
Die Liebe der Männer zum Bier ist durchaus ein erforschenswertes
Phänomen. Undenkbar wäre so z.B., dass sich zwei gestandene
Männer mal zwecks Auffrischung der Freundschaft "auf
eine Cola light" treffen würden. Oh nein! Unter richtigen
Männern trifft man sich selbstverständlich "auf
ein Bier". Was ist wohl das entsprechende Getränk bei
Frauen? Vielleicht wird mir da meine werte Kollegin weiterhelfen
können.
Ach ja, ich schulde ihr ja noch eine Antwort.
Was hilft einem Mann über den Schmerz einer versagten Reise
hinweg? Nun ja, da gibt es viele Möglichkeiten, auf dem
Handy herumzuspielen ist eine davon, wie ich weiter oben in aller
Ausführlichkeit beschrieben habe. Fussball schauen, bzw.
über Fussball sprechen, eine weitere. Wobei ich an dieser
Stelle anmerken möchte, dass ich in dieser Kolumne noch
kein einziges Wort zu diesem Thema geschrieben habe und es auch
nicht zu tun gedenke, aus Rücksicht auf den weiblichen Teil
unserer verehrten Leserschaft. Entschuldigung, ich meine Leser-
und Leserinnenschaft. Oder doch lieber LeserInnenschaft? Ach
herrje, welch ein doofes Wort, ich ersetze es doch einfach durch
"die Gesamtheit der dieses Magazin lesenden männlichen
oder weiblichen Individuen". Das Bemühen um sprachliche
Präzision kann manchmal ganz schön anstrengend sein.
In diesem Sinne wünsche ich der Gesamtheit
der dieses Magazin lesenden männlichen oder weiblichen Individuen
einen frohen Start in den September und grüsse dieselben
zum Abschied in meiner kürzlich erworbenen Sprache (die
Migros-Klubschule lässt grüssen):
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