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Nr. 134 / August 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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"El Último Tren" von Diego Arsuga (Drama) | Cineworx
"El Patrimonio no se vende"

Drei Freunde machen eine Reise für die Identität eines ganzen Landes. Sie werden zu Nationalhelden und begreifen, dass die Veränderung ein unwillkürliches Echo der Zeit ist. Ein Drama auf Schienen.

Von Sven J. Zaugg.

Die "Friends of the Rails Association" in Uruguay sind bestürzt, als sie erfahren, dass ihr Heiligtum, die Lokomotive "Heart of Fire" Nr. 33, an ein Hollywood-Studio verkauft werden soll. Es wird nicht lange gefackelt. Drei rüstigen Veteranen vom Verein der Eisenbahnfreunde machen mobil und hecken einen Plan aus, um die "Heart of Fire" zu entführen. Der Professor (Héctor Alterio), Pepe (Federico Luppi) und der Sekretär "Dante" (Pepe Soriano) bereiten sich minutiös für den Überfall auf das Zugdepot vor. Jeder auf seine eigentümliche Art. Der Professor hinterlässt einen pathetischen Brief für seine Frau und legt den Ehering dazu. Pepe packt kurzerhand Arbeitgebers Sohn untern Arm, weil dieser ihn überredet mitkommen zu dürfen, und Dante, der Vergessliche, kramt nach Anleitung aus seinem Notizbuch seine Toilettenartikel zusammen. Später treffen sie sich vor dem Zugdepot. Eine zweite Tranche der "Friends of the Rails Association" ist für die Medien zuständig. Ausgestattet mit Kameramann warten sie, bis die schwarze Schönheit die Türen ihres Gefängnisses einreisst und mit Volldampf auf Reisen geht, gejagt von der Polizei, gefeiert von der Bevölkerung.

Dampfend und schnaufend
Der Regisseur Diego Arsuaga hat eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, Identität und den Willen, sich neu zu entdecken, geschaffen. Mit jedem Kilometer, den die Lokomotive und ihr Vierergespann zurücklegen, offenbaren die so unterschiedlichen Figuren ihr Innerstes. Wie identifiziert man sich mit einer Zeit, die nur in Sehnsucht nach dem Vergangenen greifbar ist? Man lebt in Gedanken und Träumen, in Bildern vergangener Jugendtage. Es ist eine innere Reise, die die drei Protagonisten antreten, eine anspruchsvolle Reise zu sich selbst im fortgeschrittenen Alter. Der Professor, Pepe und der Sekretär "Dante" realisieren mehr und mehr, dass sie ihr Leben schon gelebt haben und nur noch ein kleiner Teil ihres Weges zu begehen ist. Es ist ihnen bewusst, in Körper und Geist gealtert zu haben. Mit diesem Bewusstsein entwickeln die Figuren einen neuen Zugang zu sich selbst.

Das zentrale Thema in Diego Arsuagas Roadmovie "El Último Tren" ist das Bewusstsein. Immer wieder zeigt Arsuaga durch sanfte Schnitte in die Landschaft Uruguays die Mutation der Figuren, ja das Bewusstwerden, dass Veränderung ein unwillkürliches Echo der Zeit ist. Unaufhaltbar. Das Bild der Lokomotive, die sich dampfend und schnaufend den Weg über die längst stillgelegten Gleise Uruguays bahnt, ist dabei die passende Metapher. Es sind die stillen Momente, die eine bemerkenswerte Kraft entfalten.

Im Kontrast zu den Herren älteren Kalibers ist Guito, ein Jüngling im zarten Alter von elf Jahren. Er verkörpert die neue Generation Uruguays. Die Generation, die es versteht, mit Mobilfunk und Fernsehen umzugehen. Mit dem kleinen Guito zeigt Arsuaga, wie wichtig es ist, sich orientieren zu können. Wie normal es ist, sich an der älteren Generation zu orientieren, an seinen Wurzeln, seiner Herkunft. Immer wieder lauscht Guito gespannt den Kriegsanekdoten von Pepe, die weder wahr sind, noch selbst erlebt. Luftschlösser gezeugt durch die Entwurzelung Pepes.

"El Último Tren" ist ein Drama, das durch subtile Bilder, philosophische Stille und erhabene Bescheidenheit besticht.

Seit dem 14. Juli 2005 im Kino.

Originaltitel: El Último Tren (ARG/ESP/UR, 2002)
Regie: Diego Arsuaga
Darsteller: Héctor Alterio, Federico Luppi, Pepe Soriano, Gastón Pauls, Balaram Dinard, Saturnino García u.a.
Dauer: 93 min.
CH-Verleih: Cineworx

www.cineworx.ch


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