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Paula Köhlmeier: "Maramba"
(Roman) | Zsolnay
Einmal Vorarlberg-Wien-Mexiko und zurück
"Maramba" liest man mit
zwiespältigen Gefühlen: Einerseits mit grosser Begeisterung,
andererseits mit Wehmut. Denn die Prosa, die der Beginn eines
wichtigen literarischen Schaffens hätte darstellen können,
wird keine Fortsetzung finden. Denn Paula Köhlmeier ist
2003 mit 21 Jahren tödlich verunglückt.
Von Stephan Sigg.
Als Tochter eines erfolgreichen österreichischen
Schriftstellerehepaars hätte Paula Köhlmeier bestimmt
keine Probleme gehabt, auf ihre Texte aufmerksam zu machen. Doch
sie wollte es ohne den elterlichen Promi-Bonus schaffen und veröffentlichte
deshalb anfangs unter einem Pseudonym. Auch so wurde sie gelesen
und mit Preisen ausgezeichnet. Eine Bestätigung, dass sich
die Leser und Juroren tatsächlich mit den Texten und nicht
mit der Person auseinander setzten. Alles klang so optimistisch,
bis ein Spaziergang am 23. August 2003 alles veränderte.
"Zwei Tage nach unserem Spaziergang stieg Paula auf den
Berg, fiel und kam nicht mehr nach Hause", schreibt Michael
Köhlmeier in seinem gemeinsam mit seiner Frau Monika Helfer
verfassten Nachwort.
Autobiografische Begebenheiten
"Maramba" ist eine Sammlung von kurzen und längeren
Erzählungen. Einige Protagonisten haben nur einen kurzen
fragmentarischen Auftritt, andere tauchen im Lauf des Buches
immer wieder auf. Paul Köhlmeier beschäftigt sich mit
Beziehungsgeschichten, dem Fremdgehen, Altersunterschieden und
dem Verrücktwerden. Als Leser fragt man sich oft, wie viel
autobiografische Gegebenheiten Köhlmeier in ihre Texte eingebaut
hat. War sie doch gleich wie die junge Reisende in "Der
mit den schwarzen Haaren und den vielen Tätowierungen"
längere Zeit in Mexiko unterwegs oder arbeitete wie das
Mädchen in "Ein Brief an dich" als Filmvorführerin
in einem kleinen Wiener Kino.
International mit Heimatbezug
Köhlmeiers Erzählungen sind international, viele Geschichten
drehen sich aber um ihre Heimat Vorarlberg oder haben wenigstens
einen Bezugspunkt dorthin. Hier lassen sich einige Parallelen
zu Monika Helfer finden, deren Prosa auch stark von vorarlbergerischem
Lokalkolorit durchwoben ist. Aber Paula Köhlmeier geht es
(bis auf ein paar Ausnahmen) nicht darum, über das westlichste
Bundesland Österreichs oder deren Leute zu schreiben. Die
Geschichten können sich genauso gut an irgendeinem anderen
Ort auf der Welt abspielen.
Einsame Leben
Paula Köhlmeier hat einen Blick für Details, die sonst
niemanden auffallen würden. Mit wenigen Sätzen skizziert
sie zum Teil ganze Seelenabgründe und Lebensgeschichten.
Viele von ihren Personen sind einsam, verlassen, ernüchtert
und leben einfach so vor sich hin. Aber manche schreiten dann
plötzlich doch zur Tat. Wie die Ich-Erzählerin im "Tagebuch
einer Verrückten", die ihren Mann und dessen Geliebte
während dem Beischlaf - beide gleichzeitig - ersticht. Schonungslos
konfrontiert Köhlmeier den Leser oft gleich im ersten Satz
mit dem Schicksal. "Ein Freund hat seinen Freund betrogen."
"Herr Mandel hat eine Niere bekommen." - Prägnante
Sätze ohne Schnörkel, auf diese dann die Situation
Satz um Satz an Schärfe und Kontur gewinnt. Eine Sammlung
mit bewegenden und vor allem gelungenen Texten.
253 Seiten, CHF 32.50
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