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Smog, Dirt Blue Gene (29. Juni 2005) | Fri-Son,
Fribourg
Professionelle Melancholie unter glitzerndem Totenschädel
Es war einer der (raren) Abende, an
denen man sich mit Recht sehr viel von relativ wenig erhoffen
durfte: Smog (alias Bill Callahan) erwies der Schweiz mit seinem
Auftritt im Fri-Son die Ehre und nutzte dabei einmal mehr die
Gelegenheit, die wenn auch spärlich herbeigepilgerten Anhänger
mit seiner unvergleichlichen Charakterstimme zu beeindrucken
und in weit entlegene Gefilde zu (ver)führen.
Von Marco Durrer.
Es dürften nicht mehr als zwei Dutzend
Personen gewesen sein, die sich die Wartezeit auf Smog durch
die britische Vorband Dirt Blue Gene verkürzen haben lassen.
Sie seien ohne Uhren auf der Bühne gewesen und hätten
somit nicht gewusst, wann sie aufzuhören hätten, erklärte
mir deren Sänger - bei einem zufälligen Aufeinandertreffen
auf dem Klo - ihren ziemlich mikrigen 30minütigen Auftritt.
Vielleicht auch verständlich, dass ihnen das Zeitgefühl
abgeht, da sie die letzten paar Jahre kaum auf Tour gewesen sind,
sondern jede freie Minute im Studio verbrachten. Dennoch vermochten
sie dem geneigten Zuhörer mit ihrem "psychedelischen
Brit-Blues" - selbst dem Sänger fiel keine passendere
Beschreibung ihrer Musik ein - das erste Bier des Abends wohlklingend
zu versüssen und zugleich die Vorfreude auf die angenehme(re),
tiefe Stimme von Bill Callahan zu steigern. Auf die abschliessende
Frage des spontanen Toiletten-Interviews, ob er Smog denn möge,
kam lakonisch die Antwort: "I don't like smoke, but i do
like Smog" - oder war es doch andersrum? Denn er sprach's
und machte sich auf die Suche nach Zigaretten...
Eine amüsante Begegnung, die mich jedoch
den Genuss dreier Songs von Smog kostete, der mit seiner dreiköpfigen
Band vor mittlerweile verdoppeltem Publikum längst das düstere
Parkett unter der zum Totenschädel mutierten Spiegelkugel
betreten hatte. Oft wird er als männliches Pendant zur eigentümlichen
Stimme von Cat Power gehandelt (mit der er interessanterweise
mal liiert war), doch ganz im Gegensatz zu ihr schien er von
seriöser Professionalität durchdrungen und weit entfernt
von alkoholischen Eskapaden und Konzertabbrüchen. Frisch
rasiert, im in der Jeans steckenden blauen Hemd und richtiggehend
geschniegelt und brav sass er auf dem Barhocker und präsentierte
ein abwechslungsreiches Potpourri seines Musikschaffens der letzten
zehn Jahre. Hierbei bildeten die Songs seiner neusten Platte
natürlich den Schwerpunkt, aber auch die grossen Hits von
drei, vier älteren Alben gingen zur Freude aller nicht vergessen
(von "Say Valley Maker" über "Rock Bottom
Riser" zu "Cold Blooded Old-Times"). Ironisch
wie seine Texte wirkte auch sein sauberes Auftreten im Vergleich
mit den Geschichten, die er singend zu erzählen wusste.
Mit seiner eindringlichen, eigentlich rauen und tiefen, aber
doch so sanft gefühlsgeladenen Stimme kitzelte, oder vielmehr
streichelte er dem Zuhörer das Herz und entführte ihn
in ländliche, staubige Gefilde - und man wähnte
sich schwitzend neben dem Saiten zupfenden Bill am Damm sitzen
und einen kühlen Whiskey-Cola trinken. Ausserdem vermochte
er durch zahlreiche "Tanzeinlagen" zu verblüffen,
wie dem auf die linke Seite kippende Kopf, und bei schnelleren
Stücken trippelte er verspielt auf der Stelle und wagte
gar so manchen Ausfallschritt. Nach leider nur gut 70 Minuten
beschloss der (wie alle Songs) grossartig vorgetragene "River
Guard" den die grossen Erwartungen absolut erfüllenden
Abend mit einer tüchtigen Gänsehaut. Zu einer Zugabe
liess sich der professionell ironische Melancholiker dann aber
leider nicht hinreissen - hoffentlich liefert er diese bald
nach.
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