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T.C.Boyle: "Grün ist die Hoffnung"
(Roman) | dtv galleria
Und hinter der Hoffnung lauert die Hölle
Das bereits 21 jährige und inzwischen
zum "populären" Kultroman avancierte Werk des
berühmt berüchtigten Ex-Junkies T.C. Boyle erscheint
in einer Neuauflage bei dtv-galleria. Wie das gelungene Cover
bereits erahnen lässt, geht es darin auch um Marihuana -
aber eigentlich um viel mehr. Um Durchhaltevermögen trotz
schwindender Hoffnung, um das strapazierbare Band der Freundschaft
unter Extrembedingungen, um existenzielle Zweifel und zwischenmenschliches
Misstrauen, Lüge und Verrat - und gar ein bisschen um Liebe.
Von Marco Durrer.
Drei Freunde, alles desillusionierte Alt-68er,
bringen einen äusserst abenteuerlichen Sommer im Hinterland
Kaliforniens damit zu, riesige Sensimillafelder anzubauen und
zu bewirtschaften - alles in der Hoffnung, im Herbst mit den
harzigen Blüten auch ihren Teil des versprochenen Gewinns
zu ernten. Dazwischen wird jede Menge Karten gespielt, Gras geraucht
und Hochprozentiges gesoffen, mit dem Schicksal gehadert - und
in jede Menge Fettnäpfchen getreten.
Paranoia und andere Qualen
Der ehemalige CIA-Agent Vogelsang schlägt dem Gelegenheitsarbeiter
und Ich-Erzähler Felix ein scheinbar lukratives Geschäft
vor: Er soll im Norden San Franciscos ein Sommerlager beziehen
und sich dabei um 2'000 Cannabis-Pflanzen kümmern. Mit der
Aussicht auf eine halbe Million Dollar sind erste Zweifel schnell
unterdrückt und mit Gesh und Phil zwei "Mitarbeiter"
in Geldnöten gefunden. Das Unternehmen steht für die
drei aber von Beginn weg unter einem (sehr) schlechten Stern:
Ein heruntergekommener Bretterverschlag dient als Unterkunft,
riesige Flächen bracher Erde sind einzuzäunen, Bewässerungsanlagen
zu installieren und jedes Samenkorn einzeln heranzuziehen und
einzupflanzen - und dies alles natürlich ohne Verdacht zu
erwecken. Nebst dem gnadenlos launischen Wetter, gefrässigen
Tieren und suspekter mangelnder Unterstützung ihrer Auftraggeber
macht den Dreien vor allem die hinterwäldlerische ortsansässige
Bevölkerung zu schaffen, deren Alltag sich plötzlich
nur noch um die drei Fremden zu drehen scheint.
Vom Regen in die Traufe
Neben den derben, aber mit ihrer oftmals unschuldigen Affinität
für aussichtslose Lagen doch für sich einnehmenden
Charakteren der drei Protagonisten, bilden auch die restlichen
Figuren zuweilen ein sehr unterhaltsames Kabinett alltäglicher
(wenn auch stereotypischer) Skurrilität. So wird die dreisame
Zeit im abgelegenen Sommerlager mit dem psychische und physische
Kräfte raubenden Kampf gegen die Natur und Langeweile immer
mal wieder verkürzt durch (zumindest für den Leser)
amüsante Begegnungen mit der anscheinend nicht ganz ahnungslos
bleibenden Aussenwelt. Unzählige Male steht das kriminelle
Vorhaben kurz vor dem Scheitern, doch so heftig und demotivierend
die (manchmal auch ein wenig überzogen daherkommenden) Hürden
auch sind, die drei Marihuanapflanzer etablieren sich als ausdauernde
Stehaufmännchen und schaffen es über Umwege schliesslich
doch ans Ziel - oder zumindest bis zu dem, was von ihren hoffnungsvollen
Erwartungen noch übrig bleibt.
Mit seiner bildhaften und geradezu fabulierenden
Sprache vermag Boyle dem Leser von Beginn weg das Gefühl
zu vermitteln, als würde er selbst im Sommerlager mit den
drei Jungs im Dreck stecken, die Hitze und den Regen auf der
Haut spüren, den Schweiss, Rauch und Alkohol riechen. Auch
dass manche der unzähligen Metaphern als zu konstruiert
und die nach einem Quentchen zu viel an Stimmung haschenden Adjektive
als zu gesucht erscheinen mögen, tut dem Leseerlebnis keinen
Abbruch. Ein Buch, das geradezu (st-)rotzt vor Leben. Gute, unkomplizierte
und solide Unterhaltung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Zum Autor
Tom Coraghessan Boyle, Jahrgang 1948,
geriet als Jugendlicher unter alkoholabhängigen Eltern in
den Drogensumpf, woraus er sich schliesslich mit Hilfe des Schreibens
wieder herausziehen konnte. Er unterrichtet Englische Literatur
an der University of Southern California in Los Angeles und veröffentlichte
bereits über 17 Bücher, darunter "World's end",
"Drop City", und ganz neu: "Dr. Sex". |
442 Seiten, CHF 15.90
www.tcboyle.com
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