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Lars Bill Lundholm: "Der weisse Drache"
(Krimi) | Heyne
Södermalmsmorde
Nach Henning Mankells brillanten Kommissar
Wallander gibt es nun einen weiteren schwedischen Kommissar,
der auf die Suche nach dem Täter geht: Axel Hake. Leider
endet da auch schon ihre Gemeinsamkeiten: Lars Bill Lundholm
ist mit "Der weisse Drache" leider nur ein mittelmässiges
Buch gelungen.
Von Petra Gehrmann.
Die Geschichte klingt eigentlich spannend
genug: Kommissar Axel Hake wird zu einem Kanal des Stockholmer
Viertels Södermalm gerufen, dort wurde nämlich die
Leiche eines Mannes gefunden, dessen Identifizierung sich als
schwierig gestaltet, einzig die auffällige Tätowierung
eines weissen Drachens könnte Hake auf die Spur seiner Identität
bringen und mit dieser auf seinen Mörder. Die Jagd beginnt...
Erklärungen sind nur etwas für
die Lebenden
So weit so gut, der Roman hat sozusagen
alles, was für einen Krimi nötig ist: ein Mord - ein
Rätsel und einen Kommissar mit Familienproblemen. Doch macht
dieses Inventar leider noch lange nicht einen guten und spannenden
Krimi aus. Der ganze Mörderplot und das damit verbundene
Rätsel ist gar zu eindimensional, es ist beinahe so wie
in einem "Adventuregame": bei jedem Besuch wird etwas
neues entdeckt, was uns dann zum nächsten Hinweis führt.
Spannung kommt dabei nicht auf: es geschieht ein Mord und dann
geschieht lange nichts mehr, niemand ist bedroht und der Ermordete
ist derart unsympathisch, dass es eigentlich ziemlich egal erscheint,
ob der Mord aufgeklärt wird oder wer der Mörder ist.
Die angeschlagene Nase gab seinem Gesicht
eigentlich erst Charakter und den männlich entschlossenen
Zug, der so typisch für ihn war
Was den eher mittelmässigen Plot
hätte retten können, wäre der Kommissar gewesen.
Bei Krimis sind zwar keine sprachlichen Höheflüge zu
erwarten, aber gerade die Charakterisierung von Axel Hake ist
schwach. Man ist ja eigentlich immer gespannt etwas über
das Privatleben des Ermittlers zu erfahren und der Roman hält
damit auch nicht zurück. Zu Beginn gab es sogar mal die
Hoffnung, endlich mal einen Kommissar mit einem glücklichen,
wenn auch nicht alltäglichen, Familienleben zu erleben.
Doch weit gefehlt, ein paar Seiten später beginnen die Probleme,
die Beziehung wird dem Plot geopfert, und der Hakes Charakterisierung
gleicht immer mehr dem eines Roboters: er bleibt kühl und
beherrscht in jeder Situation, Gefühle hat er kaum oder
unterdrückt sie so gut, dass ich sie verpasst habe und er
ist sicherlich immer derjenige der zuletzt lacht. Die anderen
Figuren sind zwar zumeist stereotyp, der böse Boss, die
nicht zu verstehende Ehefrau, aber dennoch liebevoller gestaltet.
Einige von ihnen wie z.b. Lizzi Hammarlund oder sein Nachbar
sind gar interessant und bringen einem zum Schmunzeln.
Der Krimi ist durchaus lesbar, der Plot überrascht
trotz Eindimensionalität am Schluss mit einer unerwarteten
Wendung und die Beschreibungen der verschiedenen Stockholmviertel
ist plastisch und liebevoll gestaltet. Für einen regnerischen
Nachmittag sicherlich gut geeignet, ansonsten wende man sich
lieber an den anderen Schweden.
350 Seiten, CHF 16.50
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