|
Patricia Highsmith: "Salz und sein Preis"
(Roman) | Diogenes
Die Suche nach dem Glück
Zwei Frauen lernen sich kennen, lieben
und verreisen zusammen. Auch ohne Mordfälle ist Highsmith
stark: Die Road Novel ist voller Leidenschaft, Erotik und gibt
einen tiefen Einblick in die Seelen der Protagonistinnen.
Von Thomas Iseli.
Die deutsche Übersetzung des zweiten
Romans von Patricia Highsmith "Salz und sein Preis"
erschien 1990 im Diogenes Verlag noch unter dem Titel "Carol".
Es brauchte fast vierzig Jahre bis das Geheimnis um das Pseudonym
des 1952 von "Claire Morgan" erschienen Romans zu lüften.
Denn damals war es für eine junge Autorin nicht schick,
über die lesbische Liebe zwischen zwei Frauen zu schreiben.
Und das im Falle von Patricia Highsmith schon gar nicht, wenn
der Erstling ("Zwei Männer im Zug") soeben die
Aufmerksamkeit von niemand Geringeren als Alfred Hitchcock erregte
und dieser später den Roman nach einem Drehbuch des grossen
Raymond Chandler verfilmte. Highsmith, »eine unserer größten
zeitgenössischen Schriftstellerinnen.«, so der amerikanische
Schriftstellerkollege und Politiker, Gore Vidal, sollte also
erst in den Neunzigern die Ehre für ihr Buch "Carol"
erhalten.
Erotisch knisternd
"Salz und sein Preis" ist kein typisches Buch nach
Highsmiths' Stil. Es handelt von erfüllter Liebe, die nicht
wie in anderen Werken als Wahn, sondern als Glück empfunden
wird. Eine 19-jährige Bühnenbildnerin, Therese, verliebt
sich in einem Kaufhaus in die viel ältere Carol. Diese erwidert
ihre Liebe. Zusammen verreisen die beiden Frauen, lernen sich
immer wieder neu kennen, erleben Zuneigung, Erotik und verlieben
sich, was Carol in ein moralisches Dilemma stürzt. Denn
die selbstsichere Frau ist mit ihrem Mann in der Scheidung, kämpft
um das Sorgerecht ihrer Tochter und wird darum von einem Privatdetektiv
beschattet. Am Schluss bleibt die Frage, welchen Preis Carol
für ihre Selbstverwirklichung bezahlen muss.
Autobiografische Parallelen
Der Roman ist sehr flüssig und
mit viel Leidenschaft, Poesie und Erotik geschrieben. Die tiefen
Abgründe der menschlichen Seele, die Erwartungen, Enttäuschungen,
Hoffnungen und Ängste werden hier, nicht wie für Patricia
Highsmith üblich im Zusammenhang mit einem Mord- oder Kriminalfall
dargestellt, sondern in den intensiven und wahren Liebe zwischen
den beiden Frauen. Ein weiteres Thema, das aus den Kriminalromanen
von Highsmith bekannt ist und auch hier eindrücklich dargestellt
wird, ist die psychologische Entwicklung und die innere Gesinnung
der Protagonisten im Laufe der Buches. Der Roman, welcher auch
als Road Novel à la "Thelma und Louise" bezeichnet
wird, und die Idee dazu entstanden aus einer Begegnung von Patricia
Highsmith. 1948 arbeitet die junge Highsmith in einem Kaufhaus
und trifft dort eine blonde Frau. Noch am selben Abend wird sie
den Plot für den Roman in ihrem Notizbuch festhalten. Liebhaber
von Patricia Highsmith werden sich an der neu erschienen Werkausgabe
erfreuen: Die autobiographischer Skizze und das Nachwort von
Paul Ingendaay machen "Salz und sein Preis" zum Objekt
der Begierde.
Diogenes Werkausgabe
Diogenes ehrt Patricia Highsmith und
ihr Lebenswerk mit einer Werkausgabe. Der Verlag, der die Weltrechte
der Bücher von Highsmith besitzt, bringt sämtliche
Werke der im Tessin beerdigten Schriftstellerin neu heraus, jeweils
mit einem Nachwort und editorischen Notizen. Dafür erntet
der Zürcher Verlag Lob, beispielsweise von der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung: "Die Werkausgabe von Patricia Highsmith
ist eine verlegerische Grosstat". |
459 Seiten, CHF 37.90
|