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Nr. 133 / Juli 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Patricia Highsmith: "Salz und sein Preis" (Roman) | Diogenes
Die Suche nach dem Glück

Zwei Frauen lernen sich kennen, lieben und verreisen zusammen. Auch ohne Mordfälle ist Highsmith stark: Die Road Novel ist voller Leidenschaft, Erotik und gibt einen tiefen Einblick in die Seelen der Protagonistinnen.

Von Thomas Iseli.

Die deutsche Übersetzung des zweiten Romans von Patricia Highsmith "Salz und sein Preis" erschien 1990 im Diogenes Verlag noch unter dem Titel "Carol". Es brauchte fast vierzig Jahre bis das Geheimnis um das Pseudonym des 1952 von "Claire Morgan" erschienen Romans zu lüften. Denn damals war es für eine junge Autorin nicht schick, über die lesbische Liebe zwischen zwei Frauen zu schreiben. Und das im Falle von Patricia Highsmith schon gar nicht, wenn der Erstling ("Zwei Männer im Zug") soeben die Aufmerksamkeit von niemand Geringeren als Alfred Hitchcock erregte und dieser später den Roman nach einem Drehbuch des grossen Raymond Chandler verfilmte. Highsmith, »eine unserer größten zeitgenössischen Schriftstellerinnen.«, so der amerikanische Schriftstellerkollege und Politiker, Gore Vidal, sollte also erst in den Neunzigern die Ehre für ihr Buch "Carol" erhalten.

Erotisch knisternd
"Salz und sein Preis" ist kein typisches Buch nach Highsmiths' Stil. Es handelt von erfüllter Liebe, die nicht wie in anderen Werken als Wahn, sondern als Glück empfunden wird. Eine 19-jährige Bühnenbildnerin, Therese, verliebt sich in einem Kaufhaus in die viel ältere Carol. Diese erwidert ihre Liebe. Zusammen verreisen die beiden Frauen, lernen sich immer wieder neu kennen, erleben Zuneigung, Erotik und verlieben sich, was Carol in ein moralisches Dilemma stürzt. Denn die selbstsichere Frau ist mit ihrem Mann in der Scheidung, kämpft um das Sorgerecht ihrer Tochter und wird darum von einem Privatdetektiv beschattet. Am Schluss bleibt die Frage, welchen Preis Carol für ihre Selbstverwirklichung bezahlen muss.

Autobiografische Parallelen
Der Roman ist sehr flüssig und mit viel Leidenschaft, Poesie und Erotik geschrieben. Die tiefen Abgründe der menschlichen Seele, die Erwartungen, Enttäuschungen, Hoffnungen und Ängste werden hier, nicht wie für Patricia Highsmith üblich im Zusammenhang mit einem Mord- oder Kriminalfall dargestellt, sondern in den intensiven und wahren Liebe zwischen den beiden Frauen. Ein weiteres Thema, das aus den Kriminalromanen von Highsmith bekannt ist und auch hier eindrücklich dargestellt wird, ist die psychologische Entwicklung und die innere Gesinnung der Protagonisten im Laufe der Buches. Der Roman, welcher auch als Road Novel à la "Thelma und Louise" bezeichnet wird, und die Idee dazu entstanden aus einer Begegnung von Patricia Highsmith. 1948 arbeitet die junge Highsmith in einem Kaufhaus und trifft dort eine blonde Frau. Noch am selben Abend wird sie den Plot für den Roman in ihrem Notizbuch festhalten. Liebhaber von Patricia Highsmith werden sich an der neu erschienen Werkausgabe erfreuen: Die autobiographischer Skizze und das Nachwort von Paul Ingendaay machen "Salz und sein Preis" zum Objekt der Begierde.

Diogenes Werkausgabe
Diogenes ehrt Patricia Highsmith und ihr Lebenswerk mit einer Werkausgabe. Der Verlag, der die Weltrechte der Bücher von Highsmith besitzt, bringt sämtliche Werke der im Tessin beerdigten Schriftstellerin neu heraus, jeweils mit einem Nachwort und editorischen Notizen. Dafür erntet der Zürcher Verlag Lob, beispielsweise von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Die Werkausgabe von Patricia Highsmith ist eine verlegerische Grosstat".

459 Seiten, CHF 37.90


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