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Frauen & Fussball und Grosse Erkenntnisse
Von Selma Käppeli.
Tja, meine Recherchereise in ein fernes
Land hat auch nicht geklappt. Mir soll's ja nicht besser gehen
als dir, nicht wahr? Die Sparmassnahmen grassieren wie die Heuschreckenplage
im Alten Testament. Etwas Gutes hat ja die geplatzte Bulgarienreise:
Dank Migros-Klubschule sprichst du jetzt fliessend bulgarisch.
Wer hat übrigens den Kurs bezahlt? Du? Oder die Chefredaktion?
Tief beeindruckt bin ich ja nach wie vor von
deinem überaus spannenden und informativen Fussball-Aufwisch.
Da kann ich natürlich nicht mithalten; höre aber gerne
zu, wenn sich eine versammelte Runde Männer, am liebsten,
in wilder Diskussion "ich-weiss-sowieso-mehr-über-fussball-als-du-depp"
ihre Egos aufpolieren. Da setze ich mich doch gerne dazu, bin
ganz still und enthalte mich jeden Kommentars. Aber unterhaltsam
ist es: Puterrote Köpfe, wild umhergestikulierend, in der
einen Hand ein Bier, in der anderen die Zigarette, um den Hals
den Schal der favorisierten Mannschaft, und das schon etwas schüttere
Haar mit einem schicken Käppi versteckt. Am besten vor dem
TV während einer Live-Übertragung (finde ich ja sowieso
viel besser, weil es die wunderbare Erfindung von Wiederholung
und slow-motion gibt. Damit auch die Frauen die Tore mitkriegen):
The Football Fight Club Welcomes You To The Show.
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Richtig? Oder Falsch? |
Oder einfacher, aber genauso effizient:
man organisiert ein Waldfest und platziert einen Basler gegenüber
einem Berner. Uhhh, es geht ab! Das Thema war natürlich
Bruder Yakin, der ja jetzt in den Genuss des Bärner Charmes
kommt. Stuttgart und Istanbul waren halt schon etwas gar herb
für einen zartbesaiteten Jüngling? Um zur "Diskussion"
zurückzukommen: der Basler vertrat die Meinung, dass der
Einkauf ein ganz schlecht getätigter sei, Yakin habe seine
Zeit gehabt, nämlich beim FCB, jawollll! und der komme nach
den traumatischen Auslandserfahrungen nie mehr auf Touren. Der,
etwas naive (vielleicht), Berner hat den Tiraden des Baslers
Einhalt geboten und sachlich, gemässigt, hin und wieder
einen Schluck Bier nehmend, argumentiert, dass "dr Yakin
de scho no chunnt"....Tja, hoffen wir's für ihn - und
YB, und die Berner und für mich: Ja, genau, das spielt eine
grosse Rolle für mich, ob mit YB alles im Lot ist oder nicht.
Das ist so, weil sich in meinem Team nur Frauen befinden, die
YB Fans sind (aus welchen Gründen auch immer). Jeden Sonntag
pilgern sie zum Neufeld (der geneigte Leser möge meine Unwissenheit
entschuldigen ob der Spielzeiten und -orten), trinken Bier und
fanen. Wie's denn so kommen musste, diskutierten sie eines Abends
nach dem Training über besagten Neueinkauf: "Auso,i
hätt ja lieber dr Muratli gha, dä isch viiillll härziger,
gäll?" Da kann man einfach nichts mehr sagen, oder?
Vor allem, wenn's in breitestem Berndeutsch vorgetragen wird.
In diesem Moment begriff ich vieles: Frauen, jedenfalls die,
die ich kenne, schauen sich Fussball wegen der properen Männer
an! Aha! An einem Abend mache ich also den Selbstversuch und
verdonnere mich zu einem Fussballabend (ich habe genau 10 Minuten
durchgehalten, mit WC Pause): Was finden denn alle an 22 schwitzenden,
schreienden, wehleidigen!! Typen, die kreuz und quer einem Ball
hinterher jagen? A propos wehleidig: In den 10 Minuten, die ich
gekuckt habe, gingen mindestens 4 Typen zu Boden, haben sich
gekrümmt, die Sanis mussten mit dem Kühlspray ausrücken,
weitere 30 Sekunden Gewinsle und schmerz-verzehrtes Gesicht,
dann, endlich, erheben sie sich und nach zwei Schritten hüpfen
sie schon wieder wie ein junges Rehli. Und die Fans sind noch
so doof und jubeln denen zu.... Haben Männer etwa deshalb
das Gefühl, bei einer Grippe gleich sterben zu müssen?
