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Serie Biennale Venedig, Teil 5
Im italienischen Pavillon erfährt man Kunst
Die spanische Kuratorin María de
Corral hat im italienischen Pavillon in den Giardini die Ausstellung
"L'Esperienza dell'Arte" eingerichtet. Die Besucher
erfahren also Kunst. De Corral will keine lineare oder historisch-abhandelnde
Kunstausstellung, sondern gruppiert die einzelnen Künstler
zu verschiedenen Themata. Die Besucher sollen den ästhetischen
Wert der Kunst erfahren und, so die Kuratorin, sich mit der Möglichkeit
auseinandersetzen, an der zeitgenössischen Kunst Genuss
zu empfinden.
Von Selma Käppeli.
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© Videostills: Chen Chieh-Jen |
Die spanische Kuratorin und Kunstkritikerin
kann auf eine reiche Kunsterfahrung zurückgreifen, das steht
unwiderruflich fest. Aufgewachsen als Tochter eines Sammlers
spätbarocker Landschaftsmalereien, waren Museums- und Galeriebesuche
wohl an der Tagesordnung. In Spanien, knapp zehn Jahre nach dem
Ende des Franco Regimes (1936-75), war das Bedürfnis nach
einer kulturellen Identität gross. Maria de Corral hat in
jener Zeit begonnen, Kunstsammlungen auf höchstem Niveau
aufzubauen, weitbeachtete Ausstellungen zu organisieren und bis
dato nicht beachtete spanische Künstler bekannt zu machen.
Erfahrung mit Venedig hat sie 1988 als Kuratorin des Spanischen
Pavillons gesammelt und dem minimalistischen Bildhauer Jorge
Oteiza zu einer Wiederentdeckung verholfen.
42 Künstler
Entgegen dem Chaos der letzten Biennale
hat sich auch Maria de Corral, im Einklang mit Rosa Martinez,
entschieden, dass weniger mehr sei. In den Räumlichkeiten
des Italienischen Pavillons werden 42 Künstler präsentiert,
sieben stammen aus Portugal und Spanien. Viele bekannte Namen
sind vertreten, darunter Eija-Liisa Ahtila (Finnland), Francis
Bacon (Irland), Thomas Ruff (Deutschland) oder Barbara Kruger
(USA, Installation an der Fassade des Pavillons). Maria de Corral
versammelt bekannte und unbekanntere Künstler nicht als
eine historische Abhandlung, die Ausstellung ist auch nicht linear
oder konzeptuell angeordnet. Die Kuratorin hat es sich zum Ziel
gesetzt, dass "die labyrinthische Entwicklung der Kunst
nicht als abgeschlossenes Ereignis angesehen wird sondern eher
wie ein Prozess, der von Beziehungen zwischen verschiedenen Menschen,
Formen, Ideen und Dimensionen bestimmt wird, und darum einem
Forschungszentrum gleicht anstatt einer Menge von Sicherheiten."
Diejenigen Künstler, die an ähnlichen Kunst- und Lebenskonzepten
arbeiten, sich also mit ähnlichen Problemstellungen beschäftigen,
werden einander gegenübergestellt. Wodurch sich ein Dialog
entwickeln kann, soll, wird. Beispielsweise nähern sich
der Südafrikaner Zwelethu Mthethwa, der Chinese Jun Yang
und der taiwanesische Künstler Chen Chieh-Jen mit ihren
Videoprojektionen den gesellschaftlichen Problemen an, die in
ihren Ländern herrschen.
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© Videostill: Zwelethu Mthethwa |
Genuss zeitgenössischer Kunst
Doch es scheint, als liege der Kuratorin
nicht die Auseinandersetzung zu verschiedenen Themenkomplexen
am Herzen, vielmehr sagt der Titel der Ausstellung das aus, was
wirklich in de Corral's Absicht liegt: Die Kunsterfahrung. Der
Besucher soll den ästhetischen Wert der gezeigten Werke
schätzen, Kunst erfahren. In der Aneinanderreihung der Werke
kann ein Zusammenhang gesehen werden, doch eigentlich hat die
Kuratorin eine Schau konzipiert, die primär den Genuss zeitgenössischer
Kunst vorsieht. De Corral setzt auf die Qualität des Unerwarteten
und Unmöglichen, die verführerisch auf das Publikum
wirken soll. Eine Ausstellung also, die ohne kopflastigen Anspruch
auskommen will? Eine Ausstellung, die schön sein will? Allerdings
finden sich in den Räumen einige Installationen, die tatsächlich
durch ihre Gegenwart bestechen: Der Argentinier Jorge Macchi
(auch im Länderpavillon Argentiniens zu sehen!) hängt
dazu eine Disco-Kugel an die Decke. Die zu Hunderten an den Wänden
und am Boden gesprenkelten Punkte tragen wahrlich zu einer Kunsterfahrung
bei. Auch die geschichteten Säulen des jungen Bildhauers
José Damasceno, die den Titel "Durante o caminho
Vertical" tragen, sind einen Besuch wert.
Die Kuratorin - eine Egomanin?
Der Pressetext der Kuratorin Maria de Corral zeigt jedenfalls
Anzeichen: Für die Ausstellung habe sie auf diejenigen Künstler
und Künstlerinnen zurückgegriffen, die sie auf ihrer
Laufbahn begleitet haben. Die Spanierin setzt also auf ihr bekannte
Werte; Neuentdeckungen liegen wenig drin. Zudem: Sollte es nicht
eher so sein, dass der Kurator den Künstler auf seinem Weg
begleitet?
Wie dem auch sei, der eher erlebnisorientierte Ansatz der Kuratorin
bietet einen nicht ganz so kopflastigen Zugang zur zeitgenössischen
Kunst. Auch wenn "anfassen" immer noch nicht erlaubt
ist!
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