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Fat Kills!

Diskriminierung ist kein Thema von gestern.
Auch heute noch gibt es immer wieder Opfer, welche gemieden und
ausgestossen werden, welche man bloßstellt, beschimpft
und am liebsten ausrotten möchte. Eines dieser Opfer ist
das Fett.
Von Lukas Hunziker.
Fett ist böse. Dies ist wohl einer der
prägendsten Glaubenssätze unserer Gesellschaft. Fett
behindert Magersucht, macht einen unattraktiv, treibt einen in
die Hässlichkeit. Hässliche Menschen bekommen keinen
Partner, haben keinen Sex, können deshalb keine Kinder bekommen,
niemand mehr bezahlt AHV und die Menschheit stirbt aus. Fett
wird den Menschen ausrotten, ihn von unserem Planeten wegwischen.
Doch noch haben wir Zeit, es aufzuhalten.
Freakshow im Coop
Doch dies geht nur schrittweise. Schliesslich haben wir uns alle
an Köstlichkeiten wie Butter, Käse, Rahm, Fleisch und
Schokolade gewöhnt und möchten unser Leben nicht ohne
diese ergötzlichen Weggefährten fristen. Die logische
Folge aus diesem Umstand wurde schon längst gezogen: wir
brauchen diese Produkte, aber ohne Fett. Die Zahl der Produkte,
die mit "Lifestyle" oder gar "Weight Watchers"
angeschrieben sind, scheint exponentiell zu steigen. Als ich
kürzlich im Coop einkaufte, traf ich auf von Fett gesäuberten
Camembert, Kaffeerahm und Nature-Joghurt. Sogar Weight Watcher
Salami und Schnitzel liefen mir über den Weg. Irgendwie
fand ich das ebenso pervers, wie wenn man Hundefilet oder Bärenmilch
hätte kaufen können.
Wie der Mensch das Fett betrog
Denn eigentlich gibt doch gerade das Fett diesen Nahrungsmitteln
den besonderen Genuss. Der menschliche Gaumen findet Fett nun
mal toll und das bestimmt mit gutem Grund. Denn hätten unsere
Vorfahren vor dem toten Mammut stehend die Nase gerümpft
und gemurmelt: "Nicht essen das, haben Fett darin",
wären heute wohl die Delfine die intelligenteste Spezies
auf diesem Planeten. Fett gibt uns die Energie, die wir brauchen,
um das nächste Mammut zu erledigen. Dass wir heute alle
zu faul sind, um auf die Jagd zu gehen ist wohl kaum der Fehler
des Fetts. Schlussendlich sind wir selber schuld, dass wir uns
in eine Richtung entwickelt haben, in welche Freund Fett uns
nicht folgen kann.
Fettarme Nichtsnutze
Welchen Gefallen man sich mit "Lifestyle"
oder "Weight Watchers" Produkten tut, wissen wohl nur
die zahlreichen Konsumenten dieser fettverachtenden Produkte.
Ist es Faulheit oder fehlende Zeit, die durch das Fett gewonnene
Energie zu benutzen? Ist es panische Angst vor dem Verlust einer
Bohnenfigur, für welche die Frauen der Mammutjäger
einen ausgelacht oder gar bemitleidet hätten? Oder ist es
gar der verzweifelte Versuch, sich gesünder zu ernähren?
Dabei würde man dafür lieber Bioprodukte als Fettmuffel
einkaufen. Und die Ausrede, dass man mit solchen Produkten Gewicht
verliert, zählt erst recht nicht. Denn erstens hat auch
Lifestylekäse immer noch mehr Fett als die Herrlichkeiten
einer netten Frucht- oder Gemüsediät und zweitens ist
die Gefahr gross, dass man mehr davon isst, da es ja weniger
böse ist. Und schon ist man bei der alten Portion Fett,
die man auch aus einem viel besser schmeckenden richtigen Käse
hätte ziehen können.
Exorzismus des Dämons Fett
Es mag zwar Leute geben, für die Lifestyleprodukte die Rolle
einer kontrollierten Drogenabgabe einnehmen, und sie langsam
von dem teuflischen Zeug namens Fett wegbringen. Warum jedoch
bald jedes Produkt in Coop oder Migros auch in exorzierter Form
erhältlich ist, macht stutzig. Vielleicht werden wir nur
auf den Fettgehalt gewisser Produkte aufmerksam, weil daneben
jene Produkte mit nur 10% des Originalfettanteils stehen, was
uns sagt: wenn du das kaufst, wirst du dick, wenn du das kaufst
bleibst du dürr. Wie soll das weitergehen? Wird schon bald
wie auf den Zigarettenpackungen auch auf dem Mascarpone stehen
"Fat kills" oder "Fat seriously endangers your
well developing anorexia"?
Hoffen wir es nicht. Denn viele Menschen lieben
Fett, ohne dass sie selber fett sind. Ich bin dafür das
beste Beispiel. Deshalb gehe ich jetzt kochen. Spaghetti Carbonara.
Mit viel Rahm und Käse und Speck. Mit der daraus gewonnenen
Energie kann ich später heute mindestens eine Stunde vollgas
velofahren gehen. Dem Fett sei dank.
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