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Nr. 135 / September 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Serie Biennale Venedig, Teil 5
Im italienischen Pavillon erfährt man Kunst

Die spanische Kuratorin María de Corral hat im italienischen Pavillon in den Giardini die Ausstellung "L'Esperienza dell'Arte" eingerichtet. Die Besucher erfahren also Kunst. De Corral will keine lineare oder historisch-abhandelnde Kunstausstellung, sondern gruppiert die einzelnen Künstler zu verschiedenen Themata. Die Besucher sollen den ästhetischen Wert der Kunst erfahren und, so die Kuratorin, sich mit der Möglichkeit auseinandersetzen, an der zeitgenössischen Kunst Genuss zu empfinden.

Von Selma Käppeli.

© Videostills: Chen Chieh-Jen
Die spanische Kuratorin und Kunstkritikerin kann auf eine reiche Kunsterfahrung zurückgreifen, das steht unwiderruflich fest. Aufgewachsen als Tochter eines Sammlers spätbarocker Landschaftsmalereien, waren Museums- und Galeriebesuche wohl an der Tagesordnung. In Spanien, knapp zehn Jahre nach dem Ende des Franco Regimes (1936-75), war das Bedürfnis nach einer kulturellen Identität gross. Maria de Corral hat in jener Zeit begonnen, Kunstsammlungen auf höchstem Niveau aufzubauen, weitbeachtete Ausstellungen zu organisieren und bis dato nicht beachtete spanische Künstler bekannt zu machen.
Erfahrung mit Venedig hat sie 1988 als Kuratorin des Spanischen Pavillons gesammelt und dem minimalistischen Bildhauer Jorge Oteiza zu einer Wiederentdeckung verholfen.

42 Künstler
Entgegen dem Chaos der letzten Biennale hat sich auch Maria de Corral, im Einklang mit Rosa Martinez, entschieden, dass weniger mehr sei. In den Räumlichkeiten des Italienischen Pavillons werden 42 Künstler präsentiert, sieben stammen aus Portugal und Spanien. Viele bekannte Namen sind vertreten, darunter Eija-Liisa Ahtila (Finnland), Francis Bacon (Irland), Thomas Ruff (Deutschland) oder Barbara Kruger (USA, Installation an der Fassade des Pavillons). Maria de Corral versammelt bekannte und unbekanntere Künstler nicht als eine historische Abhandlung, die Ausstellung ist auch nicht linear oder konzeptuell angeordnet. Die Kuratorin hat es sich zum Ziel gesetzt, dass "die labyrinthische Entwicklung der Kunst nicht als abgeschlossenes Ereignis angesehen wird sondern eher wie ein Prozess, der von Beziehungen zwischen verschiedenen Menschen, Formen, Ideen und Dimensionen bestimmt wird, und darum einem Forschungszentrum gleicht anstatt einer Menge von Sicherheiten." Diejenigen Künstler, die an ähnlichen Kunst- und Lebenskonzepten arbeiten, sich also mit ähnlichen Problemstellungen beschäftigen, werden einander gegenübergestellt. Wodurch sich ein Dialog entwickeln kann, soll, wird. Beispielsweise nähern sich der Südafrikaner Zwelethu Mthethwa, der Chinese Jun Yang und der taiwanesische Künstler Chen Chieh-Jen mit ihren Videoprojektionen den gesellschaftlichen Problemen an, die in ihren Ländern herrschen.

© Videostill: Zwelethu Mthethwa
Genuss zeitgenössischer Kunst
Doch es scheint, als liege der Kuratorin nicht die Auseinandersetzung zu verschiedenen Themenkomplexen am Herzen, vielmehr sagt der Titel der Ausstellung das aus, was wirklich in de Corral's Absicht liegt: Die Kunsterfahrung. Der Besucher soll den ästhetischen Wert der gezeigten Werke schätzen, Kunst erfahren. In der Aneinanderreihung der Werke kann ein Zusammenhang gesehen werden, doch eigentlich hat die Kuratorin eine Schau konzipiert, die primär den Genuss zeitgenössischer Kunst vorsieht. De Corral setzt auf die Qualität des Unerwarteten und Unmöglichen, die verführerisch auf das Publikum wirken soll. Eine Ausstellung also, die ohne kopflastigen Anspruch auskommen will? Eine Ausstellung, die schön sein will? Allerdings finden sich in den Räumen einige Installationen, die tatsächlich durch ihre Gegenwart bestechen: Der Argentinier Jorge Macchi (auch im Länderpavillon Argentiniens zu sehen!) hängt dazu eine Disco-Kugel an die Decke. Die zu Hunderten an den Wänden und am Boden gesprenkelten Punkte tragen wahrlich zu einer Kunsterfahrung bei. Auch die geschichteten Säulen des jungen Bildhauers José Damasceno, die den Titel "Durante o caminho Vertical" tragen, sind einen Besuch wert.

Die Kuratorin - eine Egomanin?
Der Pressetext der Kuratorin Maria de Corral zeigt jedenfalls Anzeichen: Für die Ausstellung habe sie auf diejenigen Künstler und Künstlerinnen zurückgegriffen, die sie auf ihrer Laufbahn begleitet haben. Die Spanierin setzt also auf ihr bekannte Werte; Neuentdeckungen liegen wenig drin. Zudem: Sollte es nicht eher so sein, dass der Kurator den Künstler auf seinem Weg begleitet?
Wie dem auch sei, der eher erlebnisorientierte Ansatz der Kuratorin bietet einen nicht ganz so kopflastigen Zugang zur zeitgenössischen Kunst. Auch wenn "anfassen" immer noch nicht erlaubt ist!


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