Wegen dem Fussball? Weil sie dann von Fans bejubelt werden?
So, jetzt habe ich mich auch mal über den langweiligsten
Sport der Welt (als gezwungene Zuschauerin, nicht aber als Mit-in-der-Runde-Sitzerin)
unterhalten. Eher monologisiert. Aber voilà, wenden wir
uns wichtigerem zu: Bei besagtem Waldfest ist es mir wie Schuppen
von den Augen gefallen: Die weibliche Intuition funktioniert
im Wald nicht. (Die Karte übrigens auch nicht). Und die
männliche Intuition hat nach 50 Metern und drei Abzweigungen
dann auch den Geist aufgegeben. Da sassen wir also, zwei elende
Häuflein, auf meinem Roller. Mein Schätzeli hatte sich
vorsichtshalber in sicheren Abstand vor mir gebracht, weil ich
einen mittleren Wutanfall hatte. Niemand hatte es offenbar für
notwendig gehalten, das Natel einzuschalten:"Hallooo, i
bi grad leider nit da, aber i fröie mi u uf dini message".
Ja, LEIDER, bist du nicht da! Was tun? Wir fuhren dann mal weiter
in den Wald hinein. Vielleicht steht ja die Hütte zufällig
hinter dieser nächsten Abzweigung? Falsch: Wenn Blicke töten
könnten, wären wir das jetzt vermutlich. Eine ganz
nette Familie auf Fahrrad kam uns entgegen. Von Nahem war die
Familie dann nicht mehr ganz so nett: Pfui, aber auch! Im Wald
Roller fahren! Wo das Fahrverbotsschlid doch so eine Leuchtkraft
entfaltet! Wir machten uns also schleunigst auf den Weg zurück,
back to the roots, quasi, und warteten auf eine Eingebung. Die
kam dann auch in Person des Freundes meiner Freundin. Er wusste
dann auf welchen verschlungenen Wegen wir zur Hütte gelangen
konnten. Endlich ein Bier!! Und von allen Seiten die gleichen
Beteuerungen: "Ja, ja, mir hei ni's äbe o verfahre,
d Charte isch ä rächtä Scheiss, gäll?"
Tatsächlich, das ist sie. Aber warum habt ihr die Natels
nicht eingeschaltet? Aber was will man sagen, kommt doch die
Erklärung in breitestem Berndeutsch daher und von derjenigen,
die meinem innigsten Wunsch nach Miller nachgekommen ist? Nichts!
Bei der Rückfahrt, es war sehr spät und sehr dunkel
und sehr wackelig (wegen den Unebenheiten des Weges). Wir waren
wieder einmal die letzten, die den Motor anwarfen. Aber verfahren
würden wir uns jetzt nicht mehr, wir müssen ja einfach
den gleichen Weg zurück, auf dem wir vor so vielen Stunden
gekommen sind. Ja, das war wohl zu optimistisch. Aber schliesslich
wies uns der Mond den richtigen Weg und wir kamen wohlbehalten
zu Hause an. Mit dem neugewonnenen Bewusstsein, dass sämtliche
Intuitionen im Wald funktionsuntüchtig sind und dass 1.
einem nur der Freund der Freundin aus der Patsche helfen kann
oder 2. der einzige Helfer der Nacht der Mond ist.
Übrigens, mein Verehrtester: Die Malediven
fallen aus. Die Chefredaktion sagt NIET! Wirklich, sehr schade
für dich! Ich fühle natürlich mit dir, was würde
dir denn über den Schmerz hinweg helfen? Schokolade vielleicht?
Oder Fussball? Oder eine Runde Tschou Sepp? Was hilft einem Mann
über den Schmerz einer versagten Reise hinweg?
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