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Nr. 134 / August 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fat Kills!

Diskriminierung ist kein Thema von gestern. Auch heute noch gibt es immer wieder Opfer, welche gemieden und ausgestossen werden, welche man bloßstellt, beschimpft und am liebsten ausrotten möchte. Eines dieser Opfer ist das Fett.

Von Lukas Hunziker.

Fett ist böse. Dies ist wohl einer der prägendsten Glaubenssätze unserer Gesellschaft. Fett behindert Magersucht, macht einen unattraktiv, treibt einen in die Hässlichkeit. Hässliche Menschen bekommen keinen Partner, haben keinen Sex, können deshalb keine Kinder bekommen, niemand mehr bezahlt AHV und die Menschheit stirbt aus. Fett wird den Menschen ausrotten, ihn von unserem Planeten wegwischen. Doch noch haben wir Zeit, es aufzuhalten.

Freakshow im Coop
Doch dies geht nur schrittweise. Schliesslich haben wir uns alle an Köstlichkeiten wie Butter, Käse, Rahm, Fleisch und Schokolade gewöhnt und möchten unser Leben nicht ohne diese ergötzlichen Weggefährten fristen. Die logische Folge aus diesem Umstand wurde schon längst gezogen: wir brauchen diese Produkte, aber ohne Fett. Die Zahl der Produkte, die mit "Lifestyle" oder gar "Weight Watchers" angeschrieben sind, scheint exponentiell zu steigen. Als ich kürzlich im Coop einkaufte, traf ich auf von Fett gesäuberten Camembert, Kaffeerahm und Nature-Joghurt. Sogar Weight Watcher Salami und Schnitzel liefen mir über den Weg. Irgendwie fand ich das ebenso pervers, wie wenn man Hundefilet oder Bärenmilch hätte kaufen können.

Wie der Mensch das Fett betrog
Denn eigentlich gibt doch gerade das Fett diesen Nahrungsmitteln den besonderen Genuss. Der menschliche Gaumen findet Fett nun mal toll und das bestimmt mit gutem Grund. Denn hätten unsere Vorfahren vor dem toten Mammut stehend die Nase gerümpft und gemurmelt: "Nicht essen das, haben Fett darin", wären heute wohl die Delfine die intelligenteste Spezies auf diesem Planeten. Fett gibt uns die Energie, die wir brauchen, um das nächste Mammut zu erledigen. Dass wir heute alle zu faul sind, um auf die Jagd zu gehen ist wohl kaum der Fehler des Fetts. Schlussendlich sind wir selber schuld, dass wir uns in eine Richtung entwickelt haben, in welche Freund Fett uns nicht folgen kann.

Fettarme Nichtsnutze
Welchen Gefallen man sich mit "Lifestyle" oder "Weight Watchers" Produkten tut, wissen wohl nur die zahlreichen Konsumenten dieser fettverachtenden Produkte. Ist es Faulheit oder fehlende Zeit, die durch das Fett gewonnene Energie zu benutzen? Ist es panische Angst vor dem Verlust einer Bohnenfigur, für welche die Frauen der Mammutjäger einen ausgelacht oder gar bemitleidet hätten? Oder ist es gar der verzweifelte Versuch, sich gesünder zu ernähren? Dabei würde man dafür lieber Bioprodukte als Fettmuffel einkaufen. Und die Ausrede, dass man mit solchen Produkten Gewicht verliert, zählt erst recht nicht. Denn erstens hat auch Lifestylekäse immer noch mehr Fett als die Herrlichkeiten einer netten Frucht- oder Gemüsediät und zweitens ist die Gefahr gross, dass man mehr davon isst, da es ja weniger böse ist. Und schon ist man bei der alten Portion Fett, die man auch aus einem viel besser schmeckenden richtigen Käse hätte ziehen können.

Exorzismus des Dämons Fett
Es mag zwar Leute geben, für die Lifestyleprodukte die Rolle einer kontrollierten Drogenabgabe einnehmen, und sie langsam von dem teuflischen Zeug namens Fett wegbringen. Warum jedoch bald jedes Produkt in Coop oder Migros auch in exorzierter Form erhältlich ist, macht stutzig. Vielleicht werden wir nur auf den Fettgehalt gewisser Produkte aufmerksam, weil daneben jene Produkte mit nur 10% des Originalfettanteils stehen, was uns sagt: wenn du das kaufst, wirst du dick, wenn du das kaufst bleibst du dürr. Wie soll das weitergehen? Wird schon bald wie auf den Zigarettenpackungen auch auf dem Mascarpone stehen "Fat kills" oder "Fat seriously endangers your well developing anorexia"?

Hoffen wir es nicht. Denn viele Menschen lieben Fett, ohne dass sie selber fett sind. Ich bin dafür das beste Beispiel. Deshalb gehe ich jetzt kochen. Spaghetti Carbonara. Mit viel Rahm und Käse und Speck. Mit der daraus gewonnenen Energie kann ich später heute mindestens eine Stunde vollgas velofahren gehen. Dem Fett sei dank.


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