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Jason Starr: "Hard Feelings" (Roman)
| Diogenes
Verarbeitung traumatischer Erlebnisse
In seinem Roman "Hard Feelings"
schreibt Jason Starr von einem vierunddreissigen Computerspezialisten,
der nach zwanzig Jahren Rache nimmt und seinen Vergewaltiger
aus der Jugendzeit umbringt. Ein eindrücklicher Psychothriller
nach Starr'scher Art.
Von Thomas Iseli.
Der soeben im Taschenbuch erschienene vierte Roman von Jason
Starr dreht sich um die Person des Richard Segal. Der Computerverkäufer
befindet sich, wie typisch für Werke von Starr, am Wendepunkt
seines Lebens. Es macht ihm zu schaffen, dass seine Frau geschäftlich
um Vieles erfolgreicher ist als er selbst. Denn als Verkäufer
von Computernetzwerken gelingen ihm bei seinem neuen Arbeitgeber
keine Vertragsabschlüsse, von Mitarbeitern wird er belächelt
und vom Chef unter Druck gesetzt. Als er mitten in New York seinen
ehemaligen Vergewaltiger und Nachbarn trifft, fällt der
Protagonist in ein tiefes Trauma und kommt mit seinem Leben nicht
mehr zu Recht. Der ständige Rückfall zum Alkohol und
finanzielle Probleme stellen Richard und seine Frau Paula vor
eine auswegslose Situation, aus der er, so scheint es, nur mit
der Rache am Vergewaltiger ausbrechen kann.
Hin- und hergerissen
Die gespaltene Persönlichkeit der Hauptfigur überzeugt
und fesselt. Starr schuf einen 34jährigen Mann, der zwischen
schwarz und weiss, gut und böse, nett und aggressiv schwankt
und dadurch in eine tiefe Depression gerät. Die beiden Seiten
der Persönlichkeit könnten besser nicht beschrieben
sein. Genau so fühlt man sich als Leser des Buches. Hin-
und hergerissen von den positiven und negativen Ereignissen erlebt
man mit, dass der Protagonist sein Unglück nicht vermeiden
kann. Denn immer, wenn es gerade so gut läuft, steht bereits
der nächste Schock an. Der ständige Rückfall zum
Alkohol, die Gewalt gegenüber seiner Ehefrau und der psychische
Absturz zerreisen dem Leser das Herz.
Ein böses Ende
Wer Starr kennt, weiss, dass man immer mit dem Schlimmsten rechnen
muss. So kommt es auch in "Hard Feelings". Der junge
Autor ist der neue Meister des schwarzen Psychothrillers. Mit
seiner düsteren, aber nüchternen Erzähltechnik
fesselt er den Leser, welcher das Buch kaum mehr aus der Hand
geben möchte. Mit Themen wie Mobbing, Spiel- und Trinksucht
und Beziehungsproblemen schuf Starr Werke, die vor allem durch
saubere und verständliche Charaktereigenschaften seiner
Figuren brillieren. Im Laufe seiner Bücher hofft man immer
auf ein positives Ende und denkt, gemeinsam mit den Hauptpersonen,
dass alles gut kommt. Doch diese manövrieren sich ständig
in immer grössere Probleme, sodass die Geschichten von Jason
Starr immer mit einem bitteren, bösen Ende abschließen
und einem argen Nachgeschmack hinterlassen.
298 Seiten, CHF 14.90
www.jasonstarr.com
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