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Nr. 133 / Juli 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lisa Moos: "Das erste Mal und immer wieder" (Roman) | Schwarzkopf & Schwarzkopf
Der Alltag im Rotlichtmilieu

Prostituierte sind Menschen - das will Lisa Moos den Lesern ihrer autobiografischen Schilderungen vermitteln. Moos war selbst zwanzig Jahre lang als Prostituierte tätig und hat dabei alle Höhen und Tiefen des Rotlichtmilieus kennen gelernt - nur kann man sich zu Recht fragen, ob sie mit ihrem Buch ihr Ziel erreicht.

Von Stephan Sigg.

Prostituierte, die aus ihrem Leben erzählen, hat es schon einige gegeben. Und nicht wenige haben mit ihren Schilderungen ihr Geld verdient. Im Gegensatz zu den anderen Autorinnen geht es Lisa Moos aber nicht um die Schilderung irgendwelcher Phantasien, sondern um den schonungslosen Blick in den Alltag einer Prostituierten. In der Tat ist der Leser von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Auch wenn, wie die Autorin selber feststellt, sie alle Prostituierten-Klischees erfüllt.

Am Ziel vorbei
Zweifel kommen auf, wenn Lisa Moos alle sexuellen Handlungen bis in kleinste Detail beschreibt. Dabei bleiben die Gefühle - das Innenleben der Prostituierten - weitgehend auf der Strecke. Und war nicht gerade die Beschreibung der Gefühle das Ziel? Moos räumt an manchen Stellen selber ein, dass sie manchmal die Chance gehabt hätte, aus dem Business auszusteigen und eine "normalbürgerliche Existenz" aufzubauen. Getan hat sie es nicht. Als hielte sie eine unsichtbare Macht fest. So erscheint die Autorin häufig als eine sehr geldgesteuerte Person, für die auch mit zunehmendem Alter kein Unterschied zwischen einem One-Night-Stand und tatsächlicher Liebe zu bestehen scheint.

Spannend bis zum Schluss
Das Buch bleibt spannend bis zum Schluss und trotzdem gehen einem die Schilderungen mit der Zeit auf die Nerven. Man möchte mit der Autorin in einen Dialog treten und ihr Fragen stellen. Denn viele ihrer inneren Beweggründe bleiben unbeantwortet. Sicher, Lisa Moos hatte es nicht leicht und oft scheint es wirklich keine Alternative gegeben zu haben als sich zu prostituieren. Doch fragt sich der Leser während der Lektüre immer mehr, ob Mitleid nicht etwas fehl am Platz ist. Es verwundert, dass Moos nicht aus ihren Fehlern lernt und immer wieder in ähnliche Situationen gerät. Ob sich das Image der Prostituierten mit diesem Buch verbessert, ist zu bezweifeln.

Wer - auf unterhaltsame Weise und ohne schalen Nachgeschmack - sich über das Leben einer Prostituierten informieren will, der soll sich Lilli Brands "Transitgeschichten" zulegen. Denn dieser ist es wirklich gelungen, den Alltag einer Prostituierten berührend, witzig und ohne übertriebenem Pathos zu schildern.

265 Seiten, CHF 18.10

Im Archiv:
Rezension "Transitgeschichten"


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