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Nr. 133 / Juli 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lois McMaster Bujold: "Paladin der Seelen" | Bastei Lübbe
Der Paladin der Langeweile

Lois McMaster Bujolds neuestes Werk aus dem Chalion-Zyklus wurde hoch gelobt, doch kann es die hohen Erwartungen auch wirklich erfüllen?

Von Magdalena Pfaffl.

Der Klappentext klingt viel versprechend; Drei Jahre nach McMaster Bujolds letztem Chalion-Werk, "Chalions Fluch", steht diesmal die jetzige Königinwitwe Ista dy Boacia im Mittelpunkt der Handlung, die in ein Abenteuer stolpert, dass das Königreich Chalion zu zerstören sucht. Soweit nichts Aussergewöhnliches für ein Fantasybuch, doch bedenkt man die zahlreichen gewonnenen Preise McMasters (darunter der Hugo und der Nebula Award), so muss einem ein Lesevergnügen der Sonderklasse erwarten. Die Sonne scheint auf den Rücken und der Leser freut sich auf einen gemütlichen Lesenachmittag.

Rückenschmerzen und Schwert?
Es ist ein interessanter Ansatz McMaster Bujolds, sich als Heldin eine Frau in ihren besten Jahren zu wählen. Warum müssen Fantasyheldinnen auch immer springlebendige Mittzwanzigerinnen oder junge Mädchen vor der Heirat sein? Ista dy Boacia ist durchaus ein sympathischer Charakter und es fällt leicht sich mit ihrem Gefühl eingesperrt zu sein zu identifizieren. Auch schafft McMaster Bujold durchaus eine lebensechte Atmosphäre, die den Zugang zur Geschichte erleichtert und den Leser fesselt - jedenfalls die ersten 100 Seiten lang.

Seite 100 - nichts gewesen
Irgendwann, nach Seite 100, wird es dann verdächtig; Wo bleibt die Verschwörung? Wo bleibt der durchgehende Handlungsstrang? Wo bleiben Gefahr, Abenteuer und die Merkmale eines Fantasybuches; fremdartige Kreaturen? Istas Vorgeschichte - die durchwegs interessant ist - und ihre Mitreisenden kennt man nun gut genug, die vielen, oft unaussprechlichen Namen der Fantasywelt hat man zu lesen gelernt und kann sich auch wichtige Handlungsorte gut vorstellen. Aber wo bleibt die Handlung? Ein kurzer Hoffnungsschimmer tut sich auf, als Königinwitwe Ista nebst Gefolgschaft von einer Horde verfeindeter Krieger schließlich entführt werden, aber 20 Seiten später ist auch das passé. Die Gefolgschaft ist auf einer Burg - mit einem hochsympathischen aber verheirateten Burgherren - in Sicherheit und an neuen Mysterien immer noch nichts in Sicht, so dass man nicht umhin kommt, sich spätestens bei Seite 200 ernsthaft die Frage zu stellen, ob man nicht ein besseres Buch im Regal finden kann.

... und zum "Drüberstreuen"
Der Ton macht die Musik, doch was wäre die Musik, wenn öfters Noten falsch eingezeichnet werden? Von einem etablierten Verlag wie dem Bastei Lübbe Verlag enttäuscht es doch, auf 10 Seiten mindestens 5 Rechtschreib- oder Tippfehler zu finden. Wurde hier an falscher Stelle, nämlich beim Übersetzen und Lektorieren gespart? Nicht zuletzt ist jeder Fehler auch ein Ärgernis, das den Leser kurz aber doch aus der Atmosphäre des Romans reißt, die McMaster Bujold ja doch mit viel Geschick schafft; vielleicht sogar genug um über die fehlende Handlung hinweg zu täuschen ... Was noch zu erwähnen ist, ist Protagonistin Istas sehr eigenwillige Gottessicht, die als solche wahrscheinlich alleine schon das Potenzial für einen wirklich spannenden Roman böte; Die fünf Götter Chalions werden von ihr als reale, nicht allzu göttlich-perfekte und oft auch intrigante, Wesen erlebt, die im Grunde ihrer Göttlichkeit doch keinen ernsten Einfluss auf die Welt haben.

Was vom Ruhme übrig blieb
Alles in Allem ist "Paladin der Seelen" ein Roman mit sehr gutem Potenzial, das allerdings nicht genutzt wird, so dass wir es mehr mit einem "Paladin der Langeweile" zu tun bekommen. Wer mit dem Chalion-Zyklus schon vertraut ist, mag sich den angesichts der Länge recht günstig zu bekommenden Lesestoff trotzdem leisten, um zu erfahren, was aus der Ista dy Boacia aus "Chalions Fluch" drei Jahre später geworden ist.

556 Seiten, CHF 16,50


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