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Lisa Moos: "Das erste Mal und immer wieder"
(Roman) | Schwarzkopf & Schwarzkopf
Der Alltag im Rotlichtmilieu
Prostituierte sind Menschen - das
will Lisa Moos den Lesern ihrer autobiografischen Schilderungen
vermitteln. Moos war selbst zwanzig Jahre lang als Prostituierte
tätig und hat dabei alle Höhen und Tiefen des Rotlichtmilieus
kennen gelernt - nur kann man sich zu Recht fragen, ob sie mit
ihrem Buch ihr Ziel erreicht.
Von Stephan Sigg.
Prostituierte, die aus ihrem Leben erzählen,
hat es schon einige gegeben. Und nicht wenige haben mit ihren
Schilderungen ihr Geld verdient. Im Gegensatz zu den anderen
Autorinnen geht es Lisa Moos aber nicht um die Schilderung irgendwelcher
Phantasien, sondern um den schonungslosen Blick in den Alltag
einer Prostituierten. In der Tat ist der Leser von der ersten
Seite an in den Bann gezogen. Auch wenn, wie die Autorin selber
feststellt, sie alle Prostituierten-Klischees erfüllt.
Am Ziel vorbei
Zweifel kommen auf, wenn Lisa Moos alle sexuellen Handlungen
bis in kleinste Detail beschreibt. Dabei bleiben die Gefühle
- das Innenleben der Prostituierten - weitgehend auf der Strecke.
Und war nicht gerade die Beschreibung der Gefühle das Ziel?
Moos räumt an manchen Stellen selber ein, dass sie manchmal
die Chance gehabt hätte, aus dem Business auszusteigen und
eine "normalbürgerliche Existenz" aufzubauen.
Getan hat sie es nicht. Als hielte sie eine unsichtbare Macht
fest. So erscheint die Autorin häufig als eine sehr geldgesteuerte
Person, für die auch mit zunehmendem Alter kein Unterschied
zwischen einem One-Night-Stand und tatsächlicher Liebe zu
bestehen scheint.
Spannend bis zum Schluss
Das Buch bleibt spannend bis zum Schluss
und trotzdem gehen einem die Schilderungen mit der Zeit auf die
Nerven. Man möchte mit der Autorin in einen Dialog treten
und ihr Fragen stellen. Denn viele ihrer inneren Beweggründe
bleiben unbeantwortet. Sicher, Lisa Moos hatte es nicht leicht
und oft scheint es wirklich keine Alternative gegeben zu haben
als sich zu prostituieren. Doch fragt sich der Leser während
der Lektüre immer mehr, ob Mitleid nicht etwas fehl am Platz
ist. Es verwundert, dass Moos nicht aus ihren Fehlern lernt und
immer wieder in ähnliche Situationen gerät. Ob sich
das Image der Prostituierten mit diesem Buch verbessert, ist
zu bezweifeln.
Wer - auf unterhaltsame Weise und ohne schalen
Nachgeschmack - sich über das Leben einer Prostituierten
informieren will, der soll sich Lilli Brands "Transitgeschichten"
zulegen. Denn dieser ist es wirklich gelungen, den Alltag einer
Prostituierten berührend, witzig und ohne übertriebenem
Pathos zu schildern.
265 Seiten, CHF 18.10
Im Archiv:
Rezension
"Transitgeschichten"
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