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"Howl's Moving Castle" Hayao Miyazaki
(Animation) | Frenetic
Japanische Metamorphosen
Hayao Miyazaki beweist mit seinem
eng an "Spirited Away" angelehnten Meisterwerk erneut,
dass der handgezeichnete Animationsfilm noch lange nicht ausgedient
hat. Bereits zum dritten Mal droht er allerdings auch damit,
sich zur Ruhe zu setzen. Hoffen wir, dass ihm dies nicht gelingt.
Von Oswald Iten.
Stampfend und schnaufend taucht ein riesiges
mechanisches Ungetüm auf einer Alpweide aus dem Nebel auf.
Doch die grasenden Schafe lassen sich nicht aus der Ruhe bringen,
selbst der Hirte winkt nur kurz. Das auf eisernen Reptilienbeinen
wandelnde Schloss des mysteriösen Zauberers Howl (japanisch
ausgesprochen: Hauru) wirkt wie ein grosser Organismus in dieser
archaisch-pastoralen Parallelwelt, in der alle Dinge beseelt
zu sein scheinen.
Selbstfindung und -verleugnung
Nicht weit davon, unten im Tal, lernt
die 18-jährige Sophie den jungen, eitlen Howl kennen, der
so gar nicht zum Bild passen will, das über ihn verbreitet
wird. Eine eifersüchtige Hexe verwandelt Sophie daraufhin
in eine 90-jährige Frau. Auf der beschwerlichen Suche nach
Erlösung vom Fluch auf ihrem Körper entdeckt das Mädchen
ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken. Howl hingegen
gibt sich ganz seinen pubertären Stimmungsschwankungen hin
und versucht sich vor jeder Verantwortung zu drücken.
Erstaunlicherweise basiert "Howl's Moving Castle" nicht
auf einem Originaldrehbuch von Miyazaki sondern auf einem Fantasyroman
der Britin Diana Wynne Jones von 1986, dessen Handlung sich der
Japaner aber ganz zu eigen gemacht hat. Stilistisch erinnert
die Fantasywelt, wo Menschen und Magier von einem gemeinsamen
König regiert werden, an Europa um 1900.
In ständiger Veränderung begriffen
Vom ersten bis zum letzten Bild ist
in diesem Film alles in Bewegung, ohne jedoch Hektik auszustrahlen.
Elegische Stimmungsbilder bilden ein wohltuendes Gegengewicht
zur atemlosen Handlung, die sich mit dem Ausbruch eines Krieges
in alle Richtungen und Zeitebenen ausbreitet. Die Tür des
wandelnden Schlosses dient je nach Farbe des Türschlosses
als Ausgang zu vier verschiedenen Orten und Dimensionen. Wohin
denn die schwarze Tür führe, möchte Sophie einmal
wissen, als sie im Schloss als Haushälterin Arbeit gefunden
hat. Sie erhält zur Antwort, dies wisse nur der Zauberer
selbst. Der Zuschauer erhält zwar den vagen Hinweis auf
eine dunklere Seite der Magie, der Ort bleibt jedoch im Dunklen.
Es gehört zweifellos zu den Stärken von Miyazakis Filmen,
dass Vieles nie erklärt wird, dass viele Dinge ihr Geheimnis
behalten. So gelingt es ihm auch immer wieder, mit Werken, die
an Details fast überborden, die Phantasie des Zuschauers
anzuregen. Fast schon systematisch sind die Figuren nie so, wie
sie auf den ersten Blick erscheinen. Häufig sind sie Opfer
ihrer eigenen Selbstsucht oder eines Fluches.
Optisch gehören die Verwandlungen zu einem Kernelement von
Miyazakis spezifischer Animationstechnik. Im Gegensatz zu den
psychologisch wie zeichnerisch abgerundeten Figuren nicht nur
amerikanischer Trickfilme lassen seine Kreationen häufig
eine feste Form vermissen. Solche Veränderungen beschränken
sich nicht auf Schlüsselszenen, sondern sind konstant möglich.
Das Äussere verrät die innere Instabilität der
Figuren. Besonders virtuos gehen die Zeichner mit gänzlich
formlosen Wesen und Schleim um.
Von der Stärke der Liebe
Trotz der verschlungenen Subplots
erzählt "Howl's Moving Castle" die einfache Geschichte
eines starken Mädchens, das mit der Kraft der Liebe seine
Umwelt und damit sich selbst von einem Fluch befreien kann. So
entscheidet letztendlich auch nicht Waffengewalt über den
Ausgang des Krieges. Pazifismus und Humanismus gehören noch
immer zu den Hauptanliegen Miyazakis.
Obwohl unerwartete Wendungen durchaus zum Konzept gehören,
hinterlässt das formal wie inhaltlich unverhältnismässige
Happy End einen unangenehmen Nachgeschmack. Nicht nur das Schicksal
der Protagonisten wendet sich zum Guten, sondern (nach einer
unpassend selbstironischen Pointe) dasjenige des ganzen Reiches.
Die idealistische Botschaft von Güte und Toleranz verliert
dabei an sorgfältig aufgebauter Glaubwürdigkeit.
Ab dem 22. September 2005 im Kino.
Originaltitel: Hauru no ugoku shiro (Japan
2004)
Regie: Hayao Miyazaki
Darsteller: Takuya Kimura, Chieko Baisho (Stimmen)
Dauer: 117 min.
CH-Verleih: Frenetic
www.das-wandelnde-schloss.de
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