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Nr. 134 / August 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Frauen & Fussball und Grosse Erkenntnisse

Von Selma Käppeli.

Tja, meine Recherchereise in ein fernes Land hat auch nicht geklappt. Mir soll's ja nicht besser gehen als dir, nicht wahr? Die Sparmassnahmen grassieren wie die Heuschreckenplage im Alten Testament. Etwas Gutes hat ja die geplatzte Bulgarienreise: Dank Migros-Klubschule sprichst du jetzt fliessend bulgarisch. Wer hat übrigens den Kurs bezahlt? Du? Oder die Chefredaktion?

Tief beeindruckt bin ich ja nach wie vor von deinem überaus spannenden und informativen Fussball-Aufwisch. Da kann ich natürlich nicht mithalten; höre aber gerne zu, wenn sich eine versammelte Runde Männer, am liebsten, in wilder Diskussion "ich-weiss-sowieso-mehr-über-fussball-als-du-depp" ihre Egos aufpolieren. Da setze ich mich doch gerne dazu, bin ganz still und enthalte mich jeden Kommentars. Aber unterhaltsam ist es: Puterrote Köpfe, wild umhergestikulierend, in der einen Hand ein Bier, in der anderen die Zigarette, um den Hals den Schal der favorisierten Mannschaft, und das schon etwas schüttere Haar mit einem schicken Käppi versteckt. Am besten vor dem TV während einer Live-Übertragung (finde ich ja sowieso viel besser, weil es die wunderbare Erfindung von Wiederholung und slow-motion gibt. Damit auch die Frauen die Tore mitkriegen): The Football Fight Club Welcomes You To The Show.

