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"El Último Tren" von Diego
Arsuga (Drama) | Cineworx
"El Patrimonio no se vende"
Drei Freunde machen eine Reise für
die Identität eines ganzen Landes. Sie werden zu Nationalhelden
und begreifen, dass die Veränderung ein unwillkürliches
Echo der Zeit ist. Ein Drama auf Schienen.
Von Sven J. Zaugg.
Die "Friends of the Rails Association"
in Uruguay sind bestürzt, als sie erfahren, dass ihr Heiligtum,
die Lokomotive "Heart of Fire" Nr. 33, an ein Hollywood-Studio
verkauft werden soll. Es wird nicht lange gefackelt. Drei rüstigen
Veteranen vom Verein der Eisenbahnfreunde machen mobil und hecken
einen Plan aus, um die "Heart of Fire" zu entführen.
Der Professor (Héctor Alterio), Pepe (Federico Luppi)
und der Sekretär "Dante" (Pepe Soriano) bereiten
sich minutiös für den Überfall auf das Zugdepot
vor. Jeder auf seine eigentümliche Art. Der Professor hinterlässt
einen pathetischen Brief für seine Frau und legt den Ehering
dazu. Pepe packt kurzerhand Arbeitgebers Sohn untern Arm, weil
dieser ihn überredet mitkommen zu dürfen, und Dante,
der Vergessliche, kramt nach Anleitung aus seinem Notizbuch seine
Toilettenartikel zusammen. Später treffen sie sich vor dem
Zugdepot. Eine zweite Tranche der "Friends of the Rails
Association" ist für die Medien zuständig. Ausgestattet
mit Kameramann warten sie, bis die schwarze Schönheit die
Türen ihres Gefängnisses einreisst und mit Volldampf
auf Reisen geht, gejagt von der Polizei, gefeiert von der Bevölkerung.
Dampfend und schnaufend
Der Regisseur Diego Arsuaga hat eine wunderschöne Geschichte
über Freundschaft, Identität und den Willen, sich neu
zu entdecken, geschaffen. Mit jedem Kilometer, den die Lokomotive
und ihr Vierergespann zurücklegen, offenbaren die so unterschiedlichen
Figuren ihr Innerstes. Wie identifiziert man sich mit einer Zeit,
die nur in Sehnsucht nach dem Vergangenen greifbar ist? Man lebt
in Gedanken und Träumen, in Bildern vergangener Jugendtage.
Es ist eine innere Reise, die die drei Protagonisten antreten,
eine anspruchsvolle Reise zu sich selbst im fortgeschrittenen
Alter. Der Professor, Pepe und der Sekretär "Dante"
realisieren mehr und mehr, dass sie ihr Leben schon gelebt haben
und nur noch ein kleiner Teil ihres Weges zu begehen ist. Es
ist ihnen bewusst, in Körper und Geist gealtert zu haben.
Mit diesem Bewusstsein entwickeln die Figuren einen neuen Zugang
zu sich selbst.
Das zentrale Thema in Diego Arsuagas Roadmovie
"El Último Tren" ist das Bewusstsein. Immer
wieder zeigt Arsuaga durch sanfte Schnitte in die Landschaft
Uruguays die Mutation der Figuren, ja das Bewusstwerden, dass
Veränderung ein unwillkürliches Echo der Zeit ist.
Unaufhaltbar. Das Bild der Lokomotive, die sich dampfend und
schnaufend den Weg über die längst stillgelegten Gleise
Uruguays bahnt, ist dabei die passende Metapher. Es sind die
stillen Momente, die eine bemerkenswerte Kraft entfalten.
Im Kontrast zu den Herren älteren Kalibers
ist Guito, ein Jüngling im zarten Alter von elf Jahren.
Er verkörpert die neue Generation Uruguays. Die Generation,
die es versteht, mit Mobilfunk und Fernsehen umzugehen. Mit dem
kleinen Guito zeigt Arsuaga, wie wichtig es ist, sich orientieren
zu können. Wie normal es ist, sich an der älteren Generation
zu orientieren, an seinen Wurzeln, seiner Herkunft. Immer wieder
lauscht Guito gespannt den Kriegsanekdoten von Pepe, die weder
wahr sind, noch selbst erlebt. Luftschlösser gezeugt durch
die Entwurzelung Pepes.
"El Último Tren" ist ein
Drama, das durch subtile Bilder, philosophische Stille und erhabene
Bescheidenheit besticht.
Seit dem 14. Juli 2005 im Kino.
Originaltitel: El Último Tren
(ARG/ESP/UR, 2002)
Regie: Diego Arsuaga
Darsteller: Héctor Alterio, Federico Luppi, Pepe Soriano,
Gastón Pauls, Balaram Dinard, Saturnino García
u.a.
Dauer: 93 min.
CH-Verleih: Cineworx
www.cineworx.ch
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