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Lois McMaster Bujold: "Paladin der Seelen"
| Bastei Lübbe
Der Paladin der Langeweile
Lois McMaster Bujolds neuestes Werk
aus dem Chalion-Zyklus wurde hoch gelobt, doch kann es die hohen
Erwartungen auch wirklich erfüllen?
Von Magdalena Pfaffl.
Der Klappentext klingt viel versprechend;
Drei Jahre nach McMaster Bujolds letztem Chalion-Werk, "Chalions
Fluch", steht diesmal die jetzige Königinwitwe Ista
dy Boacia im Mittelpunkt der Handlung, die in ein Abenteuer stolpert,
dass das Königreich Chalion zu zerstören sucht. Soweit
nichts Aussergewöhnliches für ein Fantasybuch, doch
bedenkt man die zahlreichen gewonnenen Preise McMasters (darunter
der Hugo und der Nebula Award), so muss einem ein Lesevergnügen
der Sonderklasse erwarten. Die Sonne scheint auf den Rücken
und der Leser freut sich auf einen gemütlichen Lesenachmittag.
Rückenschmerzen und Schwert?
Es ist ein interessanter Ansatz McMaster Bujolds, sich als Heldin
eine Frau in ihren besten Jahren zu wählen. Warum müssen
Fantasyheldinnen auch immer springlebendige Mittzwanzigerinnen
oder junge Mädchen vor der Heirat sein? Ista dy Boacia ist
durchaus ein sympathischer Charakter und es fällt leicht
sich mit ihrem Gefühl eingesperrt zu sein zu identifizieren.
Auch schafft McMaster Bujold durchaus eine lebensechte Atmosphäre,
die den Zugang zur Geschichte erleichtert und den Leser fesselt
- jedenfalls die ersten 100 Seiten lang.
Seite 100 - nichts gewesen
Irgendwann, nach Seite 100, wird es dann verdächtig; Wo
bleibt die Verschwörung? Wo bleibt der durchgehende Handlungsstrang?
Wo bleiben Gefahr, Abenteuer und die Merkmale eines Fantasybuches;
fremdartige Kreaturen? Istas Vorgeschichte - die durchwegs interessant
ist - und ihre Mitreisenden kennt man nun gut genug, die vielen,
oft unaussprechlichen Namen der Fantasywelt hat man zu lesen
gelernt und kann sich auch wichtige Handlungsorte gut vorstellen.
Aber wo bleibt die Handlung? Ein kurzer Hoffnungsschimmer tut
sich auf, als Königinwitwe Ista nebst Gefolgschaft von einer
Horde verfeindeter Krieger schließlich entführt werden,
aber 20 Seiten später ist auch das passé. Die Gefolgschaft
ist auf einer Burg - mit einem hochsympathischen aber verheirateten
Burgherren - in Sicherheit und an neuen Mysterien immer noch
nichts in Sicht, so dass man nicht umhin kommt, sich spätestens
bei Seite 200 ernsthaft die Frage zu stellen, ob man nicht ein
besseres Buch im Regal finden kann.
... und zum "Drüberstreuen"
Der Ton macht die Musik, doch was wäre die Musik, wenn öfters
Noten falsch eingezeichnet werden? Von einem etablierten Verlag
wie dem Bastei Lübbe Verlag enttäuscht es doch, auf
10 Seiten mindestens 5 Rechtschreib- oder Tippfehler zu finden.
Wurde hier an falscher Stelle, nämlich beim Übersetzen
und Lektorieren gespart? Nicht zuletzt ist jeder Fehler auch
ein Ärgernis, das den Leser kurz aber doch aus der Atmosphäre
des Romans reißt, die McMaster Bujold ja doch mit viel
Geschick schafft; vielleicht sogar genug um über die fehlende
Handlung hinweg zu täuschen ... Was noch zu erwähnen
ist, ist Protagonistin Istas sehr eigenwillige Gottessicht, die
als solche wahrscheinlich alleine schon das Potenzial für
einen wirklich spannenden Roman böte; Die fünf Götter
Chalions werden von ihr als reale, nicht allzu göttlich-perfekte
und oft auch intrigante, Wesen erlebt, die im Grunde ihrer Göttlichkeit
doch keinen ernsten Einfluss auf die Welt haben.
Was vom Ruhme übrig blieb
Alles in Allem ist "Paladin der Seelen" ein Roman mit
sehr gutem Potenzial, das allerdings nicht genutzt wird, so dass
wir es mehr mit einem "Paladin der Langeweile" zu tun
bekommen. Wer mit dem Chalion-Zyklus schon vertraut ist, mag
sich den angesichts der Länge recht günstig zu bekommenden
Lesestoff trotzdem leisten, um zu erfahren, was aus der Ista
dy Boacia aus "Chalions Fluch" drei Jahre später
geworden ist.
556 Seiten, CHF 16,50
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