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Nr. 133 / Juli 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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T.C.Boyle: "Grün ist die Hoffnung" (Roman) | dtv galleria
Und hinter der Hoffnung lauert die Hölle

Das bereits 21 jährige und inzwischen zum "populären" Kultroman avancierte Werk des berühmt berüchtigten Ex-Junkies T.C. Boyle erscheint in einer Neuauflage bei dtv-galleria. Wie das gelungene Cover bereits erahnen lässt, geht es darin auch um Marihuana - aber eigentlich um viel mehr. Um Durchhaltevermögen trotz schwindender Hoffnung, um das strapazierbare Band der Freundschaft unter Extrembedingungen, um existenzielle Zweifel und zwischenmenschliches Misstrauen, Lüge und Verrat - und gar ein bisschen um Liebe.

Von Marco Durrer.

Drei Freunde, alles desillusionierte Alt-68er, bringen einen äusserst abenteuerlichen Sommer im Hinterland Kaliforniens damit zu, riesige Sensimillafelder anzubauen und zu bewirtschaften - alles in der Hoffnung, im Herbst mit den harzigen Blüten auch ihren Teil des versprochenen Gewinns zu ernten. Dazwischen wird jede Menge Karten gespielt, Gras geraucht und Hochprozentiges gesoffen, mit dem Schicksal gehadert - und in jede Menge Fettnäpfchen getreten.

Paranoia und andere Qualen
Der ehemalige CIA-Agent Vogelsang schlägt dem Gelegenheitsarbeiter und Ich-Erzähler Felix ein scheinbar lukratives Geschäft vor: Er soll im Norden San Franciscos ein Sommerlager beziehen und sich dabei um 2'000 Cannabis-Pflanzen kümmern. Mit der Aussicht auf eine halbe Million Dollar sind erste Zweifel schnell unterdrückt und mit Gesh und Phil zwei "Mitarbeiter" in Geldnöten gefunden. Das Unternehmen steht für die drei aber von Beginn weg unter einem (sehr) schlechten Stern: Ein heruntergekommener Bretterverschlag dient als Unterkunft, riesige Flächen bracher Erde sind einzuzäunen, Bewässerungsanlagen zu installieren und jedes Samenkorn einzeln heranzuziehen und einzupflanzen - und dies alles natürlich ohne Verdacht zu erwecken. Nebst dem gnadenlos launischen Wetter, gefrässigen Tieren und suspekter mangelnder Unterstützung ihrer Auftraggeber macht den Dreien vor allem die hinterwäldlerische ortsansässige Bevölkerung zu schaffen, deren Alltag sich plötzlich nur noch um die drei Fremden zu drehen scheint.

Vom Regen in die Traufe
Neben den derben, aber mit ihrer oftmals unschuldigen Affinität für aussichtslose Lagen doch für sich einnehmenden Charakteren der drei Protagonisten, bilden auch die restlichen Figuren zuweilen ein sehr unterhaltsames Kabinett alltäglicher (wenn auch stereotypischer) Skurrilität. So wird die dreisame Zeit im abgelegenen Sommerlager mit dem psychische und physische Kräfte raubenden Kampf gegen die Natur und Langeweile immer mal wieder verkürzt durch (zumindest für den Leser) amüsante Begegnungen mit der anscheinend nicht ganz ahnungslos bleibenden Aussenwelt. Unzählige Male steht das kriminelle Vorhaben kurz vor dem Scheitern, doch so heftig und demotivierend die (manchmal auch ein wenig überzogen daherkommenden) Hürden auch sind, die drei Marihuanapflanzer etablieren sich als ausdauernde Stehaufmännchen und schaffen es über Umwege schliesslich doch ans Ziel - oder zumindest bis zu dem, was von ihren hoffnungsvollen Erwartungen noch übrig bleibt.

Mit seiner bildhaften und geradezu fabulierenden Sprache vermag Boyle dem Leser von Beginn weg das Gefühl zu vermitteln, als würde er selbst im Sommerlager mit den drei Jungs im Dreck stecken, die Hitze und den Regen auf der Haut spüren, den Schweiss, Rauch und Alkohol riechen. Auch dass manche der unzähligen Metaphern als zu konstruiert und die nach einem Quentchen zu viel an Stimmung haschenden Adjektive als zu gesucht erscheinen mögen, tut dem Leseerlebnis keinen Abbruch. Ein Buch, das geradezu (st-)rotzt vor Leben. Gute, unkomplizierte und solide Unterhaltung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Zum Autor
Tom Coraghessan Boyle, Jahrgang 1948, geriet als Jugendlicher unter alkoholabhängigen Eltern in den Drogensumpf, woraus er sich schliesslich mit Hilfe des Schreibens wieder herausziehen konnte. Er unterrichtet Englische Literatur an der University of Southern California in Los Angeles und veröffentlichte bereits über 17 Bücher, darunter "World's end", "Drop City", und ganz neu: "Dr. Sex".

442 Seiten, CHF 15.90

www.tcboyle.com
www.tcboyle.de
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