AKTUELL   ARCHIV & SUCHE   NEWSLETTER   INFOS   KONTAKT

Nr. 134 / August 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IM FOKUS    TV-SERIEN SPEZIAL    PRO/KONTRA    KINO    DVD    FILMFESTIVALS    BÜHNE

 

« ZURÜCK

 

WEITER »

Überblick

KINO-TIPP:
Don't come knocking

WEITERE KINOFILME:
19
Absolut
Bewitched
El Ultimo Tren
Howl's Moving Casle
In My Father's Den
Inside Deep Throat
Land of the Dead
Rois et Reine
Les Soeurs Fachées
My Summer of Love
Samaria
Steamboy
The Hunter
The Island
War of the Worlds
Wedding Crashers
 

"Howl's Moving Castle" Hayao Miyazaki (Animation) | Frenetic
Japanische Metamorphosen

Hayao Miyazaki beweist mit seinem eng an "Spirited Away" angelehnten Meisterwerk erneut, dass der handgezeichnete Animationsfilm noch lange nicht ausgedient hat. Bereits zum dritten Mal droht er allerdings auch damit, sich zur Ruhe zu setzen. Hoffen wir, dass ihm dies nicht gelingt.

Von Oswald Iten.

Stampfend und schnaufend taucht ein riesiges mechanisches Ungetüm auf einer Alpweide aus dem Nebel auf. Doch die grasenden Schafe lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, selbst der Hirte winkt nur kurz. Das auf eisernen Reptilienbeinen wandelnde Schloss des mysteriösen Zauberers Howl (japanisch ausgesprochen: Hauru) wirkt wie ein grosser Organismus in dieser archaisch-pastoralen Parallelwelt, in der alle Dinge beseelt zu sein scheinen.

Selbstfindung und -verleugnung
Nicht weit davon, unten im Tal, lernt die 18-jährige Sophie den jungen, eitlen Howl kennen, der so gar nicht zum Bild passen will, das über ihn verbreitet wird. Eine eifersüchtige Hexe verwandelt Sophie daraufhin in eine 90-jährige Frau. Auf der beschwerlichen Suche nach Erlösung vom Fluch auf ihrem Körper entdeckt das Mädchen ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken. Howl hingegen gibt sich ganz seinen pubertären Stimmungsschwankungen hin und versucht sich vor jeder Verantwortung zu drücken.
Erstaunlicherweise basiert "Howl's Moving Castle" nicht auf einem Originaldrehbuch von Miyazaki sondern auf einem Fantasyroman der Britin Diana Wynne Jones von 1986, dessen Handlung sich der Japaner aber ganz zu eigen gemacht hat. Stilistisch erinnert die Fantasywelt, wo Menschen und Magier von einem gemeinsamen König regiert werden, an Europa um 1900.

In ständiger Veränderung begriffen
Vom ersten bis zum letzten Bild ist in diesem Film alles in Bewegung, ohne jedoch Hektik auszustrahlen. Elegische Stimmungsbilder bilden ein wohltuendes Gegengewicht zur atemlosen Handlung, die sich mit dem Ausbruch eines Krieges in alle Richtungen und Zeitebenen ausbreitet. Die Tür des wandelnden Schlosses dient je nach Farbe des Türschlosses als Ausgang zu vier verschiedenen Orten und Dimensionen. Wohin denn die schwarze Tür führe, möchte Sophie einmal wissen, als sie im Schloss als Haushälterin Arbeit gefunden hat. Sie erhält zur Antwort, dies wisse nur der Zauberer selbst. Der Zuschauer erhält zwar den vagen Hinweis auf eine dunklere Seite der Magie, der Ort bleibt jedoch im Dunklen.
Es gehört zweifellos zu den Stärken von Miyazakis Filmen, dass Vieles nie erklärt wird, dass viele Dinge ihr Geheimnis behalten. So gelingt es ihm auch immer wieder, mit Werken, die an Details fast überborden, die Phantasie des Zuschauers anzuregen. Fast schon systematisch sind die Figuren nie so, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Häufig sind sie Opfer ihrer eigenen Selbstsucht oder eines Fluches.
Optisch gehören die Verwandlungen zu einem Kernelement von Miyazakis spezifischer Animationstechnik. Im Gegensatz zu den psychologisch wie zeichnerisch abgerundeten Figuren nicht nur amerikanischer Trickfilme lassen seine Kreationen häufig eine feste Form vermissen. Solche Veränderungen beschränken sich nicht auf Schlüsselszenen, sondern sind konstant möglich. Das Äussere verrät die innere Instabilität der Figuren. Besonders virtuos gehen die Zeichner mit gänzlich formlosen Wesen und Schleim um.

Von der Stärke der Liebe
Trotz der verschlungenen Subplots erzählt "Howl's Moving Castle" die einfache Geschichte eines starken Mädchens, das mit der Kraft der Liebe seine Umwelt und damit sich selbst von einem Fluch befreien kann. So entscheidet letztendlich auch nicht Waffengewalt über den Ausgang des Krieges. Pazifismus und Humanismus gehören noch immer zu den Hauptanliegen Miyazakis.
Obwohl unerwartete Wendungen durchaus zum Konzept gehören, hinterlässt das formal wie inhaltlich unverhältnismässige Happy End einen unangenehmen Nachgeschmack. Nicht nur das Schicksal der Protagonisten wendet sich zum Guten, sondern (nach einer unpassend selbstironischen Pointe) dasjenige des ganzen Reiches. Die idealistische Botschaft von Güte und Toleranz verliert dabei an sorgfältig aufgebauter Glaubwürdigkeit.

Ab dem 22. September 2005 im Kino.

Originaltitel: Hauru no ugoku shiro (Japan 2004)
Regie: Hayao Miyazaki
Darsteller: Takuya Kimura, Chieko Baisho (Stimmen)
Dauer: 117 min.
CH-Verleih: Frenetic

www.das-wandelnde-schloss.de


« ZURÜCK

NACH OBEN

WEITER »

Erscheint jeden Monat am 3. neu.

© 2000 - 2005 "DAS NETZMAGAZIN." Alle Rechte vorbehalten. Powered by Bürki Hosting, Spiez.