AKTUELL   ARCHIV & SUCHE   NEWSLETTER   INFOS   KONTAKT

Nr. 134 / August 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FESTIVALS    LABELS    RADIOSTATIONEN    INTERVIEW    NEUHEITEN    MEILENSTEINE    KOLUMNEN    KONZERTE

 

« ZURÜCK

 

WEITER »

Überblick

BERICHTE:
Eagles Of Death Metal
CocoRosie / Devendra Banhart
Smog
M.I.A.
Joy Denalane

VORFREUDE:
Maximo Park
Jurassic 5
Bonnie "Prince" Billy & Matt Sweeney
 

Smog, Dirt Blue Gene (29. Juni 2005) | Fri-Son, Fribourg
Professionelle Melancholie unter glitzerndem Totenschädel

Es war einer der (raren) Abende, an denen man sich mit Recht sehr viel von relativ wenig erhoffen durfte: Smog (alias Bill Callahan) erwies der Schweiz mit seinem Auftritt im Fri-Son die Ehre und nutzte dabei einmal mehr die Gelegenheit, die wenn auch spärlich herbeigepilgerten Anhänger mit seiner unvergleichlichen Charakterstimme zu beeindrucken und in weit entlegene Gefilde zu (ver)führen.

Von Marco Durrer.

Es dürften nicht mehr als zwei Dutzend Personen gewesen sein, die sich die Wartezeit auf Smog durch die britische Vorband Dirt Blue Gene verkürzen haben lassen. Sie seien ohne Uhren auf der Bühne gewesen und hätten somit nicht gewusst, wann sie aufzuhören hätten, erklärte mir deren Sänger - bei einem zufälligen Aufeinandertreffen auf dem Klo - ihren ziemlich mikrigen 30minütigen Auftritt. Vielleicht auch verständlich, dass ihnen das Zeitgefühl abgeht, da sie die letzten paar Jahre kaum auf Tour gewesen sind, sondern jede freie Minute im Studio verbrachten. Dennoch vermochten sie dem geneigten Zuhörer mit ihrem "psychedelischen Brit-Blues" - selbst dem Sänger fiel keine passendere Beschreibung ihrer Musik ein - das erste Bier des Abends wohlklingend zu versüssen und zugleich die Vorfreude auf die angenehme(re), tiefe Stimme von Bill Callahan zu steigern. Auf die abschliessende Frage des spontanen Toiletten-Interviews, ob er Smog denn möge, kam lakonisch die Antwort: "I don't like smoke, but i do like Smog" - oder war es doch andersrum? Denn er sprach's und machte sich auf die Suche nach Zigaretten...

Eine amüsante Begegnung, die mich jedoch den Genuss dreier Songs von Smog kostete, der mit seiner dreiköpfigen Band vor mittlerweile verdoppeltem Publikum längst das düstere Parkett unter der zum Totenschädel mutierten Spiegelkugel betreten hatte. Oft wird er als männliches Pendant zur eigentümlichen Stimme von Cat Power gehandelt (mit der er interessanterweise mal liiert war), doch ganz im Gegensatz zu ihr schien er von seriöser Professionalität durchdrungen und weit entfernt von alkoholischen Eskapaden und Konzertabbrüchen. Frisch rasiert, im in der Jeans steckenden blauen Hemd und richtiggehend geschniegelt und brav sass er auf dem Barhocker und präsentierte ein abwechslungsreiches Potpourri seines Musikschaffens der letzten zehn Jahre. Hierbei bildeten die Songs seiner neusten Platte natürlich den Schwerpunkt, aber auch die grossen Hits von drei, vier älteren Alben gingen zur Freude aller nicht vergessen (von "Say Valley Maker" über "Rock Bottom Riser" zu "Cold Blooded Old-Times"). Ironisch wie seine Texte wirkte auch sein sauberes Auftreten im Vergleich mit den Geschichten, die er singend zu erzählen wusste. Mit seiner eindringlichen, eigentlich rauen und tiefen, aber doch so sanft gefühlsgeladenen Stimme kitzelte, oder vielmehr streichelte er dem Zuhörer das Herz und entführte ihn in ländliche, staubige Gefilde - und man wähnte sich schwitzend neben dem Saiten zupfenden Bill am Damm sitzen und einen kühlen Whiskey-Cola trinken. Ausserdem vermochte er durch zahlreiche "Tanzeinlagen" zu verblüffen, wie dem auf die linke Seite kippende Kopf, und bei schnelleren Stücken trippelte er verspielt auf der Stelle und wagte gar so manchen Ausfallschritt. Nach leider nur gut 70 Minuten beschloss der (wie alle Songs) grossartig vorgetragene "River Guard" den die grossen Erwartungen absolut erfüllenden Abend mit einer tüchtigen Gänsehaut. Zu einer Zugabe liess sich der professionell ironische Melancholiker dann aber leider nicht hinreissen - hoffentlich liefert er diese bald nach.


« ZURÜCK

NACH OBEN

WEITER »

Erscheint jeden Monat am 3. neu.

© 2000 - 2005 "DAS NETZMAGAZIN." Alle Rechte vorbehalten. Powered by Bürki Hosting, Spiez.