Richtig? Oder Falsch?
Oder einfacher, aber genauso effizient: man organisiert ein Waldfest und platziert einen Basler gegenüber einem Berner. Uhhh, es geht ab! Das Thema war natürlich Bruder Yakin, der ja jetzt in den Genuss des Bärner Charmes kommt. Stuttgart und Istanbul waren halt schon etwas gar herb für einen zartbesaiteten Jüngling? Um zur "Diskussion" zurückzukommen: der Basler vertrat die Meinung, dass der Einkauf ein ganz schlecht getätigter sei, Yakin habe seine Zeit gehabt, nämlich beim FCB, jawollll! und der komme nach den traumatischen Auslandserfahrungen nie mehr auf Touren. Der, etwas naive (vielleicht), Berner hat den Tiraden des Baslers Einhalt geboten und sachlich, gemässigt, hin und wieder einen Schluck Bier nehmend, argumentiert, dass "dr Yakin de scho no chunnt"....Tja, hoffen wir's für ihn - und YB, und die Berner und für mich: Ja, genau, das spielt eine grosse Rolle für mich, ob mit YB alles im Lot ist oder nicht. Das ist so, weil sich in meinem Team nur Frauen befinden, die YB Fans sind (aus welchen Gründen auch immer). Jeden Sonntag pilgern sie zum Neufeld (der geneigte Leser möge meine Unwissenheit entschuldigen ob der Spielzeiten und -orten), trinken Bier und fanen. Wie's denn so kommen musste, diskutierten sie eines Abends nach dem Training über besagten Neueinkauf: "Auso,i hätt ja lieber dr Muratli gha, dä isch viiillll härziger, gäll?" Da kann man einfach nichts mehr sagen, oder? Vor allem, wenn's in breitestem Berndeutsch vorgetragen wird. In diesem Moment begriff ich vieles: Frauen, jedenfalls die, die ich kenne, schauen sich Fussball wegen der properen Männer an! Aha! An einem Abend mache ich also den Selbstversuch und verdonnere mich zu einem Fussballabend (ich habe genau 10 Minuten durchgehalten, mit WC Pause): Was finden denn alle an 22 schwitzenden, schreienden, wehleidigen!! Typen, die kreuz und quer einem Ball hinterher jagen? A propos wehleidig: In den 10 Minuten, die ich gekuckt habe, gingen mindestens 4 Typen zu Boden, haben sich gekrümmt, die Sanis mussten mit dem Kühlspray ausrücken, weitere 30 Sekunden Gewinsle und schmerz-verzehrtes Gesicht, dann, endlich, erheben sie sich und nach zwei Schritten hüpfen sie schon wieder wie ein junges Rehli. Und die Fans sind noch so doof und jubeln denen zu.... Haben Männer etwa deshalb das Gefühl, bei einer Grippe gleich sterben zu müssen? Wegen dem Fussball? Weil sie dann von Fans bejubelt werden?
So, jetzt habe ich mich auch mal über den langweiligsten Sport der Welt (als gezwungene Zuschauerin, nicht aber als Mit-in-der-Runde-Sitzerin) unterhalten. Eher monologisiert. Aber voilà, wenden wir uns wichtigerem zu: Bei besagtem Waldfest ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Die weibliche Intuition funktioniert im Wald nicht. (Die Karte übrigens auch nicht). Und die männliche Intuition hat nach 50 Metern und drei Abzweigungen dann auch den Geist aufgegeben. Da sassen wir also, zwei elende Häuflein, auf meinem Roller. Mein Schätzeli hatte sich vorsichtshalber in sicheren Abstand vor mir gebracht, weil ich einen mittleren Wutanfall hatte. Niemand hatte es offenbar für notwendig gehalten, das Natel einzuschalten:"Hallooo, i bi grad leider nit da, aber i fröie mi u uf dini message". Ja, LEIDER, bist du nicht da! Was tun? Wir fuhren dann mal weiter in den Wald hinein. Vielleicht steht ja die Hütte zufällig hinter dieser nächsten Abzweigung? Falsch: Wenn Blicke töten könnten, wären wir das jetzt vermutlich. Eine ganz nette Familie auf Fahrrad kam uns entgegen. Von Nahem war die Familie dann nicht mehr ganz so nett: Pfui, aber auch! Im Wald Roller fahren! Wo das Fahrverbotsschlid doch so eine Leuchtkraft entfaltet! Wir machten uns also schleunigst auf den Weg zurück, back to the roots, quasi, und warteten auf eine Eingebung. Die kam dann auch in Person des Freundes meiner Freundin. Er wusste dann auf welchen verschlungenen Wegen wir zur Hütte gelangen konnten. Endlich ein Bier!! Und von allen Seiten die gleichen Beteuerungen: "Ja, ja, mir hei ni's äbe o verfahre, d Charte isch ä rächtä Scheiss, gäll?" Tatsächlich, das ist sie. Aber warum habt ihr die Natels nicht eingeschaltet? Aber was will man sagen, kommt doch die Erklärung in breitestem Berndeutsch daher und von derjenigen, die meinem innigsten Wunsch nach Miller nachgekommen ist? Nichts!
Bei der Rückfahrt, es war sehr spät und sehr dunkel und sehr wackelig (wegen den Unebenheiten des Weges). Wir waren wieder einmal die letzten, die den Motor anwarfen. Aber verfahren würden wir uns jetzt nicht mehr, wir müssen ja einfach den gleichen Weg zurück, auf dem wir vor so vielen Stunden gekommen sind. Ja, das war wohl zu optimistisch. Aber schliesslich wies uns der Mond den richtigen Weg und wir kamen wohlbehalten zu Hause an. Mit dem neugewonnenen Bewusstsein, dass sämtliche Intuitionen im Wald funktionsuntüchtig sind und dass 1. einem nur der Freund der Freundin aus der Patsche helfen kann oder 2. der einzige Helfer der Nacht der Mond ist.

Übrigens, mein Verehrtester: Die Malediven fallen aus. Die Chefredaktion sagt NIET! Wirklich, sehr schade für dich! Ich fühle natürlich mit dir, was würde dir denn über den Schmerz hinweg helfen? Schokolade vielleicht? Oder Fussball? Oder eine Runde Tschou Sepp? Was hilft einem Mann über den Schmerz einer versagten Reise hinweg?